Elephone S8 Review

Sascha Koesch
(engadget)


Es ist ein merkwürdiges Smartphone, das Elephone hier S8 nennt. Vor allem wegen des Namens, denn, nein, es ist so gar kein S8 Klon, aber auch wegen des Designs generell. Es ist auch ein sehr hübsches, recht wuchtiges Smartphone, das zwischen allen Stühlen der größten Trends sitzt. Aber gehen wir ruhig gleich ins Detail.

Design

Das Design des S8 hat die eckig große und herausstehende Kamera, die man von Samsung gewöhnt ist, eine glänzend schimmernde, blausilbrige glasige Metall-Rückseite, wie man sie am prägnantesten von HTCs U11 kennt, einen edlen Aluminium-Rahmen mit vier kleinen Antennenstreifen und auf der Vorderseite einen Mix-Screen mit der typischen Selfie-Kamera unten. Kurzum: es sieht aus wie viele, aber eben auch wie kein Anderes. Obendrein hat das S8 in Sachen Verarbeitung nicht einen einzigen Makel. Alles wirkt fast wie aus einem Guss, ein Effekt, der auf die leicht gewölbte Vorderseite und die stärker abgerundete Rückseite zurückzuführen ist. Nur beim Übergang des metallen schimmernden Glases auf der Rückseite zum Rahmen, gibt es eine minimale Kante. Man kann das als kleinen Bruch im Design sehen, allerdings bringt es den Vorteil, dass das S8 so nicht leicht aus der Hand rutscht. Überraschend - und irgendwie clever verspielt - ist beim blauen Modell auch die purpurn glänzende Tönung des geriffelten Anschaltknopfes, die nur aus manchen Blickwinkeln zu sehen ist.



Screen

Herausragendstes Feature dürfte beim S8 der 2K (1440x2560) Screen von Sharp sein. 6 Zoll sind natürlich selbst bei einem Mix-Screen eine Menge und so wundert es auch nicht, dass das S8 knapp unter 200g auf die Waage bringt. Visuell ist das allerdings eine echte Freude. Gestochen scharf, farblich sehr prägnant und obendrein auch sehr flüssig. Im direkten Vergleich z.B. mit einem Pixel XL laufen hier Videos überraschenderweise sogar in höchstmöglicher Auflösung irgendwie flüssiger ohne auch nur den Anflug eines Framedrops. Es ist nicht der allerhellste Bildschirm, aber dennoch durchaus lichtstark. Vielleicht neigt er einen Hauch dazu, die Grünwerte unterzubetonen. Aber hey, Miravision ist - wie gerne bei Smartphones mit einem Mediatek-Chip - dabei und lässt einem hier alle möglichen Einstellungen der Farbgebung des Bildschirms offen. Und auch die Blickwinkel (wo wir gerade beim aktuellen Reizthema Bildschirm sind) bleiben bis in den letzten Winkel absolut stabil in den Farben. Keine Tönung in irgendeine Richtung. Definitiv ein grandioser großer Bildschirm. Und Bildschirme sind nun mal schlichtweg zentral bei einem Smartphone. Zusätzlich zu den üblichen Miravision-Einstellungen gibt es auch noch ein ClearMotion-Setting, dass schnell bewegte Videos noch (noch!) flüssiger wirken lassen soll. Hinzukommt noch ein Blaulichtfilter für Nachts, der allerdings etwas kräftig ist.



Übrigens: theoretisch ist das S8 auch VR-ready. Allerdings nicht für Daydream, denn hier fehlt das NFC, das Google vorher als notwenig zu überprüfen scheint, auch wenn mir nicht ganz klar ist, warum. Auch direkt in diverse andere VR-Apps einsteigen war zum Teil deshalb, zum Teil weil das Google Daydream Headset mit dem Bildschirm des S8 nicht ganz klar kommt, etwas erfolglos. Wir fragen mal nach, mit welchem Headset die VR-Funktionen gehen und liefern das nach.

Software

Das S8 ist in dieser Hinsicht ein recht typisches Smartphone eines chinesischen Herstellers. Minimal verändertes Android 7.1.1 mit einem frischen Security Patch vom September, das in der kurzen Zeit, die ich es habe, schon ein erstes Software-Update (hauptsächlich zur Verbesserung des Kamera-Fokus) bekommen hat. Das auffälligste dürfte an der Software die Abwesenheit von On-Screen-Buttons sein, obwohl es auch keine Buttons neben dem Fingerprint-Sensor gibt. Das gibt natürlich noch mehr Platz auf dem Screen und überträgt die Aufgabe der Navigation im System auf den Fingerabdrucksensor, was überraschend gut funktioniert. Allerdings muss man sich zunächst mal an die "Gesten" ("Click" ist zurück, "Doppel-Click" Home und gedrückt halten das Fenster mit den offenen Apps) motorisch gewöhnen. Sollte jemand aber Partout nicht damit zurecht kommen, man kann die gewohnten On-Screen-Buttons auch einblenden. Der Launcher ist einfach, mit quer durchscrollbaren Screens und einem ebenso querlaufenden App-Drawer. Ansonsten gibt es noch DuraSpeed für Priorisierung der gerade laufenden App, wobei man auswählen kann, welche Apps weiter im Hintergrund laufen dürfen. Einen Satz an Gesten für die einfachere Bedienung gibt obendrein: Dreifinger-Screenshot, Doppelclick auf den Powerbutton für die Kamera, Doppelfinger für Lautstärke-Einstellung und so. Und sie funktionieren auch tadellos und lassen sich beliebig anschalten. Eine Einstellung genannt "White List" soll dafür sorgen, dass spezielle Apps nicht aus dem Hintergrund gedrängt werden.

Neben dem Satz eigener Tools (Musik, Notebook, Recorder, FM Radio, App Locker, Screen- und Audio-Recorder, Flashlight und eine Service App) sowie ein paar essentieller Google Apps (Google, Maps, Gmail, Play Store) ist das alles sehr schlank. 5,87 GB. Den Rest holt man sich im Playstore und ja, Google Assistant funktioniert natürlich auch problemlos.



Hardware

Mit dem 10-Core Helio X25(MT6797T) nebst 4GB RAM ist das S8 üppig ausgestattet, zumindest wenn es um die Multi-Core Tasks geht. An der Geschwindigkeit gibt es wenig auszusetzen, alles läuft flüssig, auch Games, allerdings kann es je nach den Apps die man laufen lässt, gelegentlich schon mal zu einem unerwarteten Stocken kommen. Wir fanden das merkwürdig und glauben, es hat etwas mit den Background-Aktivitäten spezieller Apps zu tun. Im Verdacht hätten wir FB oder Facebooks Messenger, aber so ganz sicher sind wir uns da nicht. Vermutlich wird es aber mit Apps zu tun haben, die nicht wirklich für diesen 10-Core Prozessor optimiert sind. Allerdings hatten andere Smartphones mit diesem Prozessor ähnliche Probleme, die mit einem Softwareupdate dann behoben werden konnten. Ohne die beiden oben genannten Apps sind mir die Ruckelproblemchen nicht mehr begegnet. In den üblichen Benchmarks macht sich die Schwäche bei Single-Core-Prozessen gegenüber der Stärke bei Multi-Core dann recht deutlich auch in Zahlen bemerkbar. Geekbench verortet das S8 hier im Single-Core Modus eher in der Gegend eines Snapdragon 808, im Multicore-Modus über dem Snapdragon 820. Antutu liegt knapp unter 80.000.

Die Batterie ist mit 4.000 mAh durchaus angemessen, lädt in etwas unter 2 Stunden mittels Quickcharge PE+ schnell genug und hält locker einen üblichen Tag aus. Jedoch auch nicht mehr trotz der großen Batterie, denn den Rest an Mehr schluckt hier der 2K-Screen.



Das WiFi (bis ac), Bluetooth (4.1), GPS und die üppige Ausstattung an Sensoren tut ihre Arbeit zuverlässig, es gibt Dual-SIM aber keinen microSD-Slot. Ob man das bei 64GB braucht muss jeder selbst wissen. Sprachqualität und Empfang sind ordentlich. LTE (incl. Band 20) selbstverständlich.

Das S8 kommt ohne Kopfhöreranschluss. Warum genau ist bei dieser Größe nicht so klar, allerdings hat es USB-C und ein Dongle wird mitgeliefert. Die Klangqualität über dieses kleine Dongle ist überraschend gut, wenn man bedenkt, dass die Audioumwandlung ja in dem kleinen Zusatzkabel stattfindet. Ein sehr klarer, sehr detailreicher Sound mit guter Dynamik, der rundum überzeugen kann. Wie üblich wird es nicht sonderlich laut, aber das Fehlen des Kopfhöreranschlusses haben wir so sehr schnell verschmerzt. Der Monolautsprecher (es sieht mal wieder nur so aus als wären es zwei) ist anständig laut und relativ klar, allerdings auch in keiner Weise herausragend. Da man bei diesem Bildschirm wohl dazu neigen wird, häufig Videos zu sehen, sollte man aber auch hinzufügen, dass der Klang dafür absolut in Ordnung ist.

Ausstattung

Ein Unboxing des Elephone S8 ist relativ schnell erledigt. Es kommt mit einem Screenprotector, den ich sofort entfernt habe, einem sehr nützlichen, gut sitzenden, transparenten TPU-Bumper, einer kleinen Einleitung, einem Fummel für das Herausholen des SIM-Trays und einem recht hübschen Ladekabel und Adapter (5V, 2A), sowie dem schon erwähnten USB-C Kopfhöreradapter. Das war es auch schon. Aber ich vermisse auch nichts.



Kamera

Die Kamera ist nicht das Herzstück des S8, soviel mal vorweg. Zugegeben, 21 Megapixel hören sind massiv an, aber sind es hier nur bedingt. Vorne handelt es sich um einen Sony Exmor RS Sensor mit f/2.0 nebst Dual LED. Der schafft zwar sowohl 4K als auch HDR, Panorama und RAW, aber mehr dazu später. Hinten gibt es (ebenso von Sony) eine 8 Megapixel-Kamera. Die Software ist basic. Ein Picture-In-Picture-Modus war die Überraschung. Der ermöglicht einem beide Kameras gleichzeitig zu nutzen und die Frontkamera wie ein Polaroid über dem eigentlichen Bild einzusetzen. Sonderfunktionen (außer Panorama, HDR, Blitz) lassen sich nur umständlich erreichen, manche, z.B. die Einstellungen für Bildqualität, Weißabgleich etc. verliert die Kamera auch, sollte man sie mal neu starten. Die überflüssigen Filter, die es wohl bei Mediatek-Software für Kameras immer hinzugibt, taugen nichts. Der Weißabgleich ist auch nicht so mein Geschmack, da er z.B. bei schönstem Sonnenlicht immer etwas unterkühlt wirkt.

All das lässt sich natürlich leicht mit anderer Kamera-Software umgehen, die leichter zugängliche manuelle Einstellungen bietet. Und das würden wir für das S8 auch empfehlen. Woran sich allerdings wenig ändern lässt, sind die allgemeinen Eigenschaften der Kamera. Für den Fokus hatte Elephone schon ein erstes Softwareupdate geliefert, allerdings ist er immer noch nicht der schnellste und bei schlechtem Licht schon mal gar nicht. Vor allem aber: er pumpt stark. Das stört nicht so bei Fotos, aber bei Videos ist es nervig. Nicht, dass es normalerweise ein großes Problem wäre, Bilder scharf zu stellen, aber das ein oder andere schnellere Motiv kann man so natürlich schon mal verlieren. Merkwürdig ist das obendrein, weil z.B. die Gesichtserkennung irgendwie im Vergleich sehr schnell ist. Von manchen Einstellungen wie "Auto-Scene-Detection" sollte man auch die Finger lassen. Die Kamera wirkt im Screen obendrein ein wenig wackelig und eiernd. Woran auch immer das liegen mag.



(Gesamtbild)

(Link zum Original in kompletter Auflösung)

Im Ergebnis sind die Bilder ansehnlich, aber nicht so gut wie ein 21 Megapixel Sensor klingen mag. Abgesehen vom nicht unbedingt die Lichtrealitäten besonders gut verstehenden Weißabgleich ist die Schärfe im Detail nicht herausragend, besser gesagt etwas überzeichnet. HDR hat dem übrigens nichts hinzuzufügen, sondern führt eher zu merkwürdigen Überbelichtungen der hellen Teile des Bildes oder - da langsam - zu Wacklern. Der Screen lässt die Fotos dann allerdings optimal aussehen, daran gibt es nichts zu rütteln, manchmal besser als sie sind. Vor allem bei schwächerer Belichtung wird der Fokus allerdings stärker zum Problem und das Farbrauschen nimmt um einiges schneller zu, als wir erwartet hätten.



Es können einem ohne Probleme mit dem S8 schöne Fotos gelingen, allerdings erfordert das gelegentlich mehr Aufwand, als man u.U. bei einer Smartphone-Kamera investieren möchte. Die Vorteile der Kamera sind ein geringes Farbrauschen bei farbigen Flächen, ein ausgewogenes Farbverhältnis und bei gutem Licht auch eine recht weitreichende Schärfe. Wir werden das Gefühl hier nicht los, dass man doch etwas mehr aus dem Sensor herausholen könnte. Allerdings sollte man zugeben, dass die Erwartungen durch den Bildschirm beim S8 so hochgeschraubt werden, dass man u.U. mit falschen Erwartungen an die Kamera rangeht. Denn irgendwo müssen die Features eines Smartphones ja konzentriert werden, wenn man es für knapp über 200€ schon bekommen kann.

Die Selfie-Kamera ist akzeptabel, aber liefert natürlich keine der derzeit beliebten Features mit und man muss sich für modische Selfies woanders an Bildbearbeitungs-Software bedienen. Videos sind mangels Bildstabilisierung und aufgrund des eher wackeligen Fokus dann aber definitiv nicht die Stärke des Elephone S8. Hält man die Kamera schön stabil lassen sich auch hier gute Ergebnisse bei gutem Licht erzielen, aber bei Partys bspw. kann man das ganz vergessen.



Fazit

Das Elephone S8 ist ein Smartphone, das vor allem auf zwei Dinge wirklich setzt. Den herausragenden Bildschirm und das glitzernd edle Design. Beides gemeinsam ist für ein Smartphone dieser Preisklasse wirklich selten. Wer auf der Suche nach einem schnellen großen Smartphone ist, auf dem man gerne hochauflösende Inhalte genießt und das obendrein auch ästhetisch sehr ansprechend, aber dennoch erschwinglich ist, liegt hier genau richtig. Eine professionelle Contentmaschine für schnell geschossene brillante Fotos oder Videos aus jeder Lage ist es hingegen nicht. Man darf hier auf leichte Verbesserungen von Elephone durch Software-Updates hoffen. Ja, man kann durchaus etwas mit den Ergebnissen für Social Media etc. anfangen, aber sollte sich auch nicht zu viel erwarten. Für den Preis ist es mit diesem Bildschirm aber irgendwie auf seine Weise dennoch konkurrenzlos.