Ego-Eklat beim "Biggest Loser"-Start: "Im Fernsehen wird die Wahrheit zu sehen sein!"

Jürgen Winzer
·Lesedauer: 5 Min.

Wer löst ein "Ticket für ein neues, ein leichteres Leben"? Diese Frage stellte sich 30 Bewerbern, die nur ein Ziel hatten: sich im Abnehmcamp von "The Biggest Loser" (SAT.1) auf Naxos von den Trainern schinden lassen, damit Pfunde und Sorgen verschwinden. Aber der erste Stress kam aus unerwarteter Richtung.

30 Bewerber, aber nur 16 Plätze im Camp! "Wir werden gnadenlos aussieben, wir werden euch genau beobachten", machte Dr. Christine Theiss (40) schon bei der Ankunft am Hafen der idyllischen Ägäis-Insel Naxos klar. Theiss ist im zehnten Jahr Campchefin von TBL. Vorher war sie Profi-Kickboxerin, und zwar die weltweit erfolgreichste aller Zeiten. Sie hat gelebt, was sie ihren Kandidaten abverlangt: "Körperliche Anstrengung war für viele bisher ein Fremdwort. Das wird sich jetzt ändern: Wer sich anstrengt, wird belohnt."

An ihrer Seite, auch schon im neunten Jahr: Ramin Abtin (48). Der eisenharte Coach, der zuletzt bei "Promi Big Brother" fremdging (und Achter wurde), war früher ebenfalls Kickbox-Champion, coachte Christine für drei ihrer WM-Kämpfe. Er will die Kandidaten "fordern und fördern". Abtin: "Bei TBL geht es immer wieder darum: Dinge zu tun, die du nicht tun willst und eigentlich nicht tun kannst, die du aber dennoch tun wirst." Nur die Harten kommen in Ramins Garten! Das wissen auch die Kandidaten: "Ich will zu Ramin", sagte Carina (31), "der gibt mir den Arschtritt, den ich brauche!" Petra Arvela (27), Ramins Trainerkollegin im zweiten Jahr, hat andere Vorzüge. Kandidatin Baksi (49): "Sie ist mein Vorbild. Ich will so aussehen wie sie!"

Harte Bandagen bei "The Biggest Loser" (SAT.1): "Ich lass mir hier nix gefallen."

"Es ist die letzte Chance für ein neues Leben", "Ich habe Angst vor einem Herzinfarkt", "Ich brauch den Reset-Knopf für mein Leben", "Ich möchte mich endlich selbst lieben können!" Die Ziele der Kandidaten der 13. Staffel ähneln jenen ihrer Vorgänger. Alle träumen davon, in die Fußstapfen von Vorjahressieger Daniel zu steigen, der 2020 in knapp einem halben Jahr 104 Kilogramm und damit über 51 Prozent seines Startgewichts verlor, aber ein neues Leben und 50.000 Euro gewann.

Alle ziehen gemeinsam am Strang. Alle? Nein, einer tanzte gleich massiv aus der Reihe. "Ich hab Hunger!" - die Aussage von Gianluca bei der Bootsanfahrt nach Naxos war eigentlich schon ein No-Go für die Abspeck-Show. Und der 22-Jährige fuhr auch an Land fort, seine Aussage ("Ich bin hier, um die Show auf den Kopf zu stellen") in die Tat umzusetzen. Bei der ersten Challenge, einem Ein-Kilometer-Lauf, verschaffte er sich energisch Freiraum und schubste nach dem Start mehrere Kontrahenten aus dem Weg. Und zwar mit Ansage: "Sprinte los oder ich bums deinen fetten Ar... weg."

Damit machte er sich keine Freunde - und mit seiner Uneinsichtigkeit ("Ich lass mir hier nix gefallen!") noch weniger. Diverse "Versöhnungsgespräche" scheiterten. Gianluca ("Ich bin eine Drama Queen!") blieb stur: "Im Fernsehen wird die Wahrheit zu sehen sein. Ich freu mich schon auf die ganzen Entschuldigungsbriefe von denen."

Christine Theiss über die neue Staffel: "Es gelten strengere Regeln"

Könnte sein, dass sich der Kinderpfleger aus Köln ("Ich komm mir vor wie bei 'Promis unter Palmen'!") da gewaltig täuscht, seine Wahrnehmung hat er nämlich exklusiv. Die Realität ist: Als er sich als Lauf-Zweiter ein begehrtes T-Shirt, das Ticket fürs Abspeckcamp, sicherte ("Ich hab ein T-Shirt und mehr interessiert mich nicht."), freute sich niemand mit ihm, im Gegenteil. "Ich würde es hier jedem gönnen", sagte etwa Verena, "nur einem nicht. Aber der hat schon sein Shirt. Leider."

2.500 Kilogramm! Die Kandiaten wiegen mehr als ein Breitmaulnashorn!

Nach zwei kraft- und tränenzehrenden Challenges gab es am "Entscheidungsabend" im Camp mehrere Überraschungen. Erstens gab Christine Theiss in letzter Minute doch noch zwei weitere Campplätze frei - also 18 (wie im Vorjahr) statt nur 16. Zweitens durften die Kandidaten selbst einen aus ihrer Mitte fürs Camp auswählen. Die Wahl fiel auf Koloss Jürgen, den schwersten aller Bewerber. Der 41-Jährige Hähnchengriller war gleichzeitig "glücklich und peinlich berührt": "Es hätten doch alle verdient gehabt."

Diese beiden Teams gehen in die Campphase:

Team Blau (Coach Ramin) besteht aus Carina (31 Jahre alt, 114,1 Kilogramm Startgewicht), Chanté (22, 124,2 kg), Cindy (24), mit 177,7 kg die schwerste Kandidatin aller TBL-Zeiten, Sonja (46, 126,3 kg), Danny (35, 140,6 kg), Gianluca (22, 136,5 kg), Jürgen (41), mit 219,8 kg schwerster "Mann des Jahres", Luca (25, 147,1) und Ole (40, 164 kg).

Team Rot (Coach Petra) tritt an mit: Campseniorin Baksi (49, 99 kg), Jessica (24, 122,9 kg), Melissa (36, 129,4 kg), Pati (33, 114,8 kg), Verena (42, 114,8 kg), Benny (30, 151,7 kg), Christoffer (36, 127,1 kg), Mokka (35, 202,7 kg) und Toni (38, 136,8 kg).

Lebensgefährliches Übergewicht: "Deine Leber schreit um Hilfe!"

18 Kandidaten, 18 dramatische private Geschichten, 18-faches zum Teil lebensbedrohliches Übergewicht. "Deine Leber schreit um Hilfe", eröffnete Teamarzt Dr. Christian Westerkamp etwa Sonja. "Du bist die Kränkeste im Camp." Die Diagnose: Fettleber, Diabetes, Bluthochdruck, Bandscheibenvorfall. Trotzdem hat die dreifache Mutter keinen Freibrief. Alle wollen nämlich das, was Danny formulierte: "Ich fahr als Letzter nach Hause. Ihr habt mich jetzt zehn Wochen im Camp an der Backe!"

Es wird ein harter Weg. 2.549,5 Kilogramm brachten die 18 Kandidaten zum Start gemeinsam auf die Waage - mehr als ein ausgewachsenes Breitmaulnashorn. "Es wartet ein Haufen Arbeit auf uns", sagte Ramin. "Aber die tun wir gerne. Wir wollen den Kandidaten zu einem neuen, besseren Leben verhelfen." Auch die Camper wissen, was es geschlagen hat: "Jetzt gilt's. Wir müssen alles geben. Und noch mehr. Jetzt gibt es keine Ausreden mehr!"

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