Eichins Abrechnung: "Dembele schlecht beraten"

Reinhard Franke
Thomas Eichin spielte als Profi für Borussia Mönchengladbach und den 1. FC Nürnberg

Für Thomas Eichin ist es eine "unglaublich spannende Aufgabe".

Der frühere Geschäftsführer von Werder Bremen und 1860 München ist seit rund einem Monat in selbiger Funktion bei der Spielerberatungsagentur SAM Sports tätig, wo er den früheren Sportchef des FC Bayern, Christian Nerlinger, beerbt hat.

Eichin brennt für den neuen Job, obwohl er sich eigentlich immer als Manager eines Vereins gesehen hat.

"Wir haben ein Portfolio an Spielern, die wir weiterbringen wollen und denen ich mit Rat und Tat zur Seite stehen möchte. Ich versuche, für die Jungs sowohl wirtschaftlich als auch sportlich einen guten Job zu machen", sagt der 50-Jährige im Gespräch mit SPORT1.


Netzwerk hilft Eichin

"Dabei hilft mir natürlich mein Netzwerk, denn ich kenne fast jeden Entscheider in der 1. und 2. Bundesliga. Es hilft mir auch, weil ich die Vereinsseite sehr gut kenne." 

Eichin ist nach wie vor viel unterwegs, um Spieler zu sichten und für seinen neuen Arbeitgeber an Land zu ziehen. Natürlich hat er da das Transfergeschäft weiter fest im Blick. Und Eichin nimmt die heutigen Profis in Schutz.

"Auf die jungen wie erfahrenen Spieler prasselt heutzutage vieles ein. Wenn Sie toll spielen, sind sie die Könige - wenn sie schlecht spielen, sind sie die Versager", erklärt der gebürtige Freiburger.

"Ein Berater muss den Spieler da auch vor dem einen oder anderen Satz schützen. Grundsätzlich halte ich aber nichts davon, Spielern den Mund zu verbieten. Jeder sollte sein eigenes Profil entwickeln, aber ein bisschen Coaching ist nicht verkehrt."


Coaching für Dembele?

Coaching hätte zuletzt auch ein Ousmane Dembele gebraucht. Der ehemalige Profi von Borussia Dortmund wollte im Sommer unbedingt zum FC Barcelona wechseln.

Schließlich ging der Mega-Deal für insgesamt rund 150 Millionen Euro über die Bühne, nun fällt Dembele aber erst einmal drei bis vier Monate verletzt aus. 

Zum erstreikten Transfer des Franzosen hat Eichin eine klare Meinung: "Ich würde einem Spieler niemals zu gewissen Dingen raten, die moralisch und ethisch nicht passen. Dazu war ich selber zu lange Spieler und Manager."


"Würde ich niemals durchgehen lassen"

Es gebe immer einen Weg, "wenn man eine gute Kommunikation mit dem Verein und dem Spieler hat. Aber das, was Dembele gemacht hat, würde ich niemals durchgehen lassen."

In der jüngsten Entwicklung auf dem Transfermarkt sieht Eichin durchaus Gefahren. "Wenn Neymar mit solchen Summen konfrontiert wird, braucht er einfach eine gute Beratung. Und Dembele war schlecht beraten", glaubt Eichin.

Dass die Preise so explodieren, sei "nicht gut für den Fußball". Es könne "nicht sein, dass ein Zehn-Millionen-Stürmer heute nichts mehr wert ist, nur weil er ein Schnäppchen ist".

Dembele auf Tribüne? "Nicht umsetzbar"

Hätte der BVB nicht ein Exempel statuieren und Dembele zwei Jahre auf die Tribüne setzen sollen?

"Das wäre schön, aber es ist in der Praxis nicht umsetzbar", glaubt Eichin und muss dabei schmunzeln.

"Der BVB ist nicht nur ein toller Verein, sondern auch eine AG. Die Dortmunder haben sich mega clever und moralisch richtig verhalten - und haben sich bestimmt eine Flasche Rotwein aufgemacht. Als Sportchef denkst du da gar nicht groß nach. Der Klub hat so viele gute Spieler in der Hinterhand, Dembele war nicht lebensnotwendig für den Verein."