Elon Musk und sein Flammenwerfer


Man ist einiges gewöhnt von Elon Musk, dem Revoluzzer der Autoindustrie, dem privaten Raumfahrtpionier und begnadetem Tunnelbohrer. Er sieht die Menschheit zerstört von Robotern, die Googles künstliche Intelligenz unabsichtlich zur Weltherrschaft antreibt. Aber eines haben wir von ihm noch nicht gesehen. Flammenwerfer. Zumindest bis vergangenen Freitag.

Seitdem verkaufen die Tunnel-Wühlmäuse seiner „Boring Company“ diese im Krieg gefürchteten gnadenlosen Tötungsmaschinen in der Elon-Musk-Spezialedition. Selbstverständlich mit gedrosseltem Feuerstrahl und kleiner Reichweite, aber voll funktionsfähig.

„Macht das nicht. Ich möchte auch klarstellen, dass ein Flammenwerfer eine fürchterliche Idee ist. Kauft auf keinen Fall einen. Es sei denn, ihr liebt Spaß“, steht unter dem 2,7 Millionen mal aufgerufenen Instagram-Video, in dem ein feixender Musk mit einem Flammenwerfer schnurstracks auf den filmenden Kameramann rennt.


Na, so ein Witzbold aber auch. Am Montagabend wurden laut Elon Musks Twitter-Account schon 10.000 der (zunächst?) auf 20.000 Stück limitierten Flammenwerfer verkauft, die in praktisch allen Bundesstaaten der USA legal erworben werden können. Denn so wie die verfügbaren Videos aussehen, wird kein flüssiger und entzündeter Brennstoff aus der Düse rausgeschossen, sondern ist das Gerät eher ein überdimensionaler Zigarrenanzünder mit richtig Reichweite. So tweetet Musk auch: „Ich hätte mehr Angst vor einem Steakmesser.“

Passend zum Flammenwerfer wird auch noch ein als „überteuert“, aber „mit einem coolen Sticker“ ausgestatteter, beworbener Feuerlöscher für 30 Dollar angeboten. Ursprünglich basiert das Ganze auf einem Witz: Musk hatte im Dezember gescherzt, wenn es ihm gelinge, 50.000 Mützen der Boring Company loszuwerden, starte er den Verkauf von Flammenwerfern. Das Ziel wurde schnell erreicht.

Im Silicon Valley fragt man sich derweil, ob Unternehmer einfach etwas verrückt geboren werden, oder die Ga-Ga-Industrie zwischen San Francisco und San Jose Menschen erst dazu macht. Spleenige Ideen sind nicht die Erfindung des Tesla-Chefs. Schon Oracle-Chef Larry Ellison hat sich einen MIG-29-Kampfjet, demilitarisiert natürlich, in den Hangar unweit seines japanischen Privatdorfs im Norden San Franciscos gestellt. Und die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin parken einen Alpha-Jet auf dem ehemaligen Nasa-Stützpunkt Moffett Field im Herzen des Valleys. Er wird natürlich nur zu Forschungszwecken genutzt, heißt es.

Aber etwas so morbid kindisches wie einen Flammenwerfer als käufliches Produkt zum Spaßhaben, das hat es noch nicht gegeben. Will Elon Musk damit sein Image als der ewige Lausbub konservieren, der kokelnde Peter Pan der Tech-Industrie? Der Mann, der für seine Innovationen brennt?


Was könnte man denn so mit einem Flammenwerfer machen? Im Kofferraum der Tesla-S-Klasse mitgeführt könnte der fossil betriebene Lufterhitzer im Winter das Problem der Standheizung lösen, die ansonsten so viel der knappen Stromreserven aus dem Akku saugt. Ein kleiner Feuerstoß vor der Abfahrt und der Innenraum ist mollig warm. Danach vielleicht schnell noch eine Ladung unter den Fahrzeugboden, um die Batterien in arktischen Temperaturen im New Yorker Winter vorzuheizen.

Amerika: das Land, das Überraschungseier verbietet, weil die Kleinteile für Kinder gefährlich sein können, aber den Verkauf von Flammenwerfern, in Grenzen, zulässt. Nun gut, wer könnte auch schon auf die Idee kommen, dass man mit den Dingern jemandem wehtun könnte?


Elon Musk selbst zeigt sich per Twitter augenzwinkernd überzeugt, dass seine Handwärmer fantastisch geeignet sind, wenn die Zombie-Apokalypse ausbricht. „Wirkt garantiert gegen Horden von Untoten oder Geld zurück“, wirbt er für seine jüngste Innovation. Bis dahin, also bis zum Zombie-Angriff, könne man prima Nüsse damit rösten. Später legte Musk noch nach: „Die Gerüchte, dass ich an einer Zombie-Apokalypse arbeite, um Nachfrage für Flammenwerfer zu schaffen, ist komplett falsch.“

„Das ist absolut real“, bestätigte ein Sprecher der lokalen „Mercury News“ in San Jose, „Bestellen sie einen und ab Frühling wird ausgeliefert.“ Hier kommt vielleicht der wahre Musk, der chronisch finanziell klamme Unternehmer ans Tageslicht. 10.000 verkaufte Feuerspeier à 500 Dollar, macht fünf Millionen Dollar Vorkasse. Vorkasse ist das Zauberwort, so wie beim Tesla Model 3, dem Roadster oder dem Semi-Truck. Der Mann braucht vielleicht wirklich jeden Cent.


Immer dienstags schreiben Britta Weddeling und Axel Postinett, Korrespondenten des Handelsblatts im Silicon Valley, über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.