Der Knoten ist geplatzt: Audi-Fahrer Nico Müller stand bei der DTM 2017 in Spielberg zweimal auf dem Siegerpodest - Ekström: "Da können alle Jammerlappen leise sein"

Jubel bei Nico Müller: Zweimal stand er in Spielberg auf dem Podium


Es war eine bisher schwierige Saison für Nico Müller, der zuletzt viel Kritik einstecken musste und nach dem Zwischenfall mit Timo Glock am Nürburgring als "Bremsklotz" bezeichnet wurde. Doch der Schweizer ließ sich von den Manipulationsvorwürfen gegen ihn und seinen Arbeitgeber Audi nicht beeindrucken. Beim vorletzten Event der DTM-Saison 2017 zeigte der 25-Jährige seinen Kritikern, was in ihm steckt und stand beim doppelten Audi-Dreifach-Erfolg zweimal als Dritter auf dem Podium.

"Ich freue mich sehr für Nico", sagt Abt-Teamkollege Mattias Ekström. "Er hat bisher brutal viel Aufmerksam bekommen, weil alle sagen: 'Er kann nur Blockieren'. Jetzt haben alle Hater und Lover gesehen: Er stellt die Karre auf Startplatz zwei und fährt aufs Podium. Da können alle Jammerlappen mal für eine Weile leise sein."

Im ersten Qualifying verfehlte Müller die Pole-Position nur um 21 Tausendstel und musste sich seinem Markenkollegen Jamie Green, dem tragischen Helden von Spielberg, geschlagen geben und startete am Samstag neben dem Briten aus der ersten Reihe.

Harte Arbeit wurde belohnt

"Wir wussten das ganze Jahr, dass, wenn alles passt, wir das Zeug dazu haben, auf das Podium zu fahren. Dieses Wochenende konnten wir es auch endlich beweisen, schwarz auf weiß", so der Schweizer im Interview mit 'Motorsport-Total.com', dem die Freude und Erleichterung anzumerken ist. "Ich freue mich extrem für das ganze Team, sie haben es wirklich verdient!"

Vor dem Rennwochenende erklärte der sympathische Audi-Mann, dass ihn die Umgebung am Red-Bull-Ring an seine Schweizer Heimat erinnere und er sich in Spielberg sehr wohl fühle. Womöglich trug das heimische Gefühl dazu bei, dass das Rennwochenende in Österreich Müllers bisher bestes in dieser Saison war. Vor der vorletzten DTM-Veranstaltung des Jahres standen zwei vierte Plätze in Budapest und Zandvoort als bis dahin bestes Rennresultat des Abt-Piloten zu buche. "Ich hatte viel Spaß da draußen", schildert Müller und erklärt: "Von Platz fünf musste ich ein bisschen härter dafür kämpfen, als am Samstag von Platz zwei. Deshalb bin ich sehr stolz darauf!"

Im ersten Rennen in Spielberg überquerte Müller als Dritter die Ziellinie und lag nur 0,204 Sekunden hinter dem zweitplatzierten Green. Der zweite Platz wäre in greifbarer Nähe gewesen, doch der Schweizer wollte kein Risiko eingehen und den ersten Podestplatz der Saison sichern.

"Wenn man in so einer Situation ist, geht man keine unnötigen Risiken ein. Es war besser, ruhig zu bleiben und das Podium einzufahren", erklärt der Audi-Mann, der sich durch seine Leistung in der Steiermark für ein Stammcockpit 2018 empfohlen hat und eine ordentliche Visitenkarte abgegeben hat. "Ich möchte mein Bestes geben und gute Resultate einfahren. Alles andere wird sich zeigen", macht er sich um seine Zukunft noch keine Gedanken.

Bei Audi weiß man um das Talent und Können des Schweizers, auch wenn es die Resultate der Saison 2017 nicht so deutlich widerspiegeln. "Es ist nicht das erste gute Ergebnis, das er bringt. Nico hat seine Leistung schon abgerufen, auch im vergangenen Jahr", erklärt Audi-Motorsportchef Dieter Gass.

"Er hatte dieses Jahr den einen oder anderen Hänger. Deswegen freue ich mich unheimlich für ihn, dass er heute auf das Podium gefahren ist", ergänzt er. Ist der Knoten bei Müller auf der Zielgeraden der DTM-Saison 2017 damit geplatzt? "Das würde ich so nicht sagen, weil er schon mehrmals gezeigt hat, dass er es kann", so Gass, der um die Stärke seines Piloten weiß.

Im Vorjahr lag Müller in der Fahrerwertung auf Rang neun nur 19 Punkte hinter seinem Teamkollegen und dem zweifachen DTM-Champion Ekström. Das Highlight des Schweizers war der erste DTM-Sieg seiner Karriere auf dem Norisring. Aktuell liegt er mit 81 Zählern auf dem zwölften Rang in der Tabelle, auf seinen ersten Saisonsieg muss er bisher noch warten. Doch wenn Müllers Aufwärtstrend weitergeht, könnte er schon beim Finale in Hockenheim (14./15. Oktober) ganz oben stehen.

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