Ehemaliges IRA-Mitglied wegen Anschlags in Osnabrück zu Haftstrafe verurteilt

Der heute 48-Jährige beim Gang in den Gerichtssaal

Mehr als 21 Jahre nach einem Anschlag auf britische Soldaten in Osnabrück ist ein ehemaliges IRA-Mitglied vom Landgericht der niedersächsischen Stadt zu vier Jahren Haft wegen versuchten Mordes verurteilt worden. Die Richter sahen es nach Angaben einer Sprecherin vom Mittwoch als erwiesen an, dass der 48-Jährige im Sommer 1996 zusammen mit weiteren Mittätern ein Kasernengelände mit einem Granatwerfer beschoss.

Verletzt worden war bei dem damaligen Anschlag niemand. Der aus Nordirland stammende Mann gehörte nach Überzeugung des Gerichts zu einem paramilitärischen Kommando einer Splittergruppe der nordirischen Untergrundbewegung mit dem Namen Provisional Irish Republican Army (Pira). Er habe den Granatwerfer auf die Pritsche eines Kleinlasters montiert sowie den Zündmechanismus ausgelöst.

Der Angeklagte war im Dezember von Irland nach Deutschland ausgeliefert worden. Nach Gerichtsangaben gilt ein Jahr der gegen ihn verhängten Strafe wegen einer rechtsstaatswidrigen Verfahrensverzögerung bereits als verbüßt. Demnach hätten die deutschen Behörden die Auslieferung bereits früher anstreben können. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Es kann noch vor dem Bundesgerichtshof angefochten werden.

Die IRA hatte jahrzehntelang gewaltsam für eine Loslösung des katholischen Nordirlands vom protestantischen Großbritannien gekämpft. In dem Konflikt starben mehr als 3500 Menschen. Erst das sogenannte Karfreitagsabkommen von 1998 leitete einen Friedensprozess ein und beendete die Gewalt weitgehend.