Monatelanger Tarifstreit bei der Postbank mit Einigung auf Tarifvertrag beendet

Kündigungsschutz und Gehaltserhöhung

Der monatelange Tarifkonflikt bei der Postbank samt zahlreicher Warnstreiks ist beendet: Die Geschäftsführung und die Gewerkschaft Verdi einigten sich auf einen Kündigungsschutz bis Mitte 2021 sowie 4,9 Prozent mehr Lohn, wie beide Seiten am Donnerstag mitteilten. Für die geplante Integration von Postbank und Deutscher Bank wurde ein "umfangreiches Schutzpaket" vereinbart. Die Zusammenführung soll im Sommer 2018 unter Dach und Fach sein.

Der nun erzielte Tarifvertrag betrifft rund 18.000 Beschäftigte bei Postbank und Tochterfirmen und enthält einen Kündigungsschutz bis zum 30. Juni 2021. Außerdem sollen die Gehälter in drei Schritten um insgesamt 4,9 Prozent angehoben werden - rückwirkend ab April sowie erneut Anfang 2018 und Anfang 2019. Die Ausbildungsvergütung erhöht sich ebenfalls. Die Laufzeit der Vereinbarung beträgt 28 Monate.

In den vergangenen Monaten hatten die Beschäftigten bei der Postbank bundesweit immer wieder mit Protestaktionen Druck gemacht, einige Filialen mussten ganze Tage geschlossen bleiben. Die "hohe Streikbereitschaft" habe sich letztlich bei den Verhandlungen ausgezahlt, erklärte Verdi.

Die Postbank wird derzeit mit der Deutschen Bank zusammengelegt. Die gemeinsame Rechtseinheit soll bis Sommer 2018 stehen. Es soll eine gemeinsame Zentrale geben, beide Marken sollen aber bleiben.

Die Deutsche Bank rechnet durch die Integration mit deutlichen Einsparungen: Bis 2022 sollen sie jährlich 900 Millionen Euro betragen. Zunächst allerdings fallen für Umbau und Investitionen Kosten von 1,9 Milliarden Euro an.

Verdi hatte vor dem Hintergrund der Zusammenlegung eigentlich einen Kündigungsschutz bis Ende 2022 gefordert, zudem eine Gehaltserhöhung um fünf Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Verdi-Verhandlungsführer Jan Duschek lobte nun dennoch den "langfristigen Kündigungsschutz", der vereinbart wurde. "Das gibt den Beschäftigten Sicherheit."

Für alle Beschäftigten der Postbank und des Privat- und Geschäftskundenbereichs der Deutschen Bank gelte ein "umfangreiches Schutzpaket", erklärte Verdi. So werde die Integration "sozialverträglich" gestaltet.

Der Personalvorstand der Postbank, Philip Laucks, erklärte, das Unternehmen sei mit der Tarifeinigung "bis an die Grenzen des wirtschaftlich Vertretbaren gegangen". Mit dem Abschluss sei aber "eine gute Balance zwischen wirtschaftlichen und sozialen Interessen" gelungen.

Die Deutsche Bank verdoppelte unterdessen ihren Gewinn im dritten Quartal. Unter dem Strich stand ein Plus von 649 Millionen Euro, im Vorjahreszeitraum waren es 278 Millionen Euro. Grund für das gute Ergebnis waren dem Unternehmen zufolge geringere Kosten für die Restrukturierung der Bank und für Rechtsstreitigkeiten. Die Zahl der Mitarbeiter reduzierte das Unternehmen binnen eines Jahres um 4000.

Bank-Chef John Cryan erklärte, die Bank sei bei "wichtigen Initiativen deutlich vorangekommen" und nannte die geplante Fusion von Postbank und Deutscher Bank sowie die Vorbereitung des Börsengangs der Vermögensverwaltung Deutsche Asset Management. Deutsche Bank und Postbank zusammen haben zusammen mehr als 20 Millionen Kunden, rund 30.000 Mitarbeiter und mehr als 1500 Filialen.