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Wie wird El Niño diesen Winter das Klima in Europa beeinflussen?

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Zu Beginn dieses Sommers bestätigte die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) die offizielle Rückkehr des bekannten Wetterphänomens El Niño. Nun prognostizieren Experten, dass das Wetterphänomen bis zum Winter verstärkt auftreten werde.

Doch was genau ist El Niño? El Niño ist ein natürliches Klimaphänomen, bei dem das Ozeanflächenwasser des tropischen, zentralen und östlichen Pazifiks steigt. Dieses Phänomen hat erhebliche Auswirkungen auf das globale Wettergeschehen und kann eine Reihe von extremen Wetterereignissen in verschiedenen Regionen der Welt auslösen.

El Niño und La Niña sind zwei Phasen eines größeren Phänomens, das als El Niño-Southern Oscillation (ENSO) bekannt ist. Nach einer dreijährigen Phase, die drei La Niña umfasste, kehrt nun El Niño zurück.

Zu den Auswirkungen dieser Zirkulation gehören Dürren in einigen Weltregionen, wie Australien und dem westlichen Südamerika, und starke Regenfälle und Flussüberschwemmungen in anderen Regionen, etwa in Nordperu und den südlichen Gebieten der Vereinigten Staaten. El Niño führt ebenfalls zu Veränderungen im Temperaturmuster vieler Regionen.

Und das wiederum hat weitreichende Folgen für die Weltbevölkerung: El Niño hat unter anderem verheerende Auswirkungen auf die Ernten und damit die Lebensmittelpreise. Das Phänomen werde 2023 vor allem Südostasien, Ostafrika und die Pazifikküste Lateinamerikas betreffen, so die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO). Deshalb empfiehlt die FAO, gemeinschaftliche Saatgutlager einzurichten und strategische Lebensmittelreserven anzulegen.

Nach Angaben der Vereinten Nationen besteht eine 98-prozentige Chance, dass der nächste Fünfjahreszeitraum der wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen sein werde. Der Klimawandel und El Niño spielen bei dieser Prognose eine entscheidende Rolle – mit extremen Wetterlagen und Rekordtemperaturen.

Forschungsergebnisse deuten zudem darauf hin, dass der Klimawandel die Schwankungen zwischen warmen und kalten Wetterextremen intensiviert, die Konsequenz: eine überdurchschnittliche Hurrikansaison.

Wird El Niño das Klima in Europa in diesem Winter beeinflussen?

Die globalen Auswirkungen von El Niño. - Copyright: NCEP
Die globalen Auswirkungen von El Niño. - Copyright: NCEP

In einem Gespräch mit "Euronews" versuchen Fachleute genau diese Frage zu beantworten, obwohl die wichtigsten Auswirkungen von El Niño erst 2024 eintreten würden.

Nach Angaben der NOAA bestehe eine 95-prozentige Chance, dass eine mäßige bis starke El-Niño-Saison bis Februar 2024 anhalten wird. Der Höhepunkt werde normalerweise zwischen November und Januar erreicht und könnte schon im Frühjahr sein Ende finden.

"El-Niño-Jahre verursachen in der Regel einen milden, nassen, westlichen Winteranfang (November-Dezember) und ein kälteres, trockeneres Winterende (Januar-März) in Nordeuropa", erklärt der Meteorologe Adam Scaife, der für langfristige Prognosen beim britischen Met Office, dem nationalen meteorologischen Dienst des Vereinigten Königreichs, zuständig ist.

In Südeuropa werde dieses Phänomen hingegen erwartungsgemäß einen feuchteren Herbst und Winter verursachen. Es sei jedoch zu beachten, dass El Niño nur einer von mehreren Einflüssen auf das europäische Wettergeschehen sei.

"Tropische Niederschläge lösen planetarische Wellen aus, die Europa im Winter treffen. Diese können ihren Ursprung entweder im tropischen Atlantik oder im Pazifik haben", erklärt Professor Scaife "Euronews". Wenn es zu einer Störung der Windströme in der zweiten Schicht der Atmosphäre komme, folge in der Regel ein Kälteeinbruch, unabhängig davon, ob es sich um El Niño handele.

Klar ist nur, dass Temperaturen in ganz Europa sich intensivieren könnten

"Die vorgefasste Meinung vieler Menschen ist, dass wir mit El Niño einen überdurchschnittlich kalten Winter in Europa haben würden, aber das ist während El Niño nicht garantiert", erklärt Francisco Martín León vom Wetterdienstportal "Eltiempo.es".

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Der Zustand der Stratosphäre und das arktische Meereises – derzeit auf einem historischen Tiefstand – hätten einen großen Einfluss auf das Klima, sagt León. Im Falle Spaniens spielten beispielsweise die Gewässer des Nordatlantiks und des Mittelmeers ebenfalls eine Rolle.

"Wir können nur feststellen, dass die spürbarste Auswirkung von El Niño auf die europäischen Breitengrade darin besteht, dass die Temperaturen in allen Jahreszeiten höher sein werden", so León.

Nächstes Jahr würden die Temperaturen voraussichtlich deutlich höher sein als gewöhnlich. Tatsächlich sei 2016 – das letzte Jahr, in dem ein großer El Niño aufgetreten ist – das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gewesen. Alles deute darauf hin, dass dieser Rekord im Jahr 2024 erneut gebrochen werde. Damit könnte die gefährliche Schwelle von 1,5 Grad des menschengemachten Klimawandels – von Beginn der Industrialisierung bis 2100 beobachtet – überschritten werden.

Angesichts der Tatsache, dass das Meer bereits vor El Niño im Mai die höchste durchschnittliche Oberflächentemperatur aller Zeiten aufwies, dürfte 2024 ein Jahr mit extremen Wetterereignissen werden.

Dieser Artikel wurde von Amin Al Magrebi aus dem Spanischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.