Werner tragischer Held eines "heroischen Kampfes"

Ein Bild, zwei Welten: Sven Ulreich (r.) feiert seine entscheidende Parade des Strafstoßes von Timo Werner

Bayern München hat in einem giftigen Pokal-Thriller den nächsten Angriff des Emporkömmlings RB Leipzig mit Ach und Krach abgewehrt.

Die Münchner setzten sich beim erbittert kämpfenden Vize-Meister 5:4 im Elfmeterschießen durch und stehen zum 17. Mal in Folge im Achtelfinale. Es war der vierte Sieg des Rekordmeisters unter Übergangstrainer Jupp Heynckes im vierten Spiel. Nach 90 äußerst intensiven Minuten und Verlängerung hatte es 1:1 (Halbzeit 0:0) gestanden.

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Leipzig wollte im dritten Anlauf unbedingt seinen ersten Pflichtspielsieg gegen den Deutschen Meister feiern, hatte aber wieder knapp das Nachsehen - weil Timo Werner gegen Bayern-Schlussmann Sven Ulreich verschoss. Emil Forsberg (67.) hatte für RB per Foulelfmeter getroffen, Thiago (73.) glich für die Bayern aus. 

"Ich bin heilfroh, dass ich helfen konnte", sagte Ulreich im ARD-Interview: "Timo hat nicht wirklich Elfmeter geübt, als wir noch in Stuttgart zusammen gespielt haben. Unser Torwarttrainer hat das vorab perfekt analysiert."


Leipzigs Mittelfeldstratege Naby Keita sah in der 54. Minute nach einem taktischen Foul an Robert Lewandowski Gelb-Rot. Am Samstag kann RB in der Bundesliga gegen die Bayern in der Münchner Allianz Arena (18.30 Uhr) Revanche nehmen.

"Es war ein heroischer Kampf, den wir geliefert haben", fand RB-Trainer Ralph Hasenhüttl nach der Partie in der ARD. "Bei dem, was uns heute widerfahren ist, trotzdem so dagegenzuhalten, ist unglaublich. Ich verstehe den Frust der Spieler, wenn ich sehe, was heute alles gegen uns gelaufen ist."

Bayern-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge schwärmte von einem Spiel, das "alles gehalten hat, was von ihm erwartet wurde. Es war ein großartiges Spiel. Deutschland kann auf beide Mannschaften stolz sein."

Referee Zwayer nimmt Elfmeter zurück

42.558 Zuschauer sahen von Beginn an ein sehr intensives Spiel. Leipzig zog sein frühes Pressing auf. Bayern ließ sich nicht beeindrucken, versuchte das Spiel von hinten heraus zu kontrollieren. Bis in die gegnerische Hälfte klappte das gut, der Pass in die Spitze kam jedoch oft nicht an. 

Leipzig tat sich seinerseits zunächst im Aufbau schwer. Auch, weil Bayerns Thiago und Corentin Tolisso abwechselnd Keita aus dem Spiel nahmen. Stürmer Jean-Kevin Augustin sorgte mit einigen Sprints für Entlastung. In der 23. Minute stoppte Jerome Boateng den Franzosen unfair und sah die Gelbe Karte.


Das war ein Zeichen, Leipzig wurde stärker. Zunächst scheiterten Forsberg und zweimal Augustin am aufmerksamen Bayern-Keeper Sven Ulreich. Brenzlig wurde es in der 35. Minute, als Arturo Vidal Forsberg an der Strafraumlinie von den Beinen holte.

Schiedsrichter Felix Zwayer nahm seine ursprüngliche Strafstoß-Entscheidung nach Absprache mit seinem Assistenten fälschlicherweise zurück und entschied unter dem lautstarken Protest der Zuschauer auf Freistoß, den Forsberg auf die Latte setzte.

Heynckes kämpft mit Nasenbluten

Leipzigs Coach Ralph Hasenhüttl hatte im Vergleich zum Ligaspiel gegen den VfB Stuttgart auf vier Positionen umgestellt. Dayot Upamecano kehrte in die Abwehrzentrale zurück. Nationalspieler Timo Werner blieb nach einer Blockade seiner Wirbelsäulenmuskulatur zunächst auf der Bank.

Zum Ende der ersten Halbzeit wurde der 18-malige Cupsieger aus München in seine Hälfte gedrängt. Lewandowski war vorne meist auf sich allein gestellt, die Bindung zu Kingsley Coman und Arjen Robben fehlte. Die verletzten Thomas Müller, Franck Ribery und James wurden vermisst. Für Irritationen sorgte auch Trainer Heynckes, der auf der Bank mit Nasenbluten kämpfte.

Turbulent wurde es beim Gang in die Kabine. RB-Sportdirektor Ralf Rangnick beschwerte sich bei Zwayer über die Freistoß-Entscheidung, zeigte ihm Bilder auf dem Handy. Dabei geriet Rangnick mit mit Mats Hummels und David Alaba aneinander. Ulreich griff ein und redete beruhigend auf Rangnick ein.

Bayern kam mit mehr Schwung aus der Kabine. Coman scheiterte zunächst knapp. Kurz danach forderten die Leipziger Fans wieder Elfmeter, nach einer erneut grenzwertigen Attacke von Boateng gegen Augustin. Zwayer ließ weiterspielen, Leipzigs Coach Ralph Hasenhüttl schrie seinen ganzen Frust heraus. 

Wriedt scheitert an der Latte

Noch lauter wurde es, als Mittelfeldstratege Keita in der 54. Minute nach einem Trikotzupfer gegen den durchbrechenden Lewandowski mit Gelb-Rot vom Platz musste. In der 66. Minute vergab Lewandowski die bis dahin größte Chance.

Eine Minute später dann fiel die Führung. Nach einer Attacke von Boateng gegen Yussuf Poulsen zeigte Zwayer auf den Punkt, Forsberg verwandelte den schmeichelhaften Strafstoß. Thiago glich fünf Minuten später per Kopf aus. In der Verlängerung drückten die Bayern vehement auf das Siegtor, unter anderem traf Debütant Kwasi Wriedt die Latte (105.).

Leipzig rettete sich ins Elfmeterschießen, musste sich dort aber geschlagen geben. "Jupp Heynckes hat zu jedem Schützen gesagt: Legt euch den Ball hin und dann aggressiv schießen", verriet Rummenigge. "Wir haben tolle Elfmeter geschossen."