Einige Analysten sehen Italien-Bondrendite auf 0% sinken

James Hirai

(Bloomberg) -- Das Schicksal der italienischen Staatsanleihen hat sich in diesem Jahr gewandelt. Die zehnjährige Benchmark-Anleihe des Landes ist so gesucht, dass die Rendite auf den größten jährlichen Rückgang seit 2014 zusteuert. Einige Analysten sehen sie 2020 sogar auf 0% sinken.

Vor zwölf Monaten hinkten Italien-Bonds ihren europäischen Pendants noch hinterher. Die populistische Regierung in Rom verschreckte Anleger mit Plänen, das Haushaltsdefizit kräftig auszuweiten.

Inzwischen ist eine neue Koalitionsregierung im Amt, vorgezogene Wahlen im September wurden vermieden. Und mit der Wiederaufnahme der Stimuli durch die Europäische Zentralbank ist ein wichtiger Käufer der Papiere wieder zurück.

Nach Einschätzung des New Yorker Vermögensverwalters PineBridge Investments zeigt die Aussicht auf eine Nullrendite bei BTPs nicht, wie schlecht es um den Euroraum steht. Vielmehr könnte diese eher als „das nächste Stimulus-Instrument der EZB“ gesehen werden, sagt PineBridge-Chefökonom Markus Schomer.

“Der Sinn von mehr QE besteht darin, den Zinseffekt auf die Haushalte der Mitgliedstaaten anzugleichen”, führt Schomer aus. „Wenn Deutschland weniger Zinsen für seine Schulden zahlt, dürfte dies das Kreditrisiko schon korrekt widerspiegeln. Aber Italien braucht mehr Hilfe, um eine Rezession abzuwehren, und hat weniger Spielraum in der Fiskalpolitik. Deshalb wäre es sinnvoll, wenn alle Euroraum-Mitglieder die gleichen niedrigen Zinsen wie Deutschland hätten.“

Spekulationen auf eine Italien-Bond-Rendite von null Prozent sind zwar weit vom Konsens entfernt. Optimistisch in Bezug auf 2020 sind die Strategen aber generell zu den Bonds, deren Rendite beim Benchmark-Papier noch deutlich über 1% liegt. Während die Renditen deutscher und französischer Bundesanleihen negativ sind, ist bei den Italien-Bonds laut Lyn Graham-Taylor von der Rabobank “mehr drin”. Die noch positive Rendite mache die Anleihen attraktiv für Investoren, die auf positive Verzinsung aus sind, so der Zinsstratege.

Die Attraktivität italienischer Anleihen ist auch auf die zurückhaltendere Fiskalpolitik der umgebildeten Koalition zurückzuführen. Conte geht davon aus, dass sein Haushalt bis Ende des Jahres verabschiedet sein wird. Damit würde eine interne Krise und ein fiskalpolitischer Streit mit der Europäischen Union vermieden.

Von entscheidender Bedeutung wird die Fähigkeit von Ministerpräsident Giuseppe Conte sein, die Regierung zusammenzuhalten. In den vergangenen Wochen nahmen die Auseinandersetzungen zwischen den Regierungspartnern zu. Sollte nach einem Bruch der italienischen Regierung eine Parlamentswahl notwendig werden, so deuten Umfragen auf einen klaren Sieg der rivalisierenden populistischen, von Matteo Salvini angeführten Lega hin.

Vorerst sehen die Anleger Contes Chancen weiter positiv. Und im November ist das Stimulus-Programm der EZB wieder angelaufen. Angesichts monatlicher Bondkäufen von 20 Milliarden Euro dürfte es die Nachfrage nach italienischen Anleihen in Schwung halten.

Überschrift des Artikels im Original:Laggard-to-Braggart for Italy’s Bonds Enables Talk of 0% Yield

--Mit Hilfe von William Shaw, Joanna Ossinger und John Ainger.

Kontakt Reporter: James Hirai in London jhirai3@bloomberg.net

Kontakt verantwortlicher Editor: Dana El Baltaji delbaltaji@bloomberg.net, Michael Hunter, Neil Chatterjee

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