Ehrenamt: "Es gibt noch genug zu tun"

Herr Maretzky, warum setzen Sie sich so sehr für den Kölner Süden ein?

Es ging mir immer darum, Missstände abzubauen. Ich bin als Humanist aufgewachsen. Schon in der Schule habe ich gelernt, Verantwortung zu übernehmen und mich für andere einzusetzen. Das ist der Auftrag, den Menschen haben. Dazu gehört auch, dass man ohne Vorurteile miteinander spricht. Es gibt nicht für jedes Problem eine Lösung, aber man findet immer Leute, die einen unterstützen wollen. Einer bestimmten Partei wollte ich mich nie anschließen. Ich wurde lieber im Bürgerverein aktiv.

Gab es Zeiten, an denen Sie keine Lust mehr hatten?

Das passiert schon mal, aber nur stundenweise. Zum Beispiel, wenn ich viel Überzeugungsarbeit leisten musste und sie erfolglos bleibt. Aber ich rappele mich dann trotzdem schnell wieder auf und mache weiter. Enttäuschend ist aktuell der voraussichtliche Abriss des Bezirksrathauses, ich habe jahrelang für eine Sanierung gekämpft. Es ist ein Stück Rodenkirchener Geschichte und die Architektur hatte damals auch einen Preis gewonnen.

Würden Sie im Rückblick etwas anders machen?

Eigentlich wäre ich gern im Karneval aktiv geworden, aber dafür hat letztlich die Zeit gefehlt. Die Familie und der Bürgerverein sollten nicht zu kurz kommen.

Sie sind vor einiger Zeit sehr krank gewesen. Haben Sie sich gut erholt?

Ich merke, dass ich nicht mehr soviel gleichzeitig erledigen kann. Ich nehme mir jetzt mehr Zeit für mich und trete kürzer. Deshalb will ich ja auch in den kommenden Jahren den Vorsitz der Bürgervereinigung an Jüngere abgeben. Es gibt schon ausgeguckte Kandidaten, Namen will ich noch nicht verkünden. Wir bereiten die Übergabe vor. Ich finde übrigens nicht, dass die Bereitschaft zum Ehrenamt nachlässt. Viele jüngere Leute haben wir für den Vorstand gewinnen können.

Glauben Sie, dass Sie loslassen und sich allmählich zurückziehen können?

Meine frühere Arbeit in der Gewerkschaft habe ich schon lang aufgegeben. Ich kann ja trotzdem noch aktiv bleiben, es gibt noch genug zu tun. Um nur ein Anliegen zu nennen: Dringend muss ein Pendelbus zwischen dem Neubaugebiet Sürther Feld und dem Sürther Bahnhof eingerichtet werden. Privat will ich endlich mein Archiv ordnen und dem Historischen Archiv übergeben.

Die Verdienstmedaille ist die höchste Anerkennung, die die Bundesrepublik für Verdienste um das Gemeinwohl ausspricht. Sie haben sie jetzt erhalten. Wie stolz sind Sie?

Stolz ist der falsche Begriff. Ich bin erfreut, dass sich so viele Leute Mühe gegeben haben, mich auszuzeichnen. Mitglieder der Bürgervereinigung, besonders Monika und Burkhard von Starck sowie Jürgen Müller, haben drei Jahre lang die Auszeichnung vorbereitet. Sie mussten dem Bundespräsidenten Begründungen vorlegen, Fragen beantworten. Auch bei Dienststellen und anderen Vereinen hat Berlin nachgefragt. Die Medaille ist die einfachste Form der Auszeichnung. Das Verdienst-Kreuz, das Konrad Adenauer und Anneliese Friebe-Reininghaus zeitgleich erhalten haben, ist die nächste Stufe.

Wenn Sie die Medaille anschauen, was fällt Ihnen als erstes ein?

Die Farben Rot und Gold kommen mir seltsam vor. Ich bin ja eher Rot und Weiß gewöhnt. Zu festlichen Gelegenheiten werde ich die Medaille tragen. Ansonsten bleibt sie in der Schatulle, genauso wie die Anstecknadel, die ich zuvor erhalten habe.

Fast genau an Ihrem 70. Geburtstag wurden Sie geehrt für Ihren mehr als 40-jährigen vorbildlichen ehrenamtlichen Einsatz. Hätten Sie die Medaille nicht schon früher verdient?

Auch ohne Medaille war und wäre ich motiviert. Aber ich freue mich ungemein, denn sie ist ein Zeichen, dass ehrenamtliches Engagement gewürdigt wird und nachahmenswert ist. Eigentlich habe ich die Medaille nur stellvertretend für all die einsatzfreudigen Mitglieder der Bürgervereinigung erhalten. Ich denke da vor allem an meinen jahrelangen und inzwischen verstorbenen Mitstreiter Reinhold Bardenheier.

Zur Person

Dieter Maretzky, der langjährige Vorsitzende der Bürgervereinigung Rodenkirchen, wurde Mitte September mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik ausgezeichnet. Davor hatte der 70-Jährige beim Ehrenamtstag im Historischen Rathaus die Ehrenamtsnadel der Stadt Köln erhalten.

Der Diplom-Bibliothekar lebt seit 1968 in Köln, arbeitete am Hochschulbibliothekszentrum, in leitender Funktion in Stadtteilbibliotheken sowie im Lektorat der Stadtbibliothek. Zuletzt war der verheiratete Familienvater bis zu seiner Pensionierung 2012 im NS-Dokumentationszentrum zuständig für die Bibliothek und Öffentlichkeitsarbeit.

1975 wurde er Geschäftsführer der parteiunabhängigen Bürgervereinigung Rodenkirchen und 1981 deren Vorsitzender. Kommunalpolitik und Kulturveranstaltungen sind die zwei Säulen des ständig wachsenden Bürgervereins. Der gebürtige Nürnberger ist zudem Vorstandsmitglied im Verein EL-DE-Haus und beim Turnverein Rodenkirchen. (süs)

www.buergervereinigung-

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