Ein Jahr Präsident Macron: Frankreich im Laufschritt

Es ist der Moment des Triumphs für einen, der lange als Außenseiter galt. Emmanuel Macron - Frankreichs jüngster Präsident aller Zeiten. Vor einem Jahr feiert er auf dem Innenhof des Louvre seinen spektakulären Wahlsieg, in Begleitung zehntausender Anhängern. Eine folgenreiche Wahlnacht für Frankreich und Europa.

"Unsere Aufgabe ist immens“, sagte Macron damals. "Und sie erfordert, dass wir ab morgen eine richtige, eine starke Mehrheit bilden. Unser Land strebt nach einer Mehrheit für den Wandel - und das verdient unser Land."

Der Wunsch nach einem echten Wandel - es ist wohl genau das, was Emmanuel Macron damals an die Macht bringt. Macron, ein ehemaliger Banker, bei seiner Wahl 39 Jahre alt. Angetreten ist er ohne Partei.

"Das Hauptthema der französischen Wahlen war das Verhältnis der Franzosen zu ihren politischen Anführern“, erklärt Macron-Biograph Adam Plowright. "In jeder Phase der Wahl kam durch, dass sie neue Gesichter und neue Ideen wollten. Emmanuel Macron war zur richtigen Zeit am richtigen Ort."

Und als Präsident liefert Macron. Von Tag eins an macht er sich an einen tiefgreifenden Umbau in Frankreich. " Ein Land im Laufschritt " - kaum eine Woche vergeht ohne neue Reformetappe.

"Er will alles sehr schnell machen. Er ist an die Macht gekommen und hat sofort verkündet, was er tun würde, und zwar an mehreren Fronten gleichzeitig“, sagt Plowright. "Macron drängt so, weil er erkennt, dass er in dieser frühen Phase seines Mandats ein Fenster hat, um Reformen anzustoßen. Hoffentlich zeigen sich dann die Ergebnisse am Ende seiner Amtszeit."

Doch bei Weitem nicht alle sind von Macrons Reformkurs begeistert. Ein Jahr nach der Wahlnacht hat sich reichlich Widerstand formiert: Streiks legen ganze Wirtschaftsbereiche lahm . Unzählige gehen gegen die Arbeitsmarktreformen auf die Straße. Eine gerechte Politik macht Macron nur aus Sicht etwa eines Drittels der Franzosen.

"Während es Präsident Emmanuel Macron zu Hause schwierig hat, scheint er international auf dem richtigen Weg zu sein, um Frankreich wieder auf die internationale Bühne zu bringen“, so Euronews-Korrespondentin Anelise Borges. "Brexit, Syrien, der Iran-Atom-Deal oder sogar der Krieg im Jemen - ss scheint kein heißes Thema zu geben vor dem der französische Präsident zurückschreckt. Er fühlt sich wohl dabei, Frankreichs Ideen zu präsentieren, und freut sich darüber, als der neue Führer der freien Welt wahrgenommen zu werden."