Emirates rettet erneut den Airbus A380 Jumbo-Jet

Motley Fool Investmentanalyst

Airbus (WKN:938914) sah sich in den letzten Jahren mit einem stetig schrumpfenden Auftragsbestand für seinen A380-Jumbo-Jet konfrontiert. Zwischen 2015 und 2017 erhielt Airbus für die A380 sogar null Netto-Bestellungen. Damit endete das Jahr 2017 mit einem Auftragsbestand von nur 95 Aufträgen, von denen etwa die Hälfte voraussichtlich storniert wird.

Doch der Fluglinienriese Emirates aus dem Nahen Osten – bereits der mit Abstand größte A380-Kunde – warf Airbus in der vergangenen Woche einen weiteren Rettungsring zu und erteilte einen Festauftrag über 20 weitere A380. Doch auch mit diesem Auftrag bleibt die langfristige Zukunft des A380-Flugzeugprogramms ungewiss.

Mehr Turbulenzen für den A380

Seit einigen Jahren ist klar, dass Emirates die einzige Airline ist, die den Airbus A380 wirklich mag. Dennoch verlangte sie im vergangenen Herbst Garantien, dass Airbus das Modell mindestens ein Jahrzehnt lang weiterbauen würde, um bis zu 36 zusätzliche A380 zu bestellen. Emirates hat Airbus öffentlich gedemütigt, indem es Pläne zum Kauf von 40 Boeing (WKN:850471) Dreamlinern angekündigt hat, gerade als Airbus dachte, man hätte den Deal schon sicher.

Angesichts des fehlenden Interesses anderer Fluggesellschaften erklärte John Leahy, der in den Ruhestand getretene Airbus-Vertriebschef, dass Airbus ohne einen weiteren Auftrag von Emirates gezwungen wäre, die A380-Produktion einzustellen. Emirates auf diese Weise öffentlich unter Druck zu setzen, war ein gewagtes Spiel.

Emirates gibt nach — oder hat Airbus geblinzelt?

Zum Glück für Airbus hat Emirates entschieden, dass es ohne die A380 nicht leben kann – zumindest vorläufig. Am Donnerstag, nur wenige Tage nach der Drohung von Leahy, kündigte Emirates an, dass Emirates einen Festauftrag über 20 weitere A380 mit Optionen für 16 weitere Flugzeuge erteilen will. Die Lieferungen sollen im Jahr 2020 beginnen und für eine Kombination aus Wachstum und Ersatzbedarf genutzt werden.

Der Zeitpunkt dieses Vertrags lässt es so aussehen, als hätte Leahys Drohung funktioniert. In der Airbus-Pressemitteilung zur Ankündigung der Transaktion sagte Leahy: „Dieser neue Auftrag unterstreicht das Engagement von Airbus, die A380 mindestens für weitere zehn Jahre zu produzieren. Mit anderen Worten: Emirates hat die gewünschte Produktionsgarantie erhalten.

Einschließlich des neuen Festauftrags von Emirates verfügt Airbus über 68 Festbestellungen (d.h. ohne Aufträge, die voraussichtlich storniert werden) für den A380. Singapore Airlines wird in diesem Jahr die letzten drei A380 erhalten; Qatar Airways wird ebenfalls einen A380 erhalten. Nächstes Jahr wird ANA die drei bestellten A380 übernehmen. Die anderen 61 Aufträge sind alle für Emirates.

Airbus scheint bereit zu sein, nach 2018 nur noch sechs bis acht A380 pro Jahr zu bauen. Das bedeutet, dass das Programm wahrscheinlich für die nächsten 10 Jahre überleben könnte, ohne dass andere Kunden kaufen – besonders, wenn Emirates die 16 Optionen ausübt.

Die langfristige Geschichte könnte anders sein

Boeing-Bullen haben Anfang letzter Woche große Hoffnungen gehegt, nachdem Leahy sich zu einer möglichen Einstellung der A380-Produktion geäußert hatte. Schließlich könnte der 777X von Boeing – der größte Jet auf dem Markt – einen großen Verkaufsschub nach dem Untergang des A380 erleben.

Dieses Szenario wird in naher Zukunft nicht eintreten. In einem Jahrzehnt könnte sich die Situation jedoch ändern.

Der Hauptgrund, warum Emirates den A380 benötigt, ist die Tatsache, dass ihr Drehkreuz am Dubai International Airport nahezu ausgelastet ist. Dennoch soll Emirates 2025 auf den viel größeren Al Maktoum International Airport umziehen. Dieser Flughafen wird über mehr als doppelt so viel Kapazität verfügen wie Dubai International, das weiterhin als Entlastungsflughafen geöffnet bleiben wird. Dadurch könnte Emirates künftig häufiger Flüge durchführen (erfreulich für Geschäftsreisende), anstatt immer größere Flugzeuge einzusetzen, um die steigende Nachfrage zu befriedigen.

Der andere Grund für den Betrieb der A380 ist, dass die Kunden ihre einzigartigen Annehmlichkeiten wie die Bord-Duschen für First-Class-Passagiere und den Lounge-Bereich für Business-Class-Reisende lieben. Dennoch gibt es keinen Grund, warum Emirates diese Funktionen nicht zumindest bei einem Teil seiner 777X-Flotte hinzufügen könnte – vor allem, wenn Boeing schließlich ein noch größeres 777X-Modell baut.

Die 777X wird wesentlich effizienter sein als die A380, was den Fluggesellschaften (einschließlich Emirates) einen zwingenden Grund zum Umstieg gibt. Aufgrund der fehlenden Nachfrage nach sehr großen Flugzeugen wird Airbus wahrscheinlich nicht in ein komplettes Redesign der A380 investieren, was notwendig wäre, um sie wettbewerbsfähig zu halten.

Kurzfristig machen Kapazitätsengpässe in Dubai – und an einigen anderen wichtigen Flughäfen wie London Heathrow – die A380 zu einem unverzichtbaren Teil der Strategie von Emirates. In zehn Jahren wird Emirates mit dem Umzug zum Al Maktoum International Airport und einer neuen Start- und Landebahn in Heathrow dafür sorgen, dass der A380 leichter austauschbar wird. Das heißt, obwohl der Airbus A380 die aktuelle Schlacht gewonnen hat, könnte die Boeing 777X den Krieg noch gewinnen.

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The Motley Fool hält keine der erwähnten Aktien.

Dieser Artikel wurde von Adam Levine-Weinberg auf Englisch verfasst und am 23.1.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

 

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