Der Elefant im Raum

Der erste öffentliche Termin danach: Trotz Steueraffäre will Georg Fahrenschon beweisen, dass er als Sparkassenpräsident noch handlungsfähig ist. Bei seinem Auftritt in Frankfurt funktioniert das nur aber nur bedingt.


Hier steht er nun und kann nicht anders. Am Freitagvormittag absolviert Georg Fahrenschon im Frankfurter Maintower seinen ersten öffentlichen Auftritt seit dem großen Knall. Im dunklen Anzug, wie es sich für den Spitzenfunktionär der deutschen Sparkassen gehört, steht er auf dem Podium und spricht über die Themen, über die man als Verbandspräsident einer Bankengruppe in diesen Tagen eben so spricht – die Politik der Europäischen Zentralbank zum Beispiel.

„Etwas Licht, viel Schatten“, macht er in der jüngsten Entscheidung des EZB-Rates aus, ihr Anleihekaufprogramm zu reduzieren. Den Sparkassen geht das wenig überraschend alles zu langsam. „Seit drei Jahren fangen wir die Niedrigzinsen für die Kunden ab, zulasten des eigenen Gewinns“, klagt Fahrenschon.

Eigentlich alles Routine, die 63. Kreditpolitische Tagung der Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen, ein Auftritt wie ihn Fahrenschon im Dutzend absolviert. Doch genau das ist das Dilemma des Sparkassenpräsidenten in diesen Tagen. Routine gibt es für ihn nicht mehr, seit am vergangenen Dienstag, ausgerechnet einen Tag vor seiner geplanten Wiederwahl, durchsickerte, dass die Münchner Staatsanwaltschaft einen Strafbefehl wegen vorsätzlicher Steuerhinterziehung erlassen hat.


Und doch muss Fahrenschon bei seinem Auftritt in Frankfurt so tun, als wäre alles wie immer. Es gilt zu beweisen, dass er allenfalls ein Sparkassenpräsident auf Bewährung ist und keiner auf Abruf. Es gilt zu demonstrieren, dass er und sein Verband trotz des Skandals handlungsfähig sind.

Den Mitte der Woche in Berlin versammelten Sparkassenfürsten blieb am Ende nichts anderes übrig als die Wahl zu verschieben, bis der Fall Fahrenschon vor Gericht entschieden ist. Bis dahin will der Sparkassenpräsident an seiner Kandidatur für eine zweite Amtszeit festhalten. Im Verband jedoch werden die Zweifel immer lauter, ob er selbst bei einem günstigen Urteil der Münchner Richter noch der richtige ist, um mit den Größen der Politik, den Aufsehern und den Notenbanken auf Augenhöhe zu verhandeln.

In Frankfurt erwähnt Fahrenschon seine Steueraffäre mit keinem Wort, betont locker widmet er sich vor seinem Auftritt dem Small Talk mit den anderen Rednern. Die Steueraffäre wird im Maintower von niemandem thematisiert. Natürlich ist der Skandal der Elefant im Raum, den alle ignorieren wollen, der sich aber nicht ignorieren lässt.


So manche Bemerkung, die an diesem Tag fällt, erscheint plötzlich zweideutig. „Vieles wird zusehends schlechter, aber nichts wird wegsehend besser“, zitiert Bundesbankvorstand Andreas Dombret den österreichischen Kabarettisten Helmut Qualtinger. Mit dem Zitat will Dombret eigentlich vor den Folgen des Brexits warnen. Aber auch Fahrenschon hat zu lange weggesehen, als er seine Einkommens- und Umsatzsteuererklärung mit jahrelanger Verspätung abgegeben hat.

„Wer sich der Realität verweigert, ist draußen“, warnt der Chef der Landesbank Hessen-Thüringen, Herbert Hans Grüntker. Der Hausherr im Maintower mahnt die versammelten Banker damit, Niedrigzins und Digitalisierung als neue Realitäten anzuerkennen. Aber auch diese Bemerkung ließe sich auf die schwierige Situation der deutschen Sparkassen und ihres Präsidenten beziehen. Zwar hat der Vorstand des Verbandes Fahrenschon das Vertrauen ausgesprochen, aber seit der Skandal öffentlich wurde, glühen die Telefondrähte. Von Vertrauensbruch und verlorener Vorbildfunktion ist die Rede. Ein Sparkassenfunktionär sieht die Chancen auf eine Wiederwahl Fahrenschons lediglich bei „fifty-fifty“.

KONTEXT

Was auch zu den Aufgaben des Sparkassen-Präsidenten gehört

Chefposten

Die Position als Verwaltungsratsvorsitzender der Dekabank ist eine der wichtigsten zusätzlichen Aufgaben Georg Fahrenschons. Zudem ist er Aufsichtsratsvorsitzender der Berliner Sparkasse/LBBH und Aufsichtsratsvorsitzender der Berlin Hyp"…AG. Alle Gesellschaften gehören den Sparkassen vollständig.

Weitere Aufgaben

In Personalunion ist Fahrenschon Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Sparkassen Leasing Verwaltung AG und stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates der Deutschen Leasing"…AG. Zudem ist der ehemalige Finanzminister Bayerns Mitglied im Verwaltungsrat und in der Trägerversammlung der Landesbank Helaba, die mehrheitlich den Sparkassen gehört. Auch im Verwaltungsrat der KfW Bankengruppe ist er vertreten. Ehrenamtlich wirkt Fahrenschon als Mitglied des Stiftungsrates und des Kuratoriums Deutsche Sporthilfe und beim Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft mit.