Eklat vor dem Staatsbesuch – Trump zerreißt Mays Brexit-Plan


Der Londoner „Guardian“ nennt das Interview einer „politische Granate“: Schon vor dem Besuch des US-Präsidenten in Großbritannien hat Donald Trump die britischen Regierung und dem halben Land gegen sich aufgebracht. In einem Interview mit der Boulevardzeitung „Sun“ kritisierte er nicht nur die Brexit-Strategie von Theresa May – er hat zudem selbst einen wesentlich besseren Plan. „Ich habe Theresa May gesagt, wie es geht, aber sie war anderer Meinung und hat nicht auf mich gehört. Im Grunde tut sie das Gegenteil.“

Doch das war Trump noch nicht genug. Zusätzlich äußerte der US-Präsident und auf dem Papier wichtigste Verbündete des Landes seine Unterstützung für den jüngst zurückgetretenen Außenminister Boris Johnson – den ärgster Widersacher von Theresa May „Er würde ein großartiger Premierminister sein“, sagte Trump über Johnson.

May reagierte auf die Angriffe Trumps sehr britisch: Sie ließ sich nichts anmerken, als sie mit ihrem Mann Philip den US-Präsidenten und First Lady Melania begrüßte. „Sie freut sich darauf, sich mit dem Präsidenten zusammenzusetzen und mit ihm das Weißbuch durchzugehen“, sagte ein Sprecher der Regierungschefin am Freitag. Er bezog sich damit auf den am Donnerstag vorgestellten Plan, in dem die britische Regierung ihre Vorstellungen über die künftigen Beziehungen zur Europäischen Union nach dem Brexit erläutert.


Nach den heftigen persönlichen Attacken waren Trumps Bemerkungen zu den Handelsbedingungen zwischen Großbritannien und den USA schon fast Nebensache. Eine zu enge Bindung an die Europäische Union nach dem Brexit würde dazu führen, dass die USA bei einem Handelsabkommen doch wieder mit der EU verhandeln müssten, so Trump. „Also wird es das Abkommen wahrscheinlich töten.“ Er fügte hinzu: „Wenn sie das tun, wird ihr Handelsabkommen mit den Vereinigten Staaten vermutlich nicht zustande kommen.“ Mays Pläne sehen unter anderem eine Zollunion und ein Freihandelsabkommen mit der EU vor.

Die „Sun“ veröffentlichte Audio-Ausschnitte des Interviews am Donnerstagabend – kurz nachdem May Trump im Blenheim Palace nahe Oxford zu einem festlichen Galadinner empfangen hatte. Zu entnehmen waren dem Interview nur die Antworten Trumps, nicht die Fragen, auf die er Bezug nahm.

Nachdem die harsche Kritik an May in der „Sun“ bekannt wurde, versuchte das Weiße Haus später am Abend die Wogen wieder etwas zu glätten. US-Regierungssprecherin Sarah Huckabee Sanders betonte guten Beziehungen zur britischen Premierministerin. Der Präsident „mag und respektiert“ May, sagte sie. Trump habe der Zeitung „The Sun“ gesagt, dass May eine „sehr gute Person“ sei und „niemals etwas Schlechtes über sie“ geäußert.

An dem Abendessen bei Oxford nahmen auch zahlreiche Wirtschaftsvertreter teil. Trump reiste per Hubschrauber aus London an und wurde mit großem Zeremoniell im Hof des Schlosses von einer Kapelle rotuniformierter Gardesoldaten in Empfang genommen.


May legt viel Wert darauf, die „besondere Beziehung“ zwischen London und Washington zu beschwören, und dass sie sich von Trump baldige Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen für die Zeit nach dem Brexit erhofft.

Trump ist bekanntermaßen ein Freund pompösen Zeremoniells. May hatte ihn bereits kurz nach seiner Amtseinführung als Präsident zu einem Staatsbesuch mit der Queen in London eingeladen. Wohl aus Angst vor Protesten wurde das aber auf einen Arbeitsbesuch reduziert. Der Empfang in Blenheim Palace dürfte ein Versuch sein, Trump etwas zu entschädigen.

Trump hält sich für mehrere Tage in Großbritannien auf. Die Polizei rechnet mit heftigen Protesten gegen den US-Präsidenten. Blenheim Palace ist der Geburtsort von Kriegspremier Winston Churchill. Ausgewählt wurde der Ort aber wohl auch, weil er inmitten eines riesigen abgeschirmten Geländes liegt. Pfiffe und Buhrufe von Demonstranten musste Trump also nicht fürchten.