Eintracht oder Mainz? Kohr spricht über seine Zukunft

Christopher Michel
·Lesedauer: 8 Min.
Eintracht oder Mainz? Kohr spricht über seine Zukunft
Eintracht oder Mainz? Kohr spricht über seine Zukunft

Dominik Kohr und seine Frau Melissa erwarten Nachwuchs. Im August soll das Töchterchen auf die Welt kommen. Doch nicht nur privat hat der 27-Jährige aktuell allen Grund zum Strahlen.

Mit dem 1. FSV Mainz 05 ist der von Eintracht Frankfurt ausgeliehene Mittelfeldspieler vorerst auf Rang 15 gesprungen. (Service: Spielplan und Ergebnisse der Bundesliga)

Vor dem Kellerduell gegen Arminia Bielefeld (Samstag ab 15.30 Uhr im Liveticker) nahm sich Kohr für SPORT1 Zeit und sprach über seinen Treffer, Coach Bo Svensson und seine Zukunft.

SPORT1: Dominik Kohr, zwischen Ihren beiden letzten Bundesligatoren lagen über fast dreieinhalb Jahre. Wissen Sie noch, gegen wen Sie das vierte Bundesligator erzielt haben?

Dominik Kohr: Na klar! Ich war damals noch im Dress von Bayer Leverkusen unterwegs und habe gegen Mainz 05 getroffen.

Kohr: Ausleih-Chance nach Mainz direkt wahrgenommen

SPORT1: Mit Mainz verbinden Sie ja einige Erlebnisse in der Karriere: Im Augsburger Trikot wurden Sie am Bein verletzt, in der vergangenen Saison gab es für Sie im Eintracht-Dress nach Notbremse eine Rote Karte. Hatten Sie an diese Umstände bei dem Wechsel gedacht?

Kohr: Die Verletzung und die Rote Karte gegen Mainz waren natürlich keine positiven Ereignisse für mich. Das vierte Bundesligator war zwar toll, aber wir haben mit Leverkusen noch mit 1:3 verloren. Ich hatte bislang nie besonders gute Erfahrungen in Spielen gegen Mainz gesammelt. Aber als die Chance kam, dass ich mich nach Mainz ausleihen lassen konnte, habe ich darüber nicht nachgedacht.

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SPORT1: Kommen wir zurück zu Ihrem Tor. Was war das für ein Gefühl für Sie, als der Ball gegen Hoffenheim nach dem Kopfball plötzlich im Tor lag?

Kohr: Ich habe mich natürlich riesig über das Tor gegen die TSG gefreut und war in dem Moment danach ganz gelassen. Ich habe mit meiner Frau vorher noch darüber gesprochen und gemeint, dass ich bei einem Tor den Baby-Jubel (Ball unter das Trikot klemmen, Anm. d. Red.) machen kann. Ich habe dann sogar an diese Abmachung gedacht und mich gefreut, dass ich dem Team mit meinem Tor helfen konnte. Für die Mannschaft war es wichtig, dass wir direkt nach dem Gegentor eine Reaktion gezeigt haben und durch meinen Treffer wieder in Führung gegangen sind. Natürlich hätten wir noch mehr Tore erzielen können, das haben wir danach verpasst. Ich freue mich aber trotzdem, dass ich helfen konnte und wir die drei Punkte eingesammelt haben.

SPORT1: In den neun Partien mit Ihnen auf dem Feld konnten fünf Partien gewonnen werden. Was haben Sie dem Team geben können?

Kohr: Natürlich liegt es nicht nur an mir, wenn wir siegen. Das ist eine Leistung der gesamten Mannschaft und vom Trainer, der neue Impulse gesetzt hat und uns einen Plan mit auf den Weg gibt. Ich bringe meine Stärken ein. Dabei spüre ich das Vertrauen von Trainer und Team. Wenn ich das Vertrauen spüre, dann kann ich auch alles aus mir herausholen. Man erkennt dann auch von Spiel zu Spiel, dass ich meine Leistung immer weiter verbessern kann. Doch auch die anderen Winter-Neuzugänge Danny da Costa und Robert Glatzel tragen ihren Teil zum Erfolg bei. Wir können nur als Team im Abstiegskampf bestehen. Wir legen unter der Woche im Training den Grundstein und sehen dann, dass wir am Wochenende belohnt werden.

Da Costa hat sich bei Kohr über Mainz informiert

SPORT1: Wie Sie selbst sagten, wird der Aufschwung nicht nur mit Ihnen, sondern auch mit Ihrem Kumpel Danny da Costa in Verbindung gebracht. Sie beide scheinen sich in Mainz richtig wohlzufühlen. Hat da der eine den anderen überredet, dass man diesen Schritt zusammen geht?

Kohr: Nach meiner Ankunft in Mainz hat Danny da Costa mit mir gesprochen. Er kam kurz nach mir her und hörte sich davor an, wie die ersten Tage bei mir so waren. Da konnte ich ihm nur Positives berichten. Danach ging es relativ schnell. Da Costa und ich arbeiten auch mit derselben Berateragentur zusammen. Nach einem Gespräch mit mir hatten sie auch den Eindruck, dass ich mich in Mainz wohlfühle. Für uns beide ist es einfach wichtig, dass wir die nötige Spielpraxis bekommen. Nur so können wir uns weiterentwickeln.

SPORT1: Hätten Sie bei Ihrer Ankunft im Januar darauf gewettet, dass Sie schon am 26. Spieltag auf einen Nicht-Abstiegsplatz springen? (Service: Tabelle der Bundesliga)

Kohr: Ich bin mit dem Ziel nach Mainz gekommen, die Klasse zu halten. Ich freue mich, dass wir relativ früh in der Rückrunde die positive Trendwende geschafft haben. Aber wir haben noch viele Spiele. Wir müssen alles raushauen und die letzten Wochen positiv gestalten. Dann bin ich überzeugt davon, dass wir mit Mainz am Ende über dem Strich stehen werden.

SPORT1: Am kommenden Wochenende spielen Sie gegen Arminia Bielefeld. Was erwarten Sie für eine Begegnung?

Kohr: Es wird ein Kampfspiel gegen die Arminia geben. Bielefeld hat in der Hinrunde noch probiert, Fußball gegen uns zu spielen. Mit unserem aktuellen Stil, dem hohen Pressing, werden sie sich vielleicht schwerer tun. Wenn wir diese Partie positiv gestalten, dann ist das ein nächster Schritt in Richtung Klassenerhalt. Wir können am Samstag den Abstand auf die Arminia vergrößern. Das ist natürlich unser Ziel.

Viel Lob für Mainz-Coach Svensson

SPORT1: Mainz profitiert dabei auch von der Arbeit von dem neuen Trainer Bo Svensson. Was zeichnet ihn aus?

Kohr: Bo Svensson ist ein super Trainer. Es ist noch gar nicht so lange her, als er selber noch Spieler war. Svensson kann sich in die Köpfe der Spieler reindenken. Er gibt uns einen Plan mit auf den Weg. Aber wenn er feststellt, dass es bei einem nicht so funktioniert, dann stellt er um. Das klappt dann auch meistens. Der Trainer gibt uns zwar einen Plan A mit auf den Weg, aber man muss trotzdem im Spiel schnell reagieren. Ich bin froh, dass ich Svensson als Trainer habe und genieße die Zeit.

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SPORT1: Können Sie beschreiben, was für ein Typ Bo Svensson so ist?

Kohr: Bo Svensson spricht viel mit uns. Er weiß aber auch, wann er ernster sein muss. Wenn er spürt, dass uns ein paar Prozentpunkte fehlen, dann kitzelt er im Training alles raus. Aber Svensson weiß auch, wann der Punkt ist, dass man gemeinsam lachen und Spaß haben muss.

SPORT1: Trotz der momentan guten Lage: Der Endspurt hat es mit Partien gegen die Topteams wie Dortmund, Bayern, Wolfsburg oder auch Frankfurt natürlich noch in sich. Täte es Ihnen, wenn es so weit tatsächlich käme, nicht auch weh, wenn Mainz der Eintracht im Kampf um die Champions League ein Bein stellen würde?

Kohr: Ich kann nur für mich sagen, dass ich mich auf so ein Spiel freue. Ich spiele gerne gegen die alten Kollegen. Ich gehe nie mit dem Gefühl in so ein Spiel, dass ich sagen würde, dass ich nicht hundert Prozent gebe. Da, wo ich bin, gebe ich Vollgas und will helfen. So möchte ich auch in diese Partie gehen. Es wäre natürlich super, wenn wir bis dahin schon die Klasse gehalten haben. Aber es ist noch ein weiter Weg. Und mal sehen, wie sich die Eintracht bis dahin entwickelt.

Stand heute: Rückkehr nach Frankfurt im Sommer

SPORT1: Wie sehen Sie generell die Saison der Eintracht?

Kohr: Das ist eine Bestätigung der guten Leistung der Jungs bei der Eintracht. Sie haben in den letzten Wochen, aber auch davor schon, super Fußball gespielt. Die Mannschaft funktioniert auch dann gut, wenn ein oder zwei Spieler ausfallen. Das spricht für das Team. Ich drücke der Eintracht die Daumen, dass sie ihre Ziele erreichen.

SPORT1: Martin Schmidt sagte im SPORT1-Interview, dass er bei Klassenerhalt von einem Verbleib von Da Costa und Ihnen träumt. Kommen wir da ganz explizit zu Ihnen: Wie groß wäre die Lust darauf, auch im Sommer 2021 das Mainz-Trikot weiterhin zu tragen?

Kohr: Stand jetzt kann ich nur sagen, dass ich mich in Mainz sehr wohl fühle. Ich habe das Ziel, die Klasse zu halten. Dann kehre ich Stand heute nach Frankfurt zurück. Ich werde die Zeit in Mainz gut nutzen und mich persönlich weiterentwickeln.

SPORT1: Aber wäre die Lust auf einen endgültigen Mainz-Verbleib nicht groß?

Kohr: Wir werden sehen, was in Zukunft passiert. Ich freue mich, wenn der Verein mir so eine Wertschätzung entgegenbringt. Ich habe aber noch drei Jahre Vertrag in Frankfurt und habe dort nicht umsonst so lange unterschrieben.

Kohr traut sich bei fast allen Bundesliga-Klubs einen Stammplatz zu

SPORT1: In Mainz spielen Sie aber durchaus auch die Rolle als Sechser, während Eintracht-Trainer Adi immer sagte, dass Stefan Ilsanker der einzige richtige Sechser sei. Wie haben Sie das gesehen?

Kohr: Wenn ich das Vertrauen spüre und die Chance bekomme, dann kann ich meine Leistungen abrufen. Ich habe auch in Frankfurt bewiesen, dass ich gut spiele, wenn ich mehrere Chancen erhalte. In der Rückrunde der vergangenen Saison war ich Stammspieler und habe gute Leistung gebracht. Es ist aber schwierig, wenn man nach einem oder zwei schwächeren Spielen rausgenommen wird und dann mehrere Wochen gar nicht spielt. Deshalb bin ich froh, dass ich jetzt in Mainz bin und dort das Vertrauen von allen Seiten spüre. Wenn ich das Vertrauen erhalte, dann spiele ich schnell auf einem ganz anderen Niveau. In dieser Verfassung kann ich jedem Team helfen.

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SPORT1: Manchmal passt es ja im Binnenverhältnis – und damit ist gar nicht der menschliche Aspekt gemeint – nicht so richtig zusammen. Ist eine Rückkehr zur Eintracht unter Hütter für Sie überhaupt noch eine Option?

Kohr: Ich traue mir bei allen Klubs – vielleicht mit Ausnahme des FC Bayern oder Borussia Dortmund – einen Stammplatz zu. Diese Qualität habe ich auch und das habe ich in der Vergangenheit schon bewiesen. Trainer Adi Hütter kennt diese Qualität. Ich bin aber froh, dass ich mich in Mainz zeigen kann. Ich bin mir sicher, dass Adi Hütter das auch verfolgt.