Eminem ist 10 Jahre clean: Die Höhen und Tiefen der Rap-Legende

Kurze, wasserstoffblonde Haare und provokante Wortakrobatik: So wurde Eminem weltbekannt. (Bild: Matt Sayles/Invision/AP Photo)

Er gilt als einer der größten Rapper aller Zeiten, sein Leben war durchzogen von Höhen und Tiefen. Ein Blick auf ein Superstar-Leben zwischen schwerer Jugend, Riesenerfolgen, Drogensucht und Gerichtsprozessen.

Mit einem Twitter-Posting zelebrierte Rapper Eminem vergangene Woche seine zehnjährige Drogenabstinenz. „Feierte gestern meine 10 Jahre“, schrieb der Musiker auf Twitter und veröffentlichte dazu ein Foto einer Jubiläumsmünze der „Narcotics Anonymous“, einer Selbsthilfegruppe, die auf den „12 Schritten“ der Anonymen Alkoholiker aufbaut. Seine als „Sponsor“ bezeichnete Vertrauensperson ist übrigens niemand Geringeres als Sir Elton John.


Das bewegte Leben des 45-Jährigen kann man auch in seinen teils explizit biographischen Texten nachhören. Geboren wurde Marshall Bruce Mathers III am 17. Oktober 1972 in St. Joseph im US-amerikanischen Bundesstaat Missouri. Sein Vater verließ die Familie, als Mathers drei Jahre alt war; seine Mutter – bei der Geburt gerade mal 17 Jahre alt – war drogenabhängig und ihm gegenüber gewalttätig. Sein schwieriges Verhältnis zur Mutter verarbeitete Eminem Jahre später in zahlreichen Songs – zum Beispiel dem extrem düsteren „Cleanin‘ Out My Closet“.

Als Mathers zwölf Jahre alt war, zog seine Mutter mit ihm nach Warren, einem afroamerikanisch geprägten Vorort der US-amerikanischen Industriestadt Detroit mit eklatanten Kriminalitätsproblemen. Er fing an, sich für Hip-Hop und Rap zu interessieren, nachdem ihn sein Onkel Ronnie auf den Geschmack brachte. Es waren vor allem zwei Bands, die den jungen Eminem prägen sollten: Beastie Boys und N.W.A., jenes Gangsta-Rap-Kollektiv um den Produzenten, Rapper und heutigen Milliardär Dr. Dre. Dieser sollte viele Jahre später auch ein maßgeblicher Grund für den Aufstieg des Rappers werden. Der Selbstmord seines Onkels 1991 war ein gravierender Schlag für Mathers, der für ihn eine Art Vaterersatz war.

Der Durchbruch ließ auf sich warten

Mathers gab sich zunächst den Künstlernamen M & M, den er später aus rechtlichen Gründen in Eminem änderte. Jener ergab sich aus der Aussprache seiner Initialen M und M. Eminem verdiente sein Geld auf Freestyle-Battles und wurde 1992 erstmals auf einem Detroiter Label unter Vertrag genommen. Der große Erfolg sollte sich aber erst Jahre später anbahnen, als er zur Rap-Crew „D12“ stieß und im Zuge dessen sein Alter Ego „Slim Shady“ erfand.

Er nahm eine EP auf – die „Slim Shady EP“, die in die Hände der Musikindustrie-Legende und Interscope-Records-Begründer Jimmy Iovine kam. Dieser spielte sie – hier schließt sich der Kreis zu Eminems Anfängen – Dr. Dre vor. André Young, so Dr. Dre bürgerlich, war mittlerweile nicht nur Rapper und Produzent, sondern auch maßgeblich an Interscope Records beteiligt. Er nahm ihn unter Vertrag. Zu diesem Zeitpunkt war Eminem längst verheiratet und bereits Vater einer Tochter.

Eminem mit Produzentenlegende Dr. Dre bei einem gemeinsamen Liveauftritt – ihm hat er seine Weltkarriere zu verdanken. (Bild: Chris Pizzello/AP Photo)

Dass Dr. Dre gerade auf einen weißen Rapper setzte, sorgte in der Rap-Szene für viele Kontroversen. Der Produzent, überzeugt vom einzigartigen Stil des Rappers und auf der Suche nach einem kommerziellen Zugpferd für seine Label-Aktivitäten, ließ sich nicht beirren – und damit sollte er Recht behalten: Mit „The Slim Shady LP“ sorgte er für den Beginn einer Weltkarriere. Noch größerer Erfolg stellte sich mit dem Nachfolge-Longplayer „The Marshall Mathers LP“ und der Hitsingle „Stan“ ein. Von da an galt Eminem als etablierter Superstar – und der war bekannt für seine herben, provokanten und politisch oft ganz und gar unkorrekten Texte.

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Mit dem Erfolg kamen auch die Streitigkeiten: 1999 wurde er von seiner Mutter, die er in Songtexten alles andere als zimperlich angefasst hatte, wegen übler Nachrede verklagt. Aus den zehn Millionen Schmerzensgeld, die sie von ihrem Sohn forderte, wurde allerdings nichts: Die beiden einigten sich schließlich auf 10.000 Dollar. Auch seine Ex-Frau Kim Mathers – er heiratete sie 2006 erneut, ehe er wenige Monate später wieder die Scheidung einreichte, nachdem sie versucht hatte, sich das Leben zu nehmen – kam in Eminems Texten nicht besonders gut weg. Im Gegenteil: Im Song „Kim“ bringt sie der Protagonist um. Auch Kim forderte vor Gericht Schadensersatz in Höhe von zehn Millionen Dollar.

2005 musste Eminem seine Tournee wegen Erschöpfung abbrechen und sich in eine Entzugstherapie begeben. Seine Medikamentenabhängigkeit, die immer mehr überhandnahm, wurde er bei diesem Versuch allerdings nicht los. Dies hätte fast zu seinem Tod geführt: Ende 2007 wurde er mit einer Überdosis Methadon – einem Heroin-Substitut – ins Krankenhaus eingeliefert. Doch im Anschluss brachte die Entziehungskur den gewünschten Erfolg – und Eminem ist seit nunmehr einer Dekade clean.

Der Musiker nutzte seine Erfahrungen, um mit dem Album „Relapse“ – wieder produziert mit Dr. Dre – sein Comeback einzuläuten. Mit Erfolg: Das Album ging in den USA, genau wie die drei seitdem erschienenen Folgealben, auf Platz eins der Charts. Eminem gilt längst als Rap-Legende, Alben wie „The Slim Shady LP“ als Genre-Klassiker.

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