Einsparungen von Geisterhand


Keinen Tag alt waren die Beschlüsse vom Dieselgipfel in Berlin, da gab es schon von allen Seiten Zweifel, dass sich mit ihnen Fahrverbote in Städten verhindern lassen. Ausgerechnet ein Software-Update an mehr als fünf Millionen Euro-5- und Euro-6-Fahrzeugen soll ausreichen, um die Stickoxidwerte zu senken. Insgesamt fahren rund 15 Millionen Dieselfahrzeuge auf deutschen Straßen. Das Stuttgarter Verwaltungsgericht hatte Software-Lösungen bereits in einem Urteil für unzureichend erklärt, um die Luftqualität in der Landeshauptstadt Baden-Württembergs wie gesetzlich vorgegeben ausreichend zu verbessern.

„Software-Updates bei Euro-5-Dieseln sind sogar kontraproduktiv: NOx-Reduktionen von bestenfalls 25 Prozent stehen erhebliche Verschlechterungen bei CO2– und Ruß-Emissionen, der Lebensdauer der Dieselpartikelfilter sowie den Abgasrückführungs-Komponenten sowie ein erhöhter Kraftstoffverbrauch gegenüber“, sagt Autoexperte Christian Elvers. Ohnehin steht die Frage im Raum: Schaffen es die Hersteller überhaupt, die Werte um die zugesagten 25 bis 30 Prozent zu senken?


Laut Bundesverkehrsministerium gelingt dies. Beim Gipfel präsentierte Minister Alexander Dobrindt (CSU) eine Übersicht mit Ergebnissen nachgerüsteter Fahrzeuge. Danach habe ein Opel eine Reduktion von rund 70 Prozent erreicht, im Durchschnitt seien es 40 Prozent bei den Herstellern gewesen.

Zahlen will niemand offiziell zeigen, auch das Kraftfahrt-Bundesamt reagierte auf mehrfache Nachfrage des Handelsblatts nicht. Als Zulassungsbehörde hat das Haus eine Übersicht, muss es doch Änderungen an Fahrzeugen genehmigen. Wie es in Branchenkreisen hieß, seien auch die bereits vielfach durchgeführten Umrüstungen bei VW, dem Auslöser des Dieselskandals, wichtig gewesen. Sie dienten als Referenzgröße, so dass sich am Ende alle auf den Wert von 25 bis 30 Prozent verständigt hätten. Beim Verband der Deutschen Automobilindustrie hieß es, der angebotene Wert basiere auf Herstellerangaben.

Ein Viertel weniger Stickoxidausstoß am Fahrzeug bedeutet aber nicht, dass sich die Luft um denselben Faktor bessert. Beim Prozess vor dem Stuttgarter Verwaltungsgericht räumte das Land Baden-Württemberg ein, dass an der Messstelle am Neckartor die Nachrüstung per Software-Update die Ergebnisse nur um neun Prozent verbessere. Der Grenzwert wird dort aber um das Doppelte überschritten. Entsprechend urteilte der Richter, dass mit der Nachrüstung der Software allein die Grenzwerte nicht eingehalten werden können. Also drohen ab 2018 weiterhin Fahrverbote.