Ellwangen: Wenn ein Polizei-Einsatz zum Porno für besorgte Bürger wird

Lennart Pfahler
Polizisten in Ellwangen.

Es war eine Machtdemonstration des Rechtsstaates.

Am Donnerstag stürmten mehr als 100 Polizisten mit Skimasken bekleidet ein Flüchtlingsheim im kleinen baden-württembergischen Ellwangen. Dort hatten  Asylbewerber am Montag die Abschiebung eines 23-jährigen Togolesen nach Italien verhindert.

Der Einsatz hinterließ Eindruck: Fast 300 Flüchtlinge wurden durchsucht, elf verzweifelte Bewohner sprangen aus dem Fenster und verletzten sich. Die Zielperson konnte festgenommen werden, der Afrikaner befindet sich in Abschiebehaft.

Die Logik hinter dem Einsatz ist so simpel wie richtig: Wer nach den Asylstatuten keine Aufenthaltsgenehmigung hat, muss konsequent abgeschoben werden. 

Politisch war die Aktion also ein Erfolg. 

Problematisch mutete jedoch an, mit welch überschwänglicher Verve viele Kommentatoren in den sozialen Medien – aber auch im politischen Berlin – die Stürmung der Notaufnahme-Einrichtung begleiteten.

Die brachiale Razzia – so scheint es – taugt vor allem als eins: als Sicherheitsporno für besorgte Bürger.

Kommentatoren ergötzen sich an der Krisensituation

Warum die Beamten nicht gleich mit einem Panzer in das Flüchtlingsheim eingedrungen seien, fragen zum Beispiel rechte Scharfmacher bei Twitter.

Endlich sei “den Flüchtlingen” einmal gezeigt worden, was Recht und Ordnung sei, kommentierten viele.

Andere – besonders in rechten Zirkeln schien das die Stimmungslage zu sein –beschuldigten Politik und Polizei gar noch, zu zimperlich mit den Asylbewerbern umgegangen zu sein.

Ein Twitter-Nutzer pöbelte: “Was kommt als Nächstes? Dass Afrikaner in unsere Häuser eindringen und sich nehmen, was sie wollen? Schließlich muss die Polizei bei 150 wildgewordenen Schwarzen ja besonnen reagieren!”

► Und AfD-Krawall-Beauftragte Beatrix von Storch wütete, Deutschland habe bereits kapituliert – vor “Horden von Afrikanern”.

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