Egbert Prior: Hier könnte es spannend werden

Andreas Deutsch
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Egbert Prior: Bei diesem Blue Chip bahn sich ein Deal an

Er kennt die Börse aus dem Effeff. Die Rede ist von Egbert Prior. Der langjährige Herausgeber der Prior Börse analysiert für Sie seine Favoriten: deutsche Nebenwerte, die noch kaum jemand im Fokus hat.

Seit dem Börsengang im Mai vor zwei Jahren – Ausgabepreis 18,50 Euro – geht’s mit der Aktie von Windeln.de bergab. Aktuell 2,57 Euro. Praktisch Allzeittief.

Die Geschäftsidee, Babybedarf im Internet zu verkaufen, klingt gut. Doch die Zahlen sorgen für Geschrei. Nach neun Monaten ist ein Nettoverlust von 25 Millionen aufgelaufen. Zwar kletterte der Umsatz um 16 Prozent auf rund 160 Millionen.

Doch von einem im Aufbau befindlichen Internethändler erwartet man eigentlich mehr Wachstum. Der Mittelabfluss in den ersten neun Monaten 23 Millionen. Dem stehen liquide Mittel von 28 Millionen (per 30.9.) gegenüber. Wenn sich nichts ändert, droht früher oder später das Aus. Wir sprechen mit Nikolaus Weinberger. Der Finanzvorstand stellt das Erreichen des break even (Ebit) im Jahresverlauf 2019 in Aussicht.

Weinberger setzt den Rotstift an. Um Kosten zu sparen, wird beispielsweise das Zentrallager aus der Nähe von Berlin nach Polen verlegt. Gleichzeitig müssen die Umsätze weiter wachsen, um profitabel zu werden. Unter den Onlinehändlern, die sich auf Babybedarf spezialisiert haben, sieht der CFO Windeln.de als Nummer eins in Europa.

Dabei erzielen die Münchener rund die Hälfte ihrer Erlöse in China mit dem Verkauf von Babynahrung über das Internet. Im Angebot vor allem Milupa-Produkte. Viele Chinesen bringen Made in Germany ein besonderes Vertrauen entgegen. Windeln.de verzeichnet im Reich der Mitte die höchsten Wachstumsraten.

Der Umsatz stieg im dritten Quartal um 28 Prozent. Im europäischen Ausland betrug der Zuwachs 24%. Federn lassen mußten allerdings die Geschäfte in der DACH-Region. Minus 15 Prozent. Wie Weinberger erläutert, hat man bewusst auf unprofitables Geschäft verzichtet und die Marketingaufwendungen runtergefahren.

Windeln.de ist in zehn europäischen Ländern unterwegs. Wichtige Tochtergesellschaften bestehen beispielsweise in Spanien oder Tschechien. Der Börsenwert ist mittlerweile auf 73 Millionen geschrumpft. Das liegt nicht wesentlich über dem ausgwiesenen Eigenkapital (66 Millionen).

Weinberger sieht das Unternehmen auf dem Weg zur Besserung. In den letzten Quartalen hat sich der Verlust tatsächlich spürbar verringert. Auch Managementfehler trugen zu dem bisherigen Misserfolg bei. Nächstes Jahr scheiden die Gründer aus dem Vorstand aus. Es übernimmt ein ehemaliger Amazon-Manager.

Fazit: Windeln.de ist noch nicht aus dem Gröbsten raus. Der Titel bleibt aber auf unserer Beobachtungsliste als potentieller turnaround-Kandidat. Für einen Einstieg würden wir auf jeden Fall erst eine Bodenbildung des Kurses abwarten.