Elon Musks neue Firma sucht ersten Auftrag — in Chicago

Motley Fool Investmentanalyst

Elon Musk machte im letzten Sommer Schlagzeilen, als er auf Twitter postete, dass er eine „mündliche Zustimmung der Regierung“ erhalten hatte, um einen „Loop“-Zug zu bauen (Anmerkung: kein Hyperloop-Zug — ich erkläre den Unterschied weiter unten), der New York City mit Washington, D.C. verbinden soll. In seinem neuesten Tweet sieht es nun so aus, als ob Musk tatsächlich Geld verdienen könnte.

Die Erlaubnis (mündlich oder anderweitig), einen 230-Meilen-Tunnel zwischen der Finanzhauptstadt der Nation und der eigentlichen Hauptstadt zu graben, war natürlich eine große Sache. Vereinzelte Berichte über ausgestellte staatliche Genehmigungen und gesichtete Tunnelbohrmaschinen deuten darauf hin, dass sich ein NYC-DC-Tunnel möglicherweise bereits in der Baubeginnphase befindet. Doch soweit wir wissen, wurde noch kein Vertrag unterzeichnet, und keine Regierungsbehörde hat versprochen, Musks Unternehmen mit dem Namen „The Boring Company“ zu bezahlen, um irgendwelche Tunnel zu graben oder Hyperloops darin zu installieren. Wie will Musk mit diesem Projekt Geld verdienen?

Wir bekamen letzte Woche einen Hinweis, als Musk ankündigte, dass Boring im Rennen ist, um ein völlig neues Zugsystem zu bauen — vom Flughafen Chicago O’Hare nach Downtown Chicago. Im Gegensatz zu den Gerüchten des NYC-DC-Tunnels scheint das Chicago-Projekt ein offizielles Infrastrukturprojekt der Regierung zu sein, eines, das vom Büro des Bürgermeisters von Chicago initiiert wurde und das Boring dazu verhelfen könnte, tatsächlich etwas Geld zu verdienen.

Hier ist, was wir darüber wissen.

Der erste Loop

Wie die Chicago Sun-Times berichtet, hatte der Bürgermeister von Chicago, Rahm Emanuel, vor neun Monaten die Idee, einen Hochgeschwindigkeitszug zu bauen, der den Flughafen O’Hare mit der Innenstadt von Chicago verbindet. Nun bringt der Chicago Infrastructure Trust das Projekt auf den Weg und hat einen offiziellen Qualifikationsantrag gestellt, “der darauf abzielt, Teams zu bilden, die an der Planung, dem Bau, der Finanzierung, dem Betrieb und der Wartung eines Schnellzuges nach O’Hare in Partnerschaft mit der Stadt interessiert sind”.

Chicago will, dass der neue Zug zwischen O’Hare und Downtown „in 20 Minuten oder weniger“ verkehrt, vermutlich ohne Zwischenstopps. Ein solcher Zug würde also nur die Hälfte der derzeitigen 40-minütigen Fahrtzeit benötigen. Die Stadt wäre offen für den Bau, „entweder über oder unter der Erdoberfläche“, und entlang der bestehenden Bahntrassen. Das Komittee will auch die Kosten der Fahrt nach O’Hare unter den Kosten für ein Taxi oder Uber halten — etwa 40 US-Dollar oder weniger — mit Zügen, die „den Großteil des Tages mindestens alle 15 Minuten“ fahren.

Wie sich Musks Loop qualifizieren könnte

Bei der angeblichen  Höchstgeschwindigkeit des Hyperloops von 760 Meilen pro Stunde könnte der Superzug von Elon Musk die 18,1 Meilen lange Strecke theoretisch in 86 Sekunden zurücklegen. Aber hier kommt es auf die Unterscheidung von Loop — Hyperloop an. Das Hyperloop-Konzept von Elon Musk hat in Kalifornien große Aufmerksamkeit erregt, wo er es erstmals als Projekt unter Teslas (WKN:A1CX3T) Ägide vorschlug. Im Gegensatz dazu ist Musks „Loop“-Plan ein Ableger von Hyperloop, der speziell für die Durchquerung von Tunneln entwickelt wurde, die von Musks Tesla-unabhängiger The Boring Company gegraben wurden.

Der Hyperloop wurde als „ein ultraschnelles unterirdisches öffentliches Transportsystem konzipiert, in dem die Passagiere auf autonomen elektrischen Pods transportiert werden, die mit einer Geschwindigkeit von über 600 Meilen pro Stunde in einer Druckkabine unterwegs sind“, die durch vakuumversiegelte Röhren verlaufen. Im Gegensatz dazu wird Loop, so Boring, (nur) „ein unterirdisches Hochgeschwindigkeitssystem für den öffentlichen Nahverkehr sein, in dem die Passagiere auf autonomen elektrischen Rollen transportiert werden, die mit 125-150 Meilen pro Stunde fahren. Diese Vehikel werden zwischen 8 und 16 Passagiere (Nahverkehr) oder ein einzelnes Fahrzeug befördern.“

Loop wird unterirdisch verkehren. Es wird nicht „unter Druck stehen“, weil es nicht im Vakuum läuft. Und es wird wesentlich langsamer fahren als der Hyperloop. Dennoch sollte der Loop die 18,1 Meilen zwischen O’Hare und dem Stadtzentrum bei 125-150 Meilen pro Stunde in etwa zwischen 7 Minuten, 14 Sekunden und 8 Minuten, 41 Sekunden bewältigen — zweimal so schnell wie Chicago gehofft hatte.

Warum das Musk interessieren könnte

Bislang haben Pilotprojekte zum Bau verschiedener Hyperloops Musk noch keine konkreten, zahlenden Verträge eingebracht. Die langsameren Ambitionen der Boring Company könnten dagegen schneller Geld generieren. Bezüglich der Frage, wie viel es abwerfen und wie schnell es sich auszahlen könnte, nun ja …

Die Bahnstrecke O’Hare-Downtown würde auf Konzessionsbasis angeboten. Das heißt, Chicago würde es nicht besitzen, und die Steuerzahler in Chicago würden nicht zahlen, um es zu bauen. Vielmehr wäre es dem Bauherrn (z. B. Boring) erlaubt, innerhalb der festgelegten Parameter von unter 40 US-Dollar alles in Rechnung zu stellen, was er will, um seine Bau- und Betriebskosten zu decken.

Wie viel kostet dieses Projekt? Es wurde noch keine Kostenschätzung erstellt. Die Kostenschätzungen für den Bau eines technologisch schwierigeren und vermutlich teureren HyperLoop reichen von 5 bis 20 Millionen US-Dollar pro Meile. Für ein 18,1-Meilen-Projekt sprechen wir daher wahrscheinlich von 90 Millionen bis 360 Millionen US-Dollar Baukosten – leicht erschwinglich für jemanden von Musks Mitteln. Mehr noch, selbst am oberen Ende dieser Kostenschätzung sollten 9 Millionen Fahrten reichen, um den Bau zu finanzieren – weniger als ein Jahr jährlicher Verkehr nach O’Hare.

Was passiert als nächstes?

Chicago will alle Angebote bis zum 24. Januar, danach wählt es eine oder mehrere der „qualifiziertesten“ Bewerbungen aus und fordert sie auf, konkrete Vorschläge für den Bau des Zuges einzureichen. Der stellvertretende Bürgermeister von Chicago, Bob Rivkin, hat sein besonderes Interesse an der Bewerbung von Musk zum Ausdruck gebracht und erklärt: „Wir hoffen, dass Elon Musk und die Erbauer von Hyper-Loops und anderen innovativen Technologien darauf reagieren werden.”

Ich muss zugeben, ich würde auch gerne sehen, wie sich diese Geschichte entwickelt.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Tesla.

Dieser Artikel wurde von Rich Smith auf Englisch verfasst und am 04.12.2017 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

Motley Fool Deutschland 2017