Einkaufsmeilen: Brötchentasten für die Veedel

Auf dem Rückweg von der Arbeit oder aus der Stadt mal schnell rechts ranfahren und ein Rezept in der Apotheke einlösen, Wäsche aus der Reinigung abholen oder ein paar Dinge fürs Abendessen besorgen - das ist an der Neusser Straße bisher mit Kosten verbunden. Denn zuvor gilt es, ein Parkticket zu lösen oder aber es - ob aus Münzgeld-Mangel, Bequemlichkeit oder Zocker-Mentalität - auf ein Knöllchen ankommen zu lassen.

Um den örtlichen Handel zu fördern und vor allem älteren, eingeschränkt mobilen Mitbürgern entgegenzukommen, ist daher die "Brötchentaste" an Parkautomaten - die bis zu 15 Minuten Gratis-Kurzparken ermöglicht - seit vielen Jahren eine Forderung der Nippeser Politik; bereits 2011 beschloss die Bezirksvertretung einen Antrag, ein solches System einzuführen. Bisher hatte die Stadt das Ansinnen mit Verweis auf die knappe Haushaltslage immer abgelehnt. 2015 jedoch vereinbarte das damals neu gebildete schwarz-grüne Ratsbündnis, den Bezirken mit Ausnahme der Innenstadt freie Hand bei der Einrichtung des Modells zu geben. Auf seiner heutigen Sitzung kann der Verkehrsausschuss den Rahmenbeschluss für die "Brötchentaste" in den Stadtbezirken fassen. Stimmt er zu, können die Bezirksvertretungen sie in ihren jeweiligen Veedeln endgültig perfekt machen. In Nippes wäre es zur kommenden Sitzung am 21. September soweit.

In Anlehnung an den Bezirks-Beschluss von 2011 schlägt die Verwaltung als künftige Nippeser Einkaufsmeilen mit "Brötchentaste" die Neusser Straße und Niehler Straße vor. Auch in Longerich könnte sie zum Einsatz kommen - an der Grethenstraße und Longericher Hauptstraße im alten Ortskern, sowie der August-Haas-Straße und Altonaer Straße in der Gartenstadt-Nord.

Unter den Fraktionen zeichnet sich schon jetzt eine klare Mehrheit ab. "Wir sind immer für die Brötchentaste eingetreten, uns war es dabei besonders wichtig, dass sie auch in Longerich eingeführt wird", so SPD-Fraktionschef Horst Baumann. "Gerade in Alt-Longerich klagen Händler über Umsatzeinbußen. Zudem haben wir hier viele alte Leute, die auf ihr Auto angewiesen sind und nicht ohne weiteres mit dem Rad fahren oder zu Fuß gehen können." Jene hätten bisher selbst für kürzeste Einkäufe Gebühren bezahlen müssen. Auch die CDU, die 2011 den Antrag eingebracht hatte, ist guter Dinge. "Die Bezirksvertretung hatte sich schon 2016 einstimmig dazu positioniert", erinnerte Fraktionschef Christoph Schmitz. "Damals hatten wir sämtliche Haupteinkaufszentren im Bezirk für die Brötchentaste definiert; nun hoffen wir, dass sie endlich kommt." Es wundere ihn lediglich, dass es bis dahin so lange gedauert habe.

Auch der Verein "Für Nippes" würde die Neuregelung begrüßen. "Ich persönlich finde die Idee gut. Man kann einfach schnell mal irgendwo hereinspringen, ohne für ein paar Minuten etwas zahlen zu müssen", findet der Vorsitzende Robert Nußholz. "Es könnte auch ein Ansporn für die Leute sein, tatsächlich rechtzeitig zum Auto zurückzukommen" - denn die Ausrede, man sei ja "nur mal kurz" im Laden gewesen, ziehe nicht mehr, wenn es ein Gratis-Ticket gebe.

Für die Einführung des Umsonst-Parkens auf einer Einkaufsmeile hat das Amt für Straßen und Verkehrstechnik einige Bedingungen formuliert: Erstens muss der Anteil der Läden, die Dinge des "täglichen und kurzfristigen Bedarfs" anbieten - etwa Lebensmittel, Blumen, Schreib- und Tabakwaren sowie Apotheken - bei mindestens 30 Prozent liegen. Zudem kommen nur Stellplätze in Frage, auf denen es kein Bewohner-Parken gibt - jene Parkzonen sind am roten Punkt auf den Parkscheinautomaten erkennbar. Drittens müssen die in Frage kommenden Parkplätze direkt vor Geschäften liegen, maximal durch einen Grünstreifen vom Gehweg entfernt.

Die "Brötchentaste" würde sich die Stadt übrigens auch etwas kosten lassen: Mit 235 Euro pro Automat schlägt die Umrüstung zu Buche. In ganz Köln soll das System laut einer Hochrechnung zudem zu Mindereinnahmen bei Parkgebühren von 100 000 Euro pro Jahr führen; auf knapp 20 000 Euro taxiert die Stadt die Einbußen allein im Bezirk Nippes.

Was halten Sie von der Einführung der Brötchentaste?

Ich kenne das Prinzip aus Bergisch Gladbach und fände das in Nippes an der Neusser Straße sehr gut. So ist steht man nicht so unter Druck - und ich könnte in den 15 Minuten beispielsweise gut meine Hemden in der Reinigung abholen.

Francesco Assunto

Ich fände es sehr gut, wenn ich in der Viertelstunde kurz an der Neusser Straße in den Drogeriemarkt gehen und kleine Dinge kurz umtauschen könnte. Und man müsste nicht erst mühsam Kleingeld oder den Park-Automaten suchen.

Cathrin Vogel

Kostenlos 15 Minuten lang parken zu können, wäre sehr wünschenswert. Da kann ich schnell Croissants holen gehen. Gerade im Raum um die Haltestelle Florastraße halten viele nur kurz für Brötchen und den Bio- oder Supermarkt an.

Ulrich Noller

Ich finde die Brötchentaste gut. So gibt man den Kunden die Gelegenheit, in Nippes mal ein bisschen einkaufen zu gehen. Das kann nur zum Vorteil von uns Geschäftsleuten sein - und es wäre ein zusätzlicher Service. (lod, jju)

Antonio Esposito...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta