Vom Touristen zum Terroristen? Das steckte hinter dem "IS-Selfie" aus New York

Vor diesem Gebäude wurde das Selfie geschossen. Das Metropolitan Museum of Art zieht jährlich Millionen Besucher aus aller Welt an. (Bild: AP Photo)

Ein italienischer Tourist fotografierte sich vor dem Metropolitan Museum of Art (Met) in New York. Im Netz tauchte das Selfie später mit einem Logo des sogenannten Islamischen Staates (IS) auf. Die Ermittlungen des FBI führten bis nach Sardinien.

Ein Urlaub über die Weihnachtsfeiertage in New York hatte für einen Italiener unerwartete Folgen: Nach der Rückkehr in seine Heimat Sardinien klopfte plötzlich das FBI an seine Türe. Der Grund: Ein von dem Mann geschossenes Selfie hatte sich im Internet verbreitet. Auf diesem ist der Mann mit Kapuze und einem schwarzem Schal vor dem Mund zu sehen, im Hintergrund das berühmte Metropolitan Museum of Art. Auf dem Schal prangt gut sichtbar das Logo der Terrormiliz IS – die, wie sich herausstellte, das Bild entsprechend manipuliert und in Umlauf gebracht hatte. Das Foto erregte in den Medien einiges Aufsehen und weckte Befürchtungen vor einem weiteren Anschlag in New York.


Denn nach dem kurz zuvor vereitelten Anschlag auf die U-Bahn-Station Port Authority im Dezember 2017 waren die amerikanischen Behörden in Alarmbereitschaft. Dementsprechend ernst nahmen sie das Bild, obwohl sie die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um eine Fälschung handelt, mit 80 Prozent als relativ hoch einstuften. Die übrigen 20 Prozent waren immer noch Grund genug für weitere Ermittlungen, denn die Möglichkeit eines Anschlags auf das vielbesuchte Museum musste unbedingt ausgeschlossen werden.

Mitarbeiter des FBI ermittelten den genauen Ort, an dem das Selfie geschossen wurde, und werteten die umliegenden Überwachungskameras aus. Über die Kreditkarte, mit der er den Eintritt ins Museum bezahlte, konnte der Mann dann identifiziert werden. In Zusammenarbeit mit den italienischen Behörden weitete das FBI daraufhin die Ermittlungen nach Sardinien aus, und stattete dem Gesuchten kurzerhand einen Besuch ab.

Der Mann zeigte sich schockiert, als er mit dem manipulierten Foto konfrontiert wurde, konnte aber belegen, dass es sich bei ihm um keinen Dschihadisten handelt. Auch den abgebildeten Schal konnte er vorzeigen – ohne ein IS-Logo darauf.

Der IS manipuliert regelmäßig Fotos, um mit ihnen Panik zu verbreiten. Der Umstand, dass dafür nun auch schon harmlose Touristen herhalten müssten, zeige die zunehmende Verzweiflung der Terrororganisation, kommentiert C. Bryan Paarmann, Chef der Joint Terrorism Task Force, den skurrilen Fall.