Egbert Prior: Meine Einschätzung zu Morphosys

Andreas Deutsch
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Morphosys: Großer TecDAX-Verlierer – das ist der Grund

„Die meisten der börsennotierten Biotechnologieunternehmen hierzulande können nur selten mit echten Erfolgen aufwarten“, sagt Egbert Prior, Herausgeber der Prior Börse. „Morphosys gelang jetzt aber ein Durchbruch.“

Erstmals erhält ein Medikament die Marktzulassung, das auf Basis eines von Morphosys erzeugten Antikörpers entwickelt wird. Dem Mittel Tremfya gegen Schuppenflechte wird sogar Blockbusterpotential zugetraut, Schätzungen zufolge könnte der Jahresumsatz in zwei bis drei Jahren ein bis zwei Milliarden Euro erreichen.

Morphosys hatte das Präparat an Janssen – eine Tochter des amerikanischen Pharmariesens Johnson & Johnson – auslizensiert. Die TecDAX-Gesellschaft erhält daher für die erfolge Zulassung auf dem US-Markt eine Meilensteinzahlung und später eine Umsatzbeteiligung, die schätzungsweise fünf Prozent ausmachen könnte.

Nähere Details dazu will Morphosys noch bekannt geben. Die Börse reagierte schon jetzt begeistert, der Aktienkurs legte um zehn Prozent zu. Aktuell 66 Euro.

Janssen beantragte auch eine Zulassung für die EU und will das Medikament für weitere Indikationen erproben. Morphosys besitzt aktuell 113 Forschungs- und Entwicklungsprogramme, davon 29 in klinischen Tests. Am weitesten fortgeschritten ist ein Wirkstoff gegen Lungenkrebs. Der Partner Bayer rechnet mit einer Markteinführung 2019.

Die erste Arznei aus der eigenen Entwicklung gegen Blutkrebs möchte Morphosys Ende 2020 beziehungsweise Anfang 2021 auf den Markt bringen. Der Spezialist für therapeutische Antikörper konzentriert sich auf schwerwiegende Erkrankungen wie Alzheimer, Krebs, Infektionen, Herz-Kreislauf und so weiter.

Wir machten Sie auf die Aktie zuletzt vor gut einem Jahr aufmerksam, nachdem ein Wirkstoffkandidat nicht die gewünschten Testergebnisse erreichte und der Kurs daraufhin um 17 Prozent auf 41,63 Euro abrutschte. Seither hat die Notiz schon wieder mehr als 50 Prozent zugelegt.

Misserfolge gehören in der Medikamentenentwicklung zum Geschäft und stellen bei dem breit diversifizierten Portfolio von Morphosys kein ernsthaftes Risiko dar. Die Forschung kostet Geld, allein in diesem Jahr sollen dafür etwa 90 Millionen ausgegeben werden. Im vergangenen Herbst spülte eine Kapitalerhöhung 115 Millionen in die Kasse.

Per Ende März betrugen die liquiden Mittel üppige 350 Millionen. Die Partner lesen sich wie das Who is Who der Pharmabranche: Pfizer, Merck & Co., Novartis, Bayer etc. Aktueller Börsenwert 1,9 Milliarden.

Fazit: Morphosys erreicht einen wichtigen Meilenstein. Der Weg zu einem neuen Allzeithoch ist frei. Seit Dezember 2014 liegt die Meßlatte auf 87 Euro.