Ehe für alle: Tränen und Konfetti nach historischer Abstimmung im Bundestag

Das Parlament war bunt und voll an diesem Tag.

Plötzlich bricht Volker Beck die Stimme weg. Es fließen Tränen.

„Es geht um viel mehr als die Ehe“, hat der Kölner Bundestagsabgeordnete soeben noch mit nüchterner, fester Stimme unter Applaus auf dem Empfang seiner Bundestagsfraktion gesagt. Es gehe darum, dass der Bundestag an diesem Tag anerkannt habe, dass Homosexuelle Menschen mit gleicher Würde und mit gleichen Rechten seien.

„Es waren 29 Jahre“, bringt Beck dann noch heraus. Bei den Worten „harter Kampf“, die den Satz vollenden sollen, verrutscht ihm die Stimme bereits nach oben. Danach hört man nur noch, wie er der 56-Jährige mit dem Satz ringt, er denke an diesem Tag auch an seinen bereits vor Jahren verstorbenen Mann. Und die Fraktionskollegin Claudia Roth ruft in die Reihen der Zuhörer: „Kann mal jemand ein Taschentuch geben?“

Norbert Lammert sorgt für Gelächter

Jedem im Parlament war bereits vorab klar, dass dies ein besonderer Tag werden würde. Als Bundestagspräsident Norbert Lammert die Sitzung im Plenum am Freitagmorgen um acht eröffnet, sagt er mit dem ihm eigenen trockenen Humor: „Ich freue mich, dass zu ungewöhnlich früher Zeit ungewöhnlich viele Kolleginnen und Kollegen hier sind.“ Und er fügt hinzu, auch auf der Pressetribüne habe er selten so viele Journalisten gleichzeitig gesehen – und noch nie zu dieser Uhrzeit. Großes Gelächter.

In der Sache geht es um ein ernstes Thema. Öffnet der Bundestag an seinem letzten Sitzungstag in dieser Legislaturperiode die Ehe für homosexuelle Paare? 30 Mal war eine entsprechende Gesetzesinitiative des Bundesrates mit den Stimmen der großen Koalition aus Union und SPD im Rechtsausschuss vertagt worden. Die SPD befürwortet zwar die Ehe für alle, fühlte sich an den Koalitionsvertrag gebunden. Doch als Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Montagabend bei einer Diskussionsveranstaltung sagte, sie wünsche sich in dieser Frage eine Gewissensentscheidung, wenn auch erst nach der Bundestagswahl, nutzte die SPD ihre Chance. Und sie drang auf Abstimmung noch in dieser Woche.

Sind wirklich alle Abgeordneten von SPD, Grünen und Linken um Punkt acht Uhr da? 320 der 630 Parlamentarier gehören zu diesen drei Fraktionen –...Lesen Sie den ganzen Artikel bei berliner-zeitung