Eltern unterschätzten häufig den Zuckergehalt in Lebensmitteln

Die Organisation Foodwatch hat der Zuckerlobby vorgeworfen, Bundestagsabgeordnete durch Falschaussagen über Zucker zu täuschen. Damit gehe die Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker (WVZ) erneut gegen gesundheitspolitische Initiativen vor, die einen Rückgang des Zuckerkonsums zur Folge hätten, erklärte Foodwatch am Mittwoch in Berlin

Eltern unterschätzen häufig den Zuckergehalt in Lebensmitteln. Befragt nach dem Zucker in einem üblichen 250-Gramm-Fruchtjoghurt, lagen 92 Prozent der Eltern falsch, wie eine am Mittwoch in Berlin vorgestellte Untersuchung des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung und der Universität Mannheim zeigt. Durchschnittlich gehen sie von nur vier statt der tatsächlichen elf Zuckerwürfel in einem Becher aus.

Diese Fehleinschätzung ist nach Ansicht der Forscher ein möglicher Risikofaktor für Übergewicht bei Kindern. Je stärker die Eltern den Zuckergehalt unterschätzten, umso höher sei der Body-Maß-Index (BMI) der Kinder. Der BMI beschreibt das Verhältnis von Körpergröße zu Gewicht.

Die Experten maßen Körpergröße und Körpergewicht von 305 Kindern und ließen deren Eltern den Zuckergehalt von Lebensmitteln schätzen. Vorgestellt wurden die Ergebnisse auf dem Deutschen Zuckerreduktionsgipfel, der auf Initiative des AOK-Bundesverbands stattfand. Angesichts der starken Zunahme von Übergewicht in Deutschland forderte AOK-Vorstandschef Martin Litsch von Politik und Lebensmittelindustrie deutlich mehr Anstrengungen zur wirksamen Zuckerreduktion.

Bereits 18 Prozent der Elf- bis 17-Jährigen seien übergewichtig oder gar adipös, also fettleibig. "Wir brauchen einfach mehr Transparenz über versteckten Zucker", erklärte Litsch. Die Lebensmittelindustrie aber sträube sich seit Jahren gegen eine auch für Laien verständliche Lebensmittelkennzeichnung. Die AOK will daher eine neue Kampagne starten, um auf mehr verbindliche Abmachungen zu dringen.