Elterliche Wohnung angezündet: 20-jähriger Kölner muss 15 Monate hinter Gitter

Die Richterin hält den Mann für eine „tickende Zeitbombe“.

Wenn das Martinshorn der Feuerwehr ertönt und polizeiliches Blaulicht flackert, ist Tom B. (20, Name geändert) nicht zu halten: „Ich finde Feuer faszinierend und erschreckend zugleich“, sagt der Heranwachsende mit aufgeregter Stimme auf der Anklagebank, wo er sich wegen schwerer Brandstiftung verantworten muss. Seine geradezu kindliche Begeisterung für lodernde Flammen hat ihn wiederholt zum Straftäter werden lassen.

B. ist ein selbstbewusster junger Mann: von sich überzeugt, rede- und zugewandt, überdurchschnittlich intelligent, psychisch nicht auffällig. Eigentlich hat er das Zeug dazu, Physiker zu werden, das ist sein Berufswunsch.

Aber es gibt auch eine andere Seite: B. hat keinen Schulabschluss, er hat immer wieder die Schule abgebrochen, wechselte mehrfach Ausbildungseinrichtungen, brach die Lehre ab, griff ab und zu zur Flasche. Zuletzt machte er ein Praktikum als Florist.

Wenig schmeichelhaftes Zeugnis für 20-Jährigen

Und gleich zwei psychiatrische Sachverständige stellten dem Heranwachsenden im Prozess ein wenig schmeichelhaftes Zeugnis aus. Sie sprachen von „herausragenden Verhaltensauffälligkeiten“, die jedoch keinen Krankheitscharakter hätten und attestierten ihm eine ganze Liste negativer Eigenschaften: provokant, extrem von sich überzeugt, kaltherzig, hinterlistig, dominant, aggressiv.

Tom B., der Anfang des Jahres noch im elterlichen Haus in Buchforst lebte, hat im Februar 2017 „fast seine Eltern abgefackelt“, wie die Richterin im Prozess vor dem Amtsgericht Klartext spricht. „Es ist halt passiert, Sie können von mir hier keine Tränen erwarten“, erhielt sie seine wenig empathische Antwort.

In der Nacht des 14. Februar 2017 hatte Tom B. sich auf den Hof geschlichen und zwei Mülltonnen vor dem Mehrparteienhaus in der Kalk-Mülheimer-Straße angezündet. Sein Motiv: „Ich wollte mal sehen, was passiert“. Ihm sei langweilig gewesen. Anschließend kehrte er in die Wohnung zurück, steckte im Wohnzimmer das Sofa und die Vorhänge in Brand, während die Eltern im Zimmer nebenan schliefen. Es war wohl ein glücklicher Zufall, dass sie überlebten.

Während die Feuerwehrmänner die brennenden Mülltonnen löschten, richteten sie eher beiläufig den Blick nach oben und sahen die Flammen im Wohnzimmer. Es hätte nicht viel gefehlt, und die Eltern wären im Schlaf an einer Rauchvergiftung gestorben. Die Hausverwaltung hatte den Sachschaden auf rund 30.000 Euro beziffert, Menschen wurden nicht verletzt.

Videokamera hilft bei Tätersuche

„Ich war schon als kleiner Junge ein Fan der Feuerwehr. Das war damals mein Berufswunsch“, gab Tom B. später zu Protokoll, scheinbar unbeeindruckt von dem, was er angerichtet hatte. Dass die Ermittler ihm so schnell auf die Schliche kamen, ist einer Videokamera zu verdanken. Denn schon 2016 war die Feuerwehr mehr als sechsmal ausgerückt, um Brandherde in dem Mehrparteienhaus an der Kalk-Mülheimer Straße zu löschen. Doch die Ermittlungen liefen stets ins Leere. Die Wohnungsbaugenossenschaft installierte daraufhin die Kamera. Auf einem Band ist B. zumindest in einem Fall als Brandstifter zu erkennen.

Vier Wochen vorher hatte er bei Nachbarn vergeblich versucht, eine Fußmatte vor der Wohnungstür anzustecken. Auch das ist auf einem Video zu sehen. Der Brand erstickte im Keim. Die gehörlosen Mieter hätten den Rauchmelder gar nicht hören können. Auch damals war es mitten in der Nacht, alle schliefen.

Sechs Monate saß Tom B., der nun erstmals mit der Strafjustiz zutun hat, in Untersuchungshaft. Er habe Zeit genug gehabt, sich um einen Ausbildungsplatz zu kümmern, um eine Therapie oder einen Schulabschluss, kritisierte das Gericht seine offensichtlich „komplette Verweigerungshaltung“.

„Ich wollte erst mal sehen, was hier rauskommt“, ist seine Begründung, sich um nichts davon gekümmert zu haben.

Stationäre Einweisung nicht möglich

Tom B. sei „dringend behandlungsbedürftig“, sagen die Gutachter. Doch dem Gericht sind die Hände gebunden. Eine stationäre Einweisung ist nicht möglich, weil es sich nur um negative Charaktereigenschaften des Angeklagten handelt, „die keinen Krankheitscharakter haben“. Nach dem Gesetz reicht das nicht aus für eine zwangsweise Unterbringung.

„Wenn hier keine Behandlung erfolgt, ist B. äußerst gefährlich“, sind sich die Gutachter sicher. Das Gericht entschloss sich daraufhin zu einem ungewöhnlichen Schritt: Obwohl der 20-Jährige als Ersttäter gilt und insbesondere im Jugendstrafrecht mit Milde hätte rechnen können, muss er 15 Monate hinter Gitter.

Hinzu kommt – ein weiteres Novum: Ihm werden die sechs Monate Untersuchungshaft nicht wie sonst üblich auf die Strafe angerechnet werden. Das harte Urteil rechtfertigte die Richterin mit der Hoffnung, dass B. im Gefängnis alle Möglichkeiten ausschöpft, um sich behandeln zu lassen. Andernfalls befürchtet die Juristin das Schlimmste: „Dann sind Sie eine tickende Zeitbombe.“...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta