EKD-Ratsvorsitzender Bedford-Strohm hält Hartz-IV-Sätze für zu niedrig

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat von der Politik mehr Engagement bei der Armutsbekämpfung gefordert. In einem Land, in dem das private Geldvermögen auf 5,8 Billionen Euro angestiegen sei, "dürfen wir es nicht zulassen, dass Schwache gegen Schwache ausgespielt werden, sondern müssen einen sozialen Ausgleich finden, der den Zusammenhalt und das Miteinander stärkt", sagte Bedford-Strohm dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Der Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern kritisierte ferner die Höhe der Hartz-IV-Sätze. "Die Diakonie, die nah dran ist an den Menschen, um die es geht, weist immer wieder darauf hin, dass die Regelsätze sehr eng, zu eng bemessen sind", sagte Bedford-Strohm. Jeder sollte sich klarmachen, wie weit er mit 416 Euro im Monat käme.

Zusätzliches Geld allein würde im Kampf gegen die steigende Armut in Deutschland aber nicht reichen, sagte Bedford-Strohm. Es gebe Menschen, die einfach aus der Gesellschaft verschwunden seien, weil sie keinen Anknüpfungspunkt mehr fänden. Ein zentrales Element für die Gegenstrategie sei Bildung. "Daher ist es so wichtig, dass wir alles dafür tun, schon im frühen Kindesalter die Bildung soweit wie möglich zu fördern", forderte der Landesbischof.

Aber natürlich spielten auch äußere Faktoren wie das Wohnen eine zentrale Rolle. "Es rächt sich jetzt, dass der soziale Wohnungsbau solange vernachlässigt worden ist. Denn wir haben einen dramatischen Mangel an bezahlbaren Wohnungen, der die Ärmsten besonders hart trifft."