Elke Büdenbender: Lachen, leuchten, lernen – Deutschlands First Lady

Wie die Berliner Richterin sich nach fünf Monaten in Bellevue fühlt.

An Tag 59 als First Lady steht Elke Büdenbender in einem Hochhaus in Warschau und wartet auf ihren Mann. Es ist 17 Uhr, auf dem Programm steht ein Gespräch mit Studenten in der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit, die letzte Station des deutschen Bundespräsidenten und seiner Frau beim Antrittsbesuch in Polen.

Morgens ging es los: Begrüßungsworte am Präsidentenpalast, Geschenkeaustausch, Vier-Augen-Gespräch, Pressekonferenz, Kranzniederlegung am Grabmal des Unbekannten Soldaten, Besuch der Deutschen Schule, Besuch der Warschauer Buchmesse, Mittagessen, Bildtermine. Es gibt das Präsidentenprogramm, das „Sonderprogramm Frau Büdenbender“ und das gemeinsame Programm. Alles ist minuziös durchgetaktet und so aufeinander abgestimmt, dass das Paar Steinmeier-Büdenbender immer zeitgleich beim nächsten gemeinsamen Termin eintrifft.

Ausgerechnet die polnische Ministerpräsidentin bringt das Ehegatten-Programm aus dem Takt. Gestern hatte Beata Szydlo ihren Termin mit Steinmeier abgesagt, heute wieder zugesagt. Das Treffen wird schnell dazwischen geschoben. Es ist kurz, führt aber dazu, dass Steinmeier nicht pünktlich bei der Stiftung ankommt und Elke Büdenbender nun ganz alleine aus dem Fahrstuhl tritt und ruft: „Mein Mann verspätet sich, Sie müssen erstmal mit mir vorliebnehmen.“

Auf sehr hohen Schuhen

Mit langen Schritten läuft sie durch die Stiftungsräume, eine schlanke Frau im rosafarbenen Blazer und mit sehr hohen Schuhen. „Kommen Sie“, sagt eine der Organisatorinnen und fasst sie am Arm, „wir gehen schon mal rein.“ Die Frauen laufen auf die Tür zu, hinter der gleich das Gespräch stattfinden soll. Sie sind schon fast auf der Schwelle, da bleibt Elke Büdenbender stehen, sieht zum Fahrstuhl. Ihr Mann ist immer noch nicht da.

Sie zögert, geht einen Schritt zurück, und in diesem Moment begreift man, was die Herausforderungen einer deutschen First Lady im 21. Jahrhundert sind: Elke Büdenbender, 55 Jahre alt, Mutter einer erwachsenen Tochter, anerkannte Verwaltungsrichterin, eine Frau, die Gesetze kennen und Urteile in hoch komplizierten Verfahren fällen muss, steht auf viel zu hohen Schuhen vor einem Raum in Warschau und weiß nicht, ob sie ohne ihren Mann eintreten darf oder nicht.

Es ist eine seltsame Situation, so seltsam wie die Rolle, die sie spielt, seitdem ihr Mann, Frank-Walter Steinmeier, im Januar dieses Jahres zum neuen Bundespräsidenten gewählt wurde. Steinmeier war Minister, Kanzlerkandidat, Kanzleramtschef, Vizekanzler, Fraktionschef im Bundestag, das Amt des Bundespräsidenten war, wenn man so will, eine logische Fortsetzung seiner politischen Karriere. Von Elke Büdenbender kann man das nicht behaupten.

Die Frau, die im Aufstieg ihres Mannes nie einen Grund sah, ihren Beruf aufzugeben, lässt ihre Arbeit als Verwaltungsrichterin in Berlin fünf Jahre lang ruhen, um unbezahlt eine Rolle zu spielen, für die es im Deutschen nicht einmal einen Titel gibt, geschweige denn ein Gehalt. Oder, um es mit den Worten von Bundestagspräsident Norbert Lammert bei der Vereidigung zu sagen: „Sie nehmen ein Amt wahr, das es in unserer Verfassungsordnung gar nicht gibt…, ein Amt, mit dem vielfältige Verpflichtungen, Aufgaben, Erwartungen und Ansprüche verbunden sind, für die Sie weder kandidiert haben noch gewählt wurden.“

Elke Büdenbender hat lange gezögert, und dass sie zusagte, hat vor allem mit ihrer Arbeit zu tun: Als Verwaltungsrichterin entscheidet sie Streitfälle zwischen Bürgern und Staat, Schul- und Hochschulangelegenheiten, aber auch Asylklagen. Sie war für den Iran zuständig, oft musste sie Klagen von Flüchtlingen abweisen. Von der Frau des Bundespräsidenten wird das Gegenteil erwartet: Schirmherrschaften, soziales Engagement, Besuch von Flüchtlingslagern. Das gehe nicht gut zusammen, sagt sie: „Ich kann nur eins richtig machen.“

Es ist der 91. Tag als First Lady. Sie sitzt in ihrem neuen Büro im Schloss Bellevue unter einem expressionistischen Bild, unter dem schon ihre Vorgängerin saß, ihr gegenüber sitzen ihre Assistentin und eine Pressesprecherin. An der Wand hängt ein Selbstporträt ihrer Tochter Merit, auf einer Kommode steht eine Skulptur, die ihr mal eine Freundin geschenkt hat, auf dem Tisch ein Blumenstrauß, vor den Fenstern liegt der Schlosspark.

Noch ist alles neu für sie

„Schön, oder?“, sagt Elke Büdenbender. Ihr altes Büro ist nicht einmal halb so groß. Ihre Kolleginnen und Kollegen vom Verwaltungsgericht, die sie hier besuchen, staunen, sagt sie. Sie sagt wirklich „Kolleginnen und Kollegen“, sie spricht immer die Gender-Endungen mit, als lese sie ein Urteil vor. Ein Kellner öffnet die Tür und fragt, ob er etwas zu trinken bringen kann. Büdenbender bestellt sich ein Wasser mit Sprudel. Als der Kellner gegangen ist, sagt sie: „Das ist schön, die Herren servieren.“ Die Frauen lachen, Büdenbender am lautesten.

Man merkt, wie neu alles noch für sie ist: das Schloss, das Personal, die Reisen. Elke Büdenbender hat ihren Mann nach Israel, Polen, Belgien, Hessen, Brandenburg und Baden-Württemberg begleitet, sie hat drei Schirmherrschaften übernommen − Unicef, Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, Müttergenesungswerk − und zwei Reden gehalten, eine bei einer Veranstaltung der Integrationsbeauftragten und eine...Lesen Sie den ganzen Artikel bei berliner-zeitung