Eli Lilly: Ist das der Heilige Gral für das US-Pharmaunternehmen?

Michael Grünauer, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
·Lesedauer: 3 Min.

Die aktuelle Reaktion der Finanzmärkte auf die Nachrichten des US-amerikanischen Pharma-Giganten Eli Lilly (WKN: 858560) ist beeindruckend. Denn der Aufschlag auf den Kurs vom vergangenen Freitag beträgt ca. 20 % (Stand: 11.01.2021, maßgeblich für alle Kennzahlen). Wenn man bedenkt, dass Eli Lilly über eine Marktkapitalisierung von ca. 130 Mrd. Euro verfügt, werden die heutigen Nachrichten mit einem Wert von annähernd 26 Mrd. Euro bewertet.

Die Nachrichten im Detail

Der Kursprung ist auf die vorläufigen Ergebnisse einer Phase-2-Studie zum Wirkstoff Donanemab zurückzuführen. Denn der experimentelle Antikörper-Wirkstoff führt dazu, dass das Peptid Beta-Amyloid im Gehirn reduziert wird. In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu verstehen, dass dieses Peptid schon seit Längerem im Verdacht steht, neurodegenerative Erkrankungen zu verursachen.

Leider konnte eine Vielzahl an Wirkstoffen in der Vergangenheit entweder die Beta-Amyloide nicht nachhaltig reduzieren oder bei einer Reduktion die Symptomatik nicht verbessern. So stürzte erst vor Kurzem Biogen ab, als der Wirkstoff Aducanumab aufgrund einer fehlenden statistisch nachweisbaren Wirkung nicht von der FDA (Food and Drug Administration) zugelassen wurde.

Doch nun könnte es bei Eli Lilly anders kommen. Denn zum einen wurde nachgewiesen, dass die Beta-Amyloide reduziert wurden und die Symptome bei Patienten im Frühstadium einer Alzheimer-Erkrankung um bis zu 32 % im Vergleich zu einer Placebo-Behandlung gebessert wurden. Somit ein Grund zum Feiern für Aktionäre und vor allem für Patienten und deren Angehörigen.

Wenngleich die Nachrichten beeindruckend sind und auch den Kapitalmarkt befeuern, sollte man als Anleger dennoch Ruhe bewahren. Denn bis der Wirkstoff durch die weiteren klinischen Phasen kommt und schlussendlich zugelassen wird, könnten noch Jahre vergehen. Denn auch hier steht die Sicherheit der Patienten an erster Stelle.

Unternehmensbewertung

Wie ich bei meinem letzten Artikel zu Eli Lilly bereits erwähnt habe, verfügen gute Unternehmen in der Regel auch über eine dementsprechend hohe Unternehmensbewertung. Doch das sollte dich als Foolisher Anleger nicht an einem Kauf hindern. Denn ich persönlich kaufe lieber Aktien eines Unternehmens mit einem KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) von 20, das eine hervorragende Zukunft hat, als ein insolvenzgefährdetes Unternehmen mit einem KGV von 5. Denn wer günstig kauft, kauft oft auch teuer. Auch an der Börse.

Eli Lilly verfügt für das Geschäftsjahr 2021 über ein KGV von 20,86. Angesichts der Stabilität des Geschäftsmodells und des zukünftigen Wachstumspotenzials erachte ich diese Bewertung für fair. Auch die Dividendenrendite von 2,04 % ist für langfristige Anleger attraktiv. Angesichts der jüngsten Dividendenerhöhung um 14,8 % kann man als Foolisher Anleger davon ausgehen, dass es auch in der Zukunft weitere Anhebungen geben wird.

Nichtsdestotrotz ist die Aktie von Eli Lilly beim aktuellen Bewertungsniveau kein Schnäppchen wie im Herbst 2020. Durch die Volatilität von Eli Lilly und der Pharma-Branche gehe ich jedoch davon aus, dass es früher oder später wieder Einkaufskurse geben wird.

Wie geht es weiter?

Eines ist klar, nach einem Sprung von über 20 % bei einem Pharma-Giganten wie Eli Lilly wäre es kaum verwunderlich, wenn es einige Tage oder Wochen dauert, bis die Aktie wieder an Fahrt gewinnt. Daher könnte es aktuell gefährlich sein, auf den laufenden Zug aufzuspringen.

Langfristig ist jedoch das Risiko einer kleinen mittelfristigen Korrektur zu vernachlässigen. Zumal Eli Lilly durch den Fortschritt im Bereich der Alzheimer-Forschung die Innovationsfähigkeit erneut deutlich unter Beweis stellen konnte. Des Weiteren zeugt der Durchbruch von der hohen Qualität der Forschung und Mitarbeiter. Dies könnte abseits der Alzheimer-Forschung weiteres Aufwärtspotenzial für die Anteilsscheine von Eli Lilly bedeuten.

Als langfristig investierter Anleger werde ich jedenfalls meine Aktien halten und könnte mir vorstellen, dass ich in einer möglichen Korrektur meine derzeitige Position aufstocken würde.

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Michael besitzt Aktien von Eli Lilly. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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