Keine Einsicht: Prügel-Präsident verteidigt Attacke im TV

Sion-Boss Christian Constantin attackiert Rolf Fringer vor laufender TV-Kamera

In der Schweizer Super League ist es am Rande des 2:1-Sieges des FC Sion über den FC Lugano zu unglaublichen Szenen gekommen.

Sion-Präsident Christian Constantin rastete beim Interview mit dem TV-Sender Teleclub aus und schlug auf den Experten Rolf Fringer ein. (Hier gibt es ein Video des Ausrasters)

"Zuerst ist sein Sohn gekommen und dann er. Er hat mir drei, vier Ohrfeigen gegeben", schilderte Fringer, der 1996 ein Jahr lang Nationaltrainer der Schweiz war, die Szene bei Teleclub sichtlich erschüttert.

"Ich habe mein Mikrofon gehalten, habe mich gar nicht gewehrt. Ich habe gedacht, das darf doch gar nicht wahr sein."

Ohrfeigen und Tritte

Der Sion-Boss hatte aber noch nicht genug - er verfolgte den TV-Experten, der rutschte aus, Constantin attackierte sofort wieder. "Dann gab es noch einen Tritt in den Hintern, in den Rücken. Also, eigentlich unglaublich", sagte Fringer, der von 1995 bis 1996 den VfB Stuttgart trainiert hatte.


Constantin ließ erst von dem Journalisten ab, als jemand dazwischen ging, daraufhin schlenderte der Sion-Boss davon. Fringer räumte danach ein, dass er Constantin zwar kritische Fragen gestellt habe, dessen Reaktion aber sei "völlig untragbar".

Sions Präsident verteidigte seine Attacke sogar noch im Fernsehen. "Fringer hat mich diese Woche verbal attackiert und kritisiert. Ich habe das mit ihm geregelt. Wie? Ich habe ihn gepackt und ihm in den Arsch getreten! Es fühlt sich gut an! Das ist nicht die feine Art, aber wenn man angegriffen wird, wehrt man sich halt", sagte Constantin.

Auch am Tag danach zeigte er sich im Gespräch mit der Nachrichtenagentur ATS keineswegs einsichtig: "Er war in Bezug auf seine Aussagen mir gegenüber nicht einsichtig. Also musste er gemaßregelt werden. Wie ein Kind auf dem Pausenplatz."

Constantin Wiederholungstäter

Fringer denkt nun über juristische Schritte nach: "Ich persönlich gehe davon aus, dass ich Strafanzeige wegen Körperverletzung einreichen werde", sagte der 60-Jährige: "Aber ich muss jetzt erst einmal diesen Schock verdauen und dann entscheiden, was ich unternehme."

Doch auch Constantin will vor Gericht ziehen: "Ich habe eine Strafanzeige wegen Rufschädigung und Verleumdung eingereicht", berichtete er am Freitag.

Folgen hatte sein Ausraster für das Bewerbungskomitee der Stadt Sion für die Olympischen Winterspiele 2026. Am Freitag trat der Fußball-Funktionär als Vizepräsident zurück.

Doch ihm drohen weitere Konsequenzen. Liga-Boss Claudius Schäfer kündigte ein Verfahren an: "Physische Gewalt ist aufs Schärfste zu verurteilen. Physische Gewalt können wir nicht tolerieren."

Dazu kommt, dass Constantin Wiederholungstäter ist. Bereits im Dezember 2004 hatte er nach einem Spiel gegen Kriens den Schiedsrichter und dessen Assistenten attackiert. Daraufhin wurde er wegen Körperverletzung zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt.