Gladbach feiert Derbyheld Elvedi und sich selbst

Nico Elvedi entschied das Rheinderby durch sein erstes Bundesliga-Tor

Nico Elvedi konnte sich vor Glückwünschen kaum retten. Gleich nach dem Schlusspfiff umarmten ihn seine Mitspieler, anschließend gratulierten Trainer Dieter Hecking und Sportdirektor Max Eberl dem Held des Abend zu dessen Premierentor in der Bundesliga.

Dank des Schweizers war Borussia Mönchengladbach mit einem 1:0 (0:0)-Derbysieg gegen "Lieblingsgegner" 1. FC Köln in die Saison gestartet und hatte damit die zuletzt ins Wanken geratenen Verhältnisse am Rhein vorerst wieder zurechtgerückt. "Wir sind die Nummer eins am Rhein", sangen die euphorisierten Gladbach-Fans anschließend. (Das Spiel zum Nachlesen im Ticker)

"Das ist ein unglaubliches Gefühl"

Elvedi (49.) hatte kurz nach der Pause in seiner 47. Erstliga-Begegnung sein erstes Tor für die Fohlen erzielt, die ihre starke Bilanz gegen den Rivalen auf 48 Siege in 87 Bundesliga-Duellen schraubten.

"Das ist ein unglaubliches Gefühl. Ich habe gesehen, wie Traore auf der Seite durchkam und hatte dann Glück, dass der Ball zwischen die Beine des Torwarts ging", meinte der Torschütze bei Sky. "Das bedeutet uns sehr viel, wir haben hart dafür gearbeitet. Wir haben eine sehr gute Leistung gezeigt."

Während Gladbach eine insgesamt überzeugende Vorstellung zeigte, haderte Europa-League-Teilnehmer Köln mit der altbekannten Auswärtsschwäche. Zum achten Mal in Folge blieb der FC auf fremden Plätzen ohne Sieg.


"Das war ein packendes Spiel. Ich glaube, dass wir nicht unverdient gewonnen haben", sagte ein zufriedener Eberl, der auch die Zuschauer aus beiden Lagern für ihr vorbildliches Verhalten lobte: "Das war wieder eine Superstimmung bei einem friedlichen Derby."

Stindl vergibt frühe Führung

Sein Kölner Kollege Jörg Schmadtke gab zu: "Gladbach hatte die ein oder andere Chance mehr, deshalb war der Sieg nicht unverdient. Wir müssen aber nicht traurig sein."

Vor 54.108 Zuschauern im ausverkauften Borussia-Park hatte Gladbach schnell das Kommando. Über die linke Seite stießen Thorgan Hazard und Oscar Wendt immer wieder bis zur Grundlinie vor und sorgten zeitweise für Chaos im FC-Strafraum. Die Folge waren Chancen fast im Minutentakt, die beste vergab Confed-Cup-Sieger Lars Stindl, der aus zehn Metern in die Arme von Schlussmann Timo Horn schoss (16.).


"Die bessere Mannschaft hat gewonnen. Gladbach war immer gefährlich", meinte FC-Trainer Peter Stöger. "Nach dem Gegentor haben wir alles unternommen, aber die Qualität der Einzelspieler hat heute den Ausschlag gegeben."

Nach nur 18 Minuten hatte die Borussia schon sieben Torschüsse auf dem Konto, der FC keinen einzigen. Der erste hätte allerdings beinahe ins Ziel gefunden: Neuzugang Jhon Cordoba tauchte plötzlich frei vor Yann Sommer auf, der Schweizer Nationaltorhüter parierte glänzend (19.). Insgesamt blieb das Hecking-Team die spielfreudigere Mannschaft.

Video-Referee kommt zum Einsatz

Cordoba, der den nach China abgewanderten Torjäger Anthony Modeste ersetzen soll, blieb in der ersten Halbzeit der einzig gefährliche Kölner. Nach einem weiteren Konter verzog der Kolumbianer aus spitzem Winkel knapp (32.).


Anschließend verflachte die Begegnung etwas. Die Hausherren hatten zwar weiter mehr vom Spiel, ließen die Dynamik der ersten 20 Minuten aber vermissen. Kurz vor der Pause musste dann Kölns Verteidiger Konstantin Rausch verletzt vom Platz, für ihn kam Jannes Horn.

Unmittelbar nach dem Wechsel kam Gladbach zur verdienten Führung. Stindl schickte Ibrahima Traoré einmal mehr auf links, dessen flache Hereingabe verwertete Elvedi aus fünf Metern durch die Beine von Horn. Schiedsrichter Deniz Aytekin überprüfte kurz mit Hilfe des Video-Referees eine mögliche Abseitsstellung Traorés, gab dann aber das Tor. (Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

Randale im Stadion bleiben aus

Neuzugang Matthias Ginter meinte: "Solche Derbys sind etwas Besonderes. Es ist ein Unterschied, ob morgens die Gladbach- oder die Köln-Fahne im Büro hängt. Hintenraus wurde es noch einmal eng, aber insgesamt war es ein verdienter Sieg."


Kölns Kapitän Matthias Lehmann haderte mit dem Gegentor: "Es ist bitter, dass wir auswärts ausgekontert werden. Das tut weh. Wir haben noch einiges zu tun, aber am Freitag geht es schon gegen den HSV weiter."

Köln reagierte zunächst stürmisch, Elvedi verhinderte mit einer starken Grätsche gegen Cordoba kurz nach seinem Tor den Ausgleich (50.). In einer nun offenen Begegnung ging es hin und her, wobei die Borussia dem zweiten Tor näher war. Rückkehrer Raúl Bobadilla vergab in der Nachspielzeit noch eine große Chance.

Erfreulich ruhig ging es rund um das Stadion zu, bis zum Anstoß meldete die Polizei keine Zwischenfälle.