Eine ganze Ausstellung für einen El Greco

Die «Unbefleckte Empfängnis» des spanischen Malers El Greco im Kunstmuseum Paul Valery in der südfranzösischen Hafenstadt Sète. Foto: Sabine Glaubitz

Bled. Dabei setzt die Kunsthistorikern auf das Werk El Grecos, das als sein ästhetisches Testament betrachtet wird. Es stellt eine Synthese seiner künstlerischen Entwicklung dar. Das Ölgemälde zeigt die künftige Muttergottes, die dem Heiligen Geist in Gestalt einer Taube entgegenfährt. Sie wird von Engeln mit schwarzen Flügeln umtanzt.

Die Figuren sind überlang, knalliges Blau, grelles Rot und kräftiges Gelb tauchen aus dem dunklen Bildraum hervor. El Greco hat mit seinem besonderen Verhältnis zu Farbe und Bewegung einen ganz eigenen Malstil geschaffen, der seine Zeit und seine Nachwelt befremdet hat.

«Ein Meisterwerk – eine Ausstellung: El Greco» heißt die Sommerausstellung. Bislang lockte das Museum mit umfassenden Werkschauen wie «Joan Miró», «Max Ernst und Yves Tanguy». Dieses Jahr wagt die Direktorin ein neues Konzept. Sie habe in den vergangenen Jahren festgestellt, dass die Besucher schnell an den Werken vorbei gehen, sie fotografieren und dann wieder das Museum verlassen. «Ich will den Besuchern Zeit für eine frontale und eingehende Konfrontation geben», erklärte Vallès-Bled.

Vor dem Monumentalbild ließ sie Sofas und Sessel aufstellen, in denen der Besucher das Meisterwerk des Hauptvertreters des Manierismus eingehend betrachten kann. In den Ausstellungssälen drum herum sind Filme zu sehen. Sie erklären das Leben des Malers griechischer Herkunft, der 1541 auf Kreta geboren wurde und 1614 in Toledo starb, die Entstehungsgeschichte des Werkes und den Einfluss seiner Malerei auf Künstler des 20. Jahrhunderts, die in ihm die Vaterfigur der Moderne entdeckten.

«Die Unbefleckte Empfängnis» hat in den vergangenen 400 Jahren nur zweimal Spanien verlassen, um in New York und Deutschland in der Berliner Gemäldegalerie gezeigt zu werden. In Sète ist das Gemälde, das El Greco zwischen 1607/8 und 1613 gemalt hat, nun erstmals auch in Frankreich zu sehen. El Greco hat es für den Hauptaltar der Kapelle Oballe der Kirche San Vicente im spanischen Toledo entworfen. Heute hängt es in Toledo im Museum Santa Cruz.

Das neue Ausstellungskonzept ist ein Wagnis, das Vallès-Bled ganz bewusst mit El Greco startet. Der Maler sei seinen Zeitgenossen stilistisch um 300 Jahre voraus gewesen, erklärte sie. Dabei zitiert sie Paul Cézanne, der El Grecos «Dame mit dem Hermelin» nachgeahmt hat, oder Pablo Picasso und seine «Demoiselles d’Avignon». Die Modernität von El Greco sei faszinierend, seine Person und sein Werk seien komplex.

In welchem Rhythmus sie das neue Konzept anwenden will, weiß sie noch nicht. Das hänge davon ob, wie das Publikum in den nächsten Wochen bis zum 1. Oktober darauf reagieren werde, das mit 9,50 Euro den gewohnten Eintrittspreis zahlen muss. Frankreichs Presse zumindest hat positiv reagiert. 

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