Was Elton John zum Leader gemacht hat

Was hat ein Musiker auf dem WEF in Davos zu suchen? Elton John ist einer von drei Preisträgern des diesjährigen Crystal Awards. Der 70-Jährige will den Anführern der Welt eine wichtige Lektion mit auf den Weg geben.

Elton John auf dem Weltwirtschaftsforum? Was wie ein krasser Gegensatz erscheint, ist in Wirklichkeit Teil der Tradition, dass Prominente beim Treffen der Mächtigen in Davos für ihre Verdienste als Führungspersönlichkeiten ausgezeichnet werden. In diesem Jahr erhält der britische Sänger neben der australischen Schauspielerin Cate Blanchett und dem indischen Bollywood-Darsteller Shah Rukh Khan den Crystal Award.

Bevor der 70 Jahre alte Elton John an diesem Montagabend den Preis entgegennimmt, hat er schon einmal fünf Tipps formuliert, die zum Erfolg führen sollen – „fünf Lehren in Führung aus meinen dunkelsten Stunden“ hat er sie genannt.

Die erste könnte man so zusammenfassen: Folge deiner Leidenschaft! Eigentlich eine Binsenweisheit; bei John, der weltweit die meisten Tonträger überhaupt verkauft hat, hat es aber bestens funktioniert. Er entdeckte seine Leidenschaft bereits mit drei Jahren, als er zum ersten Mal an einem Klavier saß. Doch obwohl Elton John früh anfing, verlief seine Karriere nicht schnurgerade. Der junge Musiker, der damals noch Reginald Dwight hieß, wurde von seinem Vater ausgebremst, der die Pläne des Sohnes für völlig irre hielt. „Ich blieb dabei und merkte, dass ich es liebte. [Die Musik] gab mir Freude und materielle Unabhängigkeit, wie ich sie mir in meinen kühnsten Träumen nicht ausgemalt hatte“, schreibt Elton John.




Doch im frühen Erfolg lauert oftmals die Gefahr. „Kaum hatte ich diese Freiheit, begann ich schon wieder, sie zu verlieren. Schlimmer noch, ich verlor mich selbst“, spielt der Künstler auf die Drogen- und Alkoholexzesse seiner junge Jahre an. Erfolg und Ruhm können eine Strafe sein, resümiert der Brite. Seine zweite Lehre ist folgerichtig eine, die er aus den eigenen Fehlern gezogen hat: „Ein guter Anführer besitzt eine moralische Integrität, die Erfolg und Scheitern überdauert.“

Die gute Nachricht: Veränderung ist immer möglich. „Die Zukunft liegt immer in deinen Händen“, ist der Sänger überzeugt und formuliert so seine dritte Lehre. Am Tiefpunkt seines Lebens begegnete er jemandem, dem es noch schlechter ging. Er traf einen Aids-Kranken, der von der Gesellschaft verstoßen worden war. Aus seiner Wut darüber entwickelte Elton John die Idee für seine Aids-Stiftung, die es jetzt 25 seit Jahren gibt. Sein Engagement im Kampf gegen Aids ist es, was ihm nun den Preis beim Weltwirtschaftsforum einbringt. Die Elton John Aids Stiftung hat in dem Vierteljahrhundert mehr als 400 Millionen Pfund gesammelt, die unter anderem in Präventionsprogramme geflossen sind.




Elton John zieht aus seiner zweiten Karriere als Stiftungsgründer den vierten Lehrsatz in Sachen Erfolg: „Es gibt nichts tiefergehendes und nichts mächtigeres als das Erkennen des gemeinsamen Menschseins.“ Dies sei keine Plattitüde, sondern vielmehr die Basis für Fortschritt, meint der Musiker. Angesichts des Leids in der Welt, nicht nur ausgelöst durch Aids, hält Elton John deswegen auch seinen fünften Tipp für besonders wichtig. „Hoffnungen können erfüllt werden und der Fortschritt kann siegen“, schreibt er.

Als Künstler sieht Elton John seine Aufgabe darin, Menschen durch Musik zusammenzubringen. Mit seiner Aids-Stiftung habe er an einer „wunderbaren Reise des Fortschritts gegen Stigma, Diskriminierung und Falschinformation teilgehabt“, schreibt er voller Pathos. Es gebe keine größere Lektion zu lernen als die der Menschlichkeit. Gerade als Leader.