"Wie an Weihnachten". Traumstart für DSV-Adler

SID
·Lesedauer: 3 Min.

Markus Eisenbichler fiel seinem Kumpel Karl Geiger nach dem deutschen Doppelsieg wild jubelnd um den Hals, auf dem Trainerturm riss Stefan Horngacher ungläubig die Arme in den Himmel: Mit einer furiosen Skisprung-Gala haben die DSV-Adler im polnischen Wisla für einen Traumstart in den WM-Winter gesorgt. Der überragende Eisenbichler schlüpfte als Krönung nach seinem erst zweiten Weltcupsieg in das Gelbe Trikot.

"Das ist so geil. Über das Gelbe Trikot freue ich mich wie an Weihnachten. Das hätte ich nicht erwartet", sagte Eisenbichler, der zuvor nur das Weltcup-Skifliegen im slowenischen Planica im März 2019 gewonnen hatte. Nun gewann er mit zwei starken Sprüngen auf 137,5 und 134,0 m und 267,6 Punkten klar vor seinem Teamkollegen Geiger (258,7). Dritter wurde der Österreicher Daniel Huber (255,7).

Eisenbichler: "habe nicht damit gerechnet"

"Ich habe zwar gewusst, dass ich gut drauf bin, aber damit habe ich nicht unbedingt gerechnet", sagte Eisenbichler. Auch der Tournee-Dritte Geiger jubelte: "Ich find's mega, ich freue mich riesig. Ich wüsste nicht, ob wir schon jemals so in den Winter gestartet sind." Tatsächlich hatte es nur 2000 durch Martin Schmitt und Sven Hannawald in Kuopio einen deutschen Doppelsieg zum Auftakt gegeben.

Dreifach-Weltmeister Eisenbichler ist zudem der erste DSV-Adler seit Severin Freund 2012, der mit einem Sieg in den Winter startet. Der Bayer ist nun nach Manfred Deckert, Jens Weißflog, Dieter Thoma, Andre Kiesewetter, Schmitt, Hannawald, Freund, Richard Freitag und Geiger der zehnte Deutsche an der Spitze des Gesamtweltcups.

Hamann stürzt bei Fast-Schanzenrekord

Für Aufsehen an der Adam-Malysz-Schanze sorgte auch Martin Hamann, der im zweiten Durchgang mit 138,5 m nur einen halben Meter unter Stefan Krafts Schanzenrekord aus dem Jahr 2013 blieb.

Der DM-Zweite konnte seinen Traumflug zwar nicht stehen, blieb aber unverletzt und landete am Ende auf Rang 18. "Der war Wahnsinn, eine ziemliche Granate", sagte Hamann.

Wellinger verpasst 2. Durchgang

Olympiasieger Andreas Wellinger verpasste dagegen in seinem ersten Weltcup seit 20 Monaten als 39. den zweiten Durchgang klar. "Ich war schon nervös - deutlich mehr, als ich es von mir kenne. Ich tue mich noch schwer bei so Bedingungen", sagte der 25-Jährige in der ARD.

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Stark verbessert präsentierte sich Freund. Der lange verletzte Ex-Weltmeister kam auf Rang 25 und verpasste seine erste Top-20-Platzierung seit Dezember 2016 nur knapp. Auch Pius Paschke (Kiefersfelden) überzeugte als Zwölfter.

Bereits nach einem Sprung musste Constantin Schmid als 42. seine Sachen packen. Das gleiche Schicksal ereilte überraschend auch Titelverteidiger Kraft aus Österreich, der viel Pech mit den Windverhältnissen hatte.

Fans in den Wäldern

Erstmals fand ein Weltcup vor leeren Rängen statt, zahlreiche polnische Fans hatten sich dennoch in den Wäldern versteckt und sorgten mit einem "Tröt-Konzert" für Stimmung. "Ich fand das mega cool, auch wenn das in Corona-Zeiten eigentlich nicht Sinn der Sache sein sollte", sagte Geiger schmunzelnd: "Am Anfang wurde noch Jubel per Lautsprecher eingespielt. Das war dann nicht mehr nötig."

Eisenbichler, Geiger, Schmid und Paschke hatten schon am Samstag mit Rang zwei im Teamwettbewerb überzeugt. Nacht acht Sprüngen fehlten dem DSV-Quartett umgerechnet keine fünf Meter auf den Rivalen Österreich, bei dem Cheftrainer Andreas Widhölzl einen Start nach Maß feierte. Dritter wurde Gastgeber Polen, die übrigen Nationen hatten deutlichen Rückstand.