Das Einreiseverbot der USA für Geschäftsleute und Touristen schadet der Wirtschaft — doch es gibt bereits Umwege-Routen

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Ein Städtetrip nach New York City ist wegen des Einreiseverbots im Moment nur schwer möglich.
Ein Städtetrip nach New York City ist wegen des Einreiseverbots im Moment nur schwer möglich.

Mehr als 500 Tage lang sind die Vereinigten Staaten von Amerika für europäische Geschäftsleute und Touristen schon geschlossen. Das Unverständnis vor allem aus der Wirtschaft wächst, zumal die Europäische Union schon seit Juni dieses Jahres umgekehrt geimpfte US-Bürger wieder einreisen lässt. Schaut man sich die Einreiseregeln für die USA näher an, gibt es aber ein paar Schlupflöcher. Zumindest wenn ihr nicht an einen Arbeitsort gebunden seid und ein bisschen Zeit mitbringt, könnt ihr in die USA einreisen – auch als Touristen.

Im Moment besagt die sogenannte "Presidential Proclamation": Nicht einreisen darf, wer sich innerhalb eines Zeitraums von 14 Tagen vor der Einreise in die USA in einem Land des Schengen-Raums aufgehalten hat. Der Schengen-Raum umfasst die EU-Mitgliedsstaaten und weitere Länder, also insgesamt:

Österreich, Belgien, T­schechische Republik, Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Ungarn, Island, Italien, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Norwegen, Polen, Portugal, Slowakei, Slowenien, Spanien, Schweden und die Schweiz.

Außerdem gelten die Einreisebeschränkungen für Bürgerinnen und Bürger mit vorherigen Aufenthalten in Großbritannien und Irland und – global betrachtet – Brasilien, China, Iran, Indien und Südafrika. Wer davon ungeachtet einreisen darf, sind US-Staatsbürger, deren enge Verwandte, Inhaber der „Greencard“, Diplomaten und Mitarbeiter internationaler Organisationen. Wer einreisen will, muss laut Auswärtigem Amt einen negativen PCR- oder Antigen-Test vorlegen, der nicht älter sein darf als drei Tage – auch wenn man geimpft ist.

Einige Länder stehen nicht auf der Liste der Einreiseverbote – zum Beispiel Kroatien und Dubai

Wer die Liste aufmerksam liest, stellt fest, dass es ein paar Länder gibt, die nicht vom Einreiseverbot der USA betroffen sind. Ein Nutzer schildert in einer privaten Facebook-Gruppe zum Beispiel, wie er vorgegangen ist, um in die USA einreisen zu dürfen. Er sei von seinem Wohnort Wien aus nach Kroatien geflogen und dort eine Woche lang geblieben. Dann habe er eine Woche in Dubai verbracht und sei von dort aus in die USA geflogen. Bei der Einreise habe er seinen Reisepass vorzeigen müssen und sei gefragt worden, woher er komme (also Dubai) und wie lange er zuvor dort gewesen sei. Obwohl er pflichtgemäß antwortete, sieben Tage lang dort gewesen zu sein, sei er nicht nach seinem Aufenthaltsort davor gefragt worden.

Denkbar wäre neben der Einreise über Kroatien etwa auch die Einreise über Rumänien und Bulgarien. Das Problem dabei: Von den dortigen Flughäfen gibt es kaum Direktflüge in die USA. Ihr müsstet also einen Zwischenstopp in einem anderen Land machen. Dieses Land darf aber kein Schengen-Land sein, denn sonst hättet ihr ja wieder einen Aufenthalt dort gehabt - und schon ein kurzer Transit zählt.

Deshalb ist der Facebook-Nutzer von Kroatien nach Dubai geflogen, denn aus Dubai heraus gibt es kein Einreiseverbot in die USA. Der Flughafen Dubai ist das nächstgelegene Drehkreuz der Airline "Emirates", die täglich viele Ziele in den USA anfliegt. Wichtig ist bei eurer Planung auch, dass ihr erst frühestens am 15. Tag nach Aufenthalt in einem erlaubten Land in die USA einreist. Zur Sicherheit könnt ihr bei der Einreise in das Land, das ihr für euren zweiwöchigen Aufenthalt wählt, nach einem Stempel für den Reisepass fragen. Auch die Buchungsbestätigung von Unterkünften können als Beweis dienen.

Ihr solltet allerdings für eure Rückreise beachten, dass aus deutscher Sicht die USA inzwischen wieder als Hochrisikogebiet gelten. Damit seid ihr nach eurer Einreise in Deutschland verpflichtet, einen negativen Test vorzulegen und euch zehn Tage lang häuslich zu isolieren, falls ihr noch nicht geimpft seid. Nach fünf Tagen könnt ihr euch aber aus der Quarantäne heraus testen. Außerdem müsst ihr vor eurer Einreise die digitale Einreiseanmeldung ausfüllen.

https://twitter.com/ASzigetvari/status/1425127740181815296

Politik und Wirtschaft fordern Öffnung der USA für geimpfte Europäer

Vertreter aus Politik und Wirtschaft kritisieren seit Monaten das harte Vorgehen der US-Regierung um Präsident Joe Biden. CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen schrieb im Kurznachrichtendienst Twitter, das Vorgehen schade der transatlantischen Freundschaft, die auf gesellschaftlichen Kontakten beruhe und der Wirtschaft auf beiden Seiten. Er forderte, Reisen in die USA wieder zu ermöglichen.

Schon vor zwei Wochen sagte die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, die Öffnung für geimpfte Europäer dürfe sich "nicht noch wochenlang ziehen". Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) machte in der "Wirtschaftswoche" deutlich: "Unter den Beschränkungen leiden nicht nur die vielen in den USA aktiven deutschen Unternehmen mit ihren Arbeitnehmern, sondern auch alle im Produktionsverbund beteiligten Akteure, wie Lieferanten, Partner und Kunden, vor Ort."

Der Berliner Erlebnisanbieter Getyourguide zum Beispiel hat ein Büro in den USA. "Dort nun schon seit so langer Zeit aufgrund der Pandemie und entsprechenden Restriktionen nicht einreisen zu können, um die Kollegen persönlich zu treffen, ist belastend. Und es macht die Teamführung deutlich komplizierter", sagte Firmengründer Tao Tao im Gespräch mit Gründerszene. Auch für die großen deutschen Airlines sind die Flüge über den Atlantik traditionell einer der umsatzstärksten Verkehre – umso schmerzhafter ist jeder Tag, an dem die Flugzeuge nur halb voll in Richtung Nordamerika starten.

Einen ganz anderen politischen Kurs fährt Kanada. Mitte Juli hat die kanadische Regierung bekannt gegeben, Touristen und Geschäftsleute ab Dienstag, den 7. September wieder zu empfangen. Voraussetzung ist eine vollständige Impfung mit den Impfstoffen Biontech, Moderna, Astra Zeneca oder Johnson & Johnson. Nach der Einreise sind weder Test noch Quarantäne vonnöten. Da Kanada im Moment aus deutscher Sicht nicht als Risikogebiet gilt, müsst ihr auch bei der Rückreise nach Deutschland weder einen negativen Test vorlegen noch in Quarantäne gehen.

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