Egbert Prior: Frische Zutaten für die Börse

Andreas Deutsch
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Egbert Prior: Kann diese Firma jetzt liefern?

Er kennt die Börse aus dem Effeff. Die Rede ist von Egbert Prior. Der langjährige Herausgeber der Prior Börse analysiert für Sie seine Favoriten: deutsche Nebenwerte. Lesen Sie seine Analyse.

„Es geht um Vapiano. Die auf italienischen Lifestyle getrimmte Selbstbedienungsrestaurantkette mit Pizza und Pasta im Angebot traf noch nicht den Geschmack der Anleger. Ausgabepreis beim Börsengang im letzten Juni 23 Euro. Der aktuelle Kurs liegt mit 22,55 Euro knapp darunter. Dabei befindet sich Vapiano auf Wachstumskurs.

Der Systemgastronom eröffnete letztes Jahr weltweit 27 Restaurants. Zum Jahresende gab es 205 Filialen in 33 Ländern auf 5 Kontinenten. Flächenbereinigt kletterte der Umsatz um knapp fünf Prozent.

Nach vorläufigen Zahlen sind 2017 zwischen 315 und 335 Millionen durch die Bücher gegangen sein (Vorjahr 292 Millionen). Das bereinigte Ebitda hat 38 bis 40 Millionen (nach 29 Millionen) erreicht. Unter dem Strich führt die Expansion aber zu roten Zahlen, nach neun Monaten stand ein Nettoverlust von 17 Millionen zu Buche, darin sind auch die Kosten für das IPO enthalten.

Im neuen Jahr möchten die Kölner die Zahl der Lokale um etwa 35 nach oben schrauben. Bis 2020 soll die Zahl der Restaurants um ungefähr 50 Prozent auf circa 330 steigen. Etwa die Hälfte der Erlöse erzielt Vapiano im Ausland.

Für 2018 rechnen Analysten mit einem weiteren Umsatzanstieg um etwa 30 Prozent auf schätzungsweise 420 Millionen. Das erste Lokal ging 2002 an den Start. Die aktuelle Marktkapitalisierung – rund 550 Millionen – erscheint auf dem ersten Blick ambitioniert. Etwa 1,7facher Jahresumsatz. Doch das stramme Wachstum relativiert die Bewertung.

Offensichtlich kommt das Konzept bei den Gästen an. Die Speisen werden vor ihren Augen und nach ihren Wünschen frisch zubereitet. Das trifft den Nerv der Zeit. Mit im Boot sitzen illustre Investoren wie die Tchibo-Erben Herz (39 Prozent), der Gründer Gerlach (19 Prozent) und die Wella-Erben Sanders.

Fazit: Anleger mit langem Atem dürften auf ihre Kosten kommen.“