Warum die A380 noch lange nicht am Ende ist

Aufatmen bei Airbus in Toulouse und Hamburg: Die bereits vor einigen Wochen angekündigte Bestellung von 20 Großfliegern vom Typ A380 durch die Golf-Airline Emirates ist in Vertragsform gegossen. 16 weitere Exemplare könnten später noch dazukommen. Der Auftrag sichert die Produktion des Doppeldeckers vorerst bis 2029.

Für Emirates ist die Order ein logischer Schritt, denn die Airline ist mit 178 bestellten A380 der mit Abstand größte Kunde für das Flaggschiff aus dem Hause Airbus. Die Golf-Airline aus Dubai hat ein gewisses Interesse daran, die weitere Produktion des Doppeldeckers zu sichern.

Denn wäre sie, wie von Airbus angedroht, tatsächlich in absehbarer Zeit eingestellt worden, hätte die bislang erfolgreichste und größte Fluggesellschaft vom Persischen Golf eine Flotte auf dem Hof stehen gehabt, die weitgehend aus einem Auslaufmodell bestanden hätte. Das wiederum hätte erheblichen Einfluss auf den Restwert sowie den Weiterverkauf gebrauchter Jets gehabt.

Der am Sonntag finalisierte Deal ist am Ende also nicht völlig überraschend gekommen, auch wenn sich das Geschacher über Monate hinzog. Aber er ist doch einer, von dem beide Seiten profitieren.

Zwar dürfte Airbus seinem wichtigsten Kunden erheblich entgegengekommen sein. Die Details eines Flugzeugkaufs zählen zu den am besten gehüteten Geheimnissen der Airline-Branche. Daher wird wohl niemals herauskommen, wie sehr der tatsächliche Preis, den Emirates für die insgesamt 36 Jets bezahlen wird, von dem offiziellen Listenpreis abweicht. Der liegt immerhin bei satten 16 Milliarden US-Dollar.


Doch für Airbus könnte der Verkauf gleichwohl ein lohnendes Geschäft werden. Der Flugzeugbauer setzt ein Zeichen, dass es Airlines gibt, die für das größte Passagierflugzeug der Welt weiterhin einen Markt sehen. Der Emirates-Deal zeigt bereits Wirkung: So denkt die zur Airline-Holding IAG gehörende British Airways (BA) nach Informationen von Brancheninsidern darüber nach, statt gebrauchter nun doch neue A380 zu bestellen.

Um wie viele Maschinen es konkret geht und ob ein Vertrag tatsächlich zustande kommen wird, ist zwar offen. Nach offiziellen Informationen hatte sich BA zunächst für sechs bis sieben gebrauchte Doppeldecker interessiert, die die bestehende Flotte von zwölf A380 ergänzen sollen. Aber alleine die Tatsache, dass sich eine europäische Fluggesellschaft für neue A380 interessiert, ist ein Signal für die gesamte Airline-Branche.

Das i-Tüpfelchen für Airbus wäre jetzt noch eine Bestellung aus dem Wachstumsmarkt China. So einen Deal hatte der jüngst in Rente gegangene Chefverkäufer von Airbus, John Leahy, nicht mehr eingefädelt. Aber auch für seinen Nachfolger Eric Schulz, einen ehemaligen Rolls-Royce-Manager, muss es noch Ziele geben. Die Geschichte der A380 – sie könnte noch länger dauern als viele glauben.