„Ein bisschen fettleibig, ein bisschen arm“: ProSiebenSat.1-Chef verhöhnt Zuschauer

Thomas Ebeling ist seit 2009 CEO des Medienkonzerns ProSiebenSat.1. (Bild: AP Photo)

In einer Telefonkonferenz mit Analysten äußerte sich ProSiebenSat.1-Vorstandschef Thomas Ebeling abfällig über seine eigene Kernzielgruppe.

Die Luft wird dünn für ProSiebenSat.1-Vorstandschef Thomas Ebeling: Nachdem der Medienkonzern in der vergangenen Woche seine Umsatz- und Gewinnprognosen erneut nach unten korrigieren musste, ließ sich der 58-Jährige in einer Telefonkonferenz zu einem waghalsigen Statement hinreißen.

In der Unterhaltung mit Analysten und Börsenexperten, die wie üblich dokumentiert wurde, kam demnach das Gespräch auf die große Konkurrenz des Free-TVs durch Streamingportale wie Netflix. Dem Medienmagazin „DWDL.de“ zufolge, dem das Transkript des Gesprächs vorliegt, ging Ebeling angesichts dieses Themas in die Defensive.

„All die Hollywood-Blockbuster gibt es auf unseren Sendern und nicht jeder Netflix-Film ist ein Homerun. Und sehr oft sind deren Inhalte sehr, sehr Arthouse-like“, heißt es aus dem Englischen übersetzt in der Mitschrift. „Es gibt Menschen, ein bisschen fettleibig und ein bisschen arm, die immer noch gerne auf dem Sofa sitzen, sich zurücklehnen und gerne unterhalten werden wollen. Das ist eine Kernzielgruppe, die sich nicht ändert.“

Auf Anfrage von „DWDL.de“ versuchte die Pressestelle von ProSiebenSat.1, den Schaden zu begrenzen und die Aussage des Vorstandsvorsitzenden zu relativieren. Es habe sich um eine „zugespitzte Aussage im Zusammenhang mit einer provokanten Frage durch einen französischen Analysten“ gehandelt, erklärte ein Pressesprecher. „Es ging bei der Bemerkung darum, die gerne von Analysten verwendeten Stereotypen eines TV-Zuschauers in englischer Sprache zu reflektieren. Wenn man die Bemerkung aus dem Kontext zieht und wortwörtlich übersetzt, kann dies womöglich missverstanden werden.“

Auch Ebeling selbst sah sich kurz darauf gezwungen, ein eigenes Statement zu veröffentlichen: „Bei meiner Aussage handelte es sich natürlich um eine plakative Zuspitzung zur Illustration unterschiedlicher Mediennutzungsweisen. Mitnichten wollte ich unsere TV-Zuschauer diskreditieren. Aus dem Zusammenhang der Diskussion gerissen, ist diese Äußerung leider falsch verstanden worden, was ich sehr bedauere“, heißt es darin.“ Das Medienportal „DWDL.de“ hingegen beteuerte, den Zusammenhang der Diskussion „ausführlich und korrekt“ wiedergegeben zu haben.

Die umstrittene Aussage kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt für die Sendergruppe: Wie in den jüngst veröffentlichten Quartalszahlen deutlich wurde, lief das Geschäft mit der TV-Werbung in diesem Jahr schlecht. Auch die Quotenentwicklung ließ trotz US-Einkäufen wie „Empire“ oder „This Is Us“ zu wünschen übrig und der hauseigene Streamingdienst Maxdome blieb hinter den Erwartungen zurück.

Ebeling selbst wird höchstens noch bis 2019 an der Spitze von ProSiebenSat.1 bleiben: Bereits im vergangenen Jahr hatte er angekündigt, nach zehnjähriger Amtszeit als CEO zurücktreten zu wollen. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, läuft bereits jetzt die Suche nach einem Nachfolger, der eventuell bereits zur Jahreshauptversammlung im Mai 2018 das Ruder übernehmen soll.