Einigung zwischen ThyssenKrupp und IG Metall im Ringen um Stahlsparten-Fusion

Im Ringen um die Stahl-Fusion von ThyssenKrupp und Tata haben sich der Konzern und IG Metall auf eine Job- und Standortgarantie geeinigt. Wenn die Zusammenlegung klappt, sind betriebsbedingte Kündigungen und Werksschließungen bis 2026 ausgeschlossen

Im Ringen um die Stahl-Fusion von ThyssenKrupp und Tata haben sich Konzernleitung und IG Metall auf eine langfristige Arbeitsplatz- und Standortgarantie geeinigt. Sofern die Zusammenlegung gelingt, sind betriebsbedingte Kündigungen und Werksschließungen bis Herbst 2026 ausgeschlossen, wie die Gewerkschaft und ThyssenKrupp am Freitag erklärten.

ThyssenKrupp will seine europäischen Stahlsparte mit der des Konkurrenten Tata Steel verschmelzen und so den zweitgrößten europäischen Stahlproduzenten nach ArcelorMittal schmieden. Die Gewerkschaft und die Beschäftigten stehen der Fusion in einem Joint Venture kritisch gegenüber. Dadurch fallen 4000 Jobs weg, die Hälfte davon bei ThyssenKrupp. Die Arbeitnehmer befürchteten, dass dies lediglich ein Anfang sein könnte.

Diese Sorge soll der jetzt geschlossene Tarifvertrag nehmen. ThyssenKrupp und IG Metall zufolge wird die Vereinbarung ab dem für Ende 2018 erwarteten Vollzug der Fusion greifen und dann bis Ende September 2026 gelten, also für einen Zeitraum von acht Jahren. In dieser Zeit sind an ThyssenKrupp-Stahlstandorten betriebsbedingte Kündigungen und Werksschließungen verboten.

Die IG Metall hatte ursprünglich eine Jobgarantie für zehn Jahre angestrebt und dieses Ziel auch mit Protestaktionen unterstrichen. Mit der Einigung zeigte sie sich am Freitag trotzdem zufrieden. "Es ist ein außergewöhnliches Verhandlungsergebnis", erklärte Detlef Wenzel, der für die Gewerkschaft auch im Aufsichtsrat des ThyssenKrupp-Konzerns sitzt.

Thyssen-Krupp-Personalvorstand Oliver Burkhard nannte das Ergebnis einen "guten Abschluss" nach einem "schwierigen Verhandlungsprozess". Beide Seiten würden profitieren. Die Arbeitnehmer erhielten Sicherheit, das Unternehmen könne sich nun gemeinsam mit den Angestellten an die Ausgestaltung des Joint Ventures machen. Die Einigung schaffe eine "Balance".

ThyssenKrupp sichert in dem Tarifvertrag nach eigenen Angaben zudem auch weiterhin jährliche Investionen von mindestens 400 Millionen Euro in seine Stahlstandorte zu, die ab 2018 in das Joint Venture eingebracht werden sollen. Burkhard sprach von einem "klaren und starken Bekenntnis" zum Stahlgeschäft. Der Konzern glaube an den Erfolg des neuen Gemeinschaftsprojekts.

Er betonte zugleich, dass der bereits angekündigte Abbau von bis zu 2000 Jobs bei der Fusion sozialverträglich erfolgen werde - etwa dadurch, dass altersbedingt freiwerdende Stellen nicht neu besetzt werden. "Es gibt keine betriebsbedingten Kündigungen." In der Stahlsparte von ThyssenKrupp arbeiten 28.000 Menschen, mehr als 25.000 davon in Nordrhein-Westfalen.

Die IG Metall bekräftigte trotz Einigung auf den Tarifvertrag ihre generelle Ablehnung der Fusionspläne. Es sei ihr darum gegangen, "Schutz für die Menschen zu organisieren, erklärte Bezirksleiter Knut Giesler. "Ob diese Fusion wirtschaftlich überhaupt funktioniert, muss weiter geprüft werden."

Die abschließende Entscheidung über die Zusammenlegung haben beide Unternehmen noch nicht getroffen, einige Überprüfungen laufen noch. Anschließend müssen zudem noch die Kartell- und Aufsichtsbehörden den Schritt billigen. ThyssenKrupp garantiert nach eigenen Angaben, seine Beteiligung mindestens sechs Jahre zu halten.

Die Annahme des Tarifvertrags für das geplante Joint Venture hängt noch an der Zustimmung der IG-Metall-Mitglieder. Sie sollen im Januar darüber abstimmen. Die Tarifkommission der Gewerkschaft empfahl bereits die Zustimmung. Die ersten Reaktionen auf die Einigung seien zudem positiv.

Die Garantie erfasst alle etwa 20 Unternehmensstandorte der Stahlsparte von ThyssenKrupp. Es gelten nur drei kleinere Ausnahmen für einzelne Abteilungen an den Standorten Bochum, Eichen und Hüttenheim. Diese Betriebsteile sollen Ende 2020 zunächst einer Wirtschaftlichtkeitsprüfung unterzogen werden.