Das Eigentor des CDU-Generalsekretärs

Aus dem Tweet von Peter Tauber zu Minijobbern mag Arroganz sprechen. Der Kommentar und die folgende Empörung zeigen aber auch, dass viele gar nicht wissen, wer solche Jobs macht.


Das nennt man Eigentor, was CDU-Generalsekretär Peter Tauber in der Nacht geschossen hat. Tauber antwortete im Kurznachrichtendienst Twitter auf den Kommentar eines anonymen Nutzers @Golo677. Dieser fragte, ob er nun drei Minijobs annehmen müsse, damit er zum  Ziel der Union passe, bis 2025 Vollbeschäftigung zu erreichen. Der CDU-Mann gab auf diesen Tweet, der vielleicht sogar ironisch auf „volle Beschäftigung“ eines Einzelnen zielte, wenig diplomatisch zurück: „Wenn Sie was Ordentliches gelernt haben, dann brauchen Sie keine drei Minijobs.“

Das reichte für einen Shitstorm, einen Empörungssturm im Netz, der heute nun über Tauber hereinbrach. Dabei ist interessant, wie arrogant sich Tauber verhält und dass sich wohl einige Millionen Minijobber beleidigt fühlen dürften. Beide Twitterer haben aber wohl verkannt, wer in Deutschland tatsächlich einen großen Teil der Minijobber stellt.

Tauber hat die miese Wirkung seines Kommentars jedenfalls erkannt und versucht seither mit mehreren anderen Kurz-Äußerungen die Empörung zu zügeln. So schrieb er etwa: „Fakt ist doch:  Mini-Jobs sind an sich gut, aber nicht wenn man drei machen muss. Da haben Sie Recht. Das darf nicht Ziel sein und das wollte ich sagen.“




Der Arbeitsmarkt in Ostdeutschland, wo der Twitterer @Golo677 her stammt, mag noch etwas anders aussehen als im Westen. Doch die rund 7,7 Millionen Menschen in Deutschland, die nach Zahlen des Wirtschaftsforschungsinstituts RWI einen Minijob haben, sind andere als der Schlagabtausch vermuten lässt. Sie arbeiten zunächst einmal für ein Gehalt, das 450 Euro im Monat nicht überschreitet. Das spart Arbeitgebern und Arbeitnehmern im Gegenzug einen Großteil der Sozialabgaben und Steuern. Für viele Außenstehende ist der Minijob Zeichen unsicherer und schlechter Arbeit: Aushilfsjob für Ungelernte oder Arbeit auf Abruf ohne Urlaubsanspruch.

Doch rund 2,6 Millionen Menschen arbeiten neben ihrer festen Anstellung samt Steuern und Abgaben noch in einem solchen Nebenjob. Das kann Zeichen dafür sein, dass das Gehalt sonst nicht reicht oder sich jemand einen besonderen Wunsch erspart. Es kann Hinweis sein, dass jemand eine Teilzeit-Arbeit hat und dort nicht auf Vollzeit gehen kann und deshalb auf einen zusätzlichen Minijob ausweicht.

Es gibt aber auch viele Studenten oder Rentner, die auf diese Weise jobben, für die man oft nichts Spezielles gelernt haben muss. Auch manche Hausfrauen oder Hausmänner jobben auf diese Weise und haben einen Ehepartner mit höherem Einkommen und anderer Absicherung. Die Tätigkeiten: Regale auffüllen etwa, beim Bäcker zur Hauptzeit Brötchen verkaufen oder in einem Lager aushelfen. Diese Menschen zählen zu den rund 5,1 Millionen, die den Minijob als Hauptverdienst angeben. Das kann, muss aber oft gar nicht eine prekäre Situation sein.




Sogar hoch Qualifizierte wie Betriebswirte, Ingenieure oder Mediziner können extra Minijobs haben. Etwa, wenn sie manchmal am Samstag Dienst machen oder etwas anderes übers normale Pensum hinaus getrennt abrechnen. Die haben auf alle Fälle „was Ordentliches“ gelernt.

Am Ende haben beide Seiten, der Fragesteller aus Sachsen und Peter Tauber, wohl an der Wirklichkeit vorbei gestritten. Man kann zwar drei Minijobs gleichzeitig haben, dennoch darf man mit den Tätigkeiten zusammen nicht mehr als 450 Euro im Monat verdienen. Auf alles Zusätzliche fallen wieder ganz normal Steuern und Sozialabgaben an.