Effenberg: Das darf Nagelsmann nicht machen

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Effenberg: Das darf Nagelsmann nicht machen
Effenberg: Das darf Nagelsmann nicht machen
Effenberg: Das darf Nagelsmann nicht machen

Hallo Fußball-Freunde,

mit dem 5:0 gegen Hertha BSC hat der FC Bayern München am 3. Spieltag der neuen Bundesliga-Saison ein Ausrufezeichen gesetzt. Mit dem vierten Pflichtspielsieg in Folge scheint der Rekordmeister so langsam aber sicher ins Rollen zu kommen. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

Dennoch sollte man die Kirche noch im Dorf lassen. Es ist erst der Anfang. Ich habe mich beim Pokalspiel gegen den Bremer SV mit Julian Nagelsmann unterhalten. Er ist sehr optimistisch und selbstbewusst. Das gibt er seinen Jungs mit. (DATEN: Die Tabelle der Bundesliga)

Er macht vieles richtig. Es ist der Anfang einer Ära. Aber erst im Herbst oder Winter kann man ein erstes Fazit ziehen. Jetzt wäre es noch zu früh. Nagelsmann muss keinem Robert Lewandowski mehr sagen, wie er sich zu verhalten hat oder einem Thomas Müller sagen, wie seine Laufwege sind. Er darf den Fußball nicht verkomplizieren. Dann ist er auf dem richtigen Weg.

Jahr der Wahrheit für Sané

In Sachen Meisterkampf will ich mich noch nicht festlegen. Wir haben erst drei Spieltage. Natürlich hat Bayern in den letzten Spielen sein wahres Gesicht gezeigt. Ich sehe Leipzig und Dortmund trotzdem mit Möglichkeiten, bis zum Ende der Saison um die Meisterschaft mitzuspielen. Aber es geht nur über den FC Bayern.

Auch Leroy Sané glänzte gegen die Berliner - wenn auch nur als Joker. Nach den Pfiffen aus der vergangenen Woche gab es klare Ansagen, dass das im Stadion nicht mehr passieren darf. Das haben die Fans anscheinend verstanden.

Für Sané ist dennoch es ein Jahr der Wahrheit. Man muss ihm das Vertrauen geben, aber er muss es auch zurückzahlen. Stand heute ist er wieder auf einem guten Weg, aber wir müssen schauen, ob er das halten kann. Er muss eine Konstanz hineinbringen.

Außerdem muss er auch das Problem mit der Körpersprache in den Griff bekommen. Die ist für einen Sportler entscheidend. Die war in der Vergangenheit bei ihm nicht gut. Der Kopf muss immer oben bleiben und man muss alles geben. Dann wird er immer mit Applaus verabschiedet.

Letztlich liegt es nur an ihm selbst. Er bekommt das Vertrauen von Flick, Nagelsmann und den Mitspielern, dazu den Zuspruch der Fans. Jetzt ist er dran, zurückzuzahlen. Das weiß er auch.

Allerdings sind wir auch dafür verantwortlich, dass wir nicht auf ihn draufprügeln. Er ist immer noch ein Mensch, der auch Gefühle hat, auch wenn er viel Geld verdient. Das sollte man nicht vergessen. Wenn wir in drei Monaten hier sitzen, sind wir sehr viel schlauer.

Für Sabitzer wird es nicht einfach

Gespannt bin ich auf die Rolle von Marcel Sabitzer beim FC Bayern München, nachdem der Wechsel von RB Leipzig so gut wie perfekt ist. Das große Plus von Sabitzer ist, dass er sehr vielseitig ist. Er kann die Acht spielen, über die Außen kommen, aber auch die Sechs spielen. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

Ich habe allerdings schon vergangene Woche gesagt, dass ich damit ein bisschen Bauchschmerzen habe. Wir reden immer davon, auf das Geld achten zu müssen. Der Junge wäre nächste Jahr ablösefrei, kostet jetzt 15 Millionen. Er ist nicht der Mann, bei dem man sagt: ‚Er ist der, den wir unbedingt wollten.’ Es wird nicht einfach für Sabitzer, sich im Kader durchzusetzen, wenn alle fit sind. (SERVICE: Bundesliga-Spielplan zum Ausdrucken)

Eine Frage ist auch: Wie geht Sabitzer damit um, wenn er zwei-, dreimal auf der Bank sitzt? Joshua Kimmich oder Leon Goretzka setzen sich ja nicht auf die Bank, damit sie sich ein bisschen erholen können. Breite im Kader heißt, dass man das des Öfteren auf der Bank sitzt. Das muss der Spieler akzeptieren.

Bei Boateng bin ich skeptisch

Die Leistung der Berliner in München war dagegen äußerst mangelhaft. Es gab zwei Situationen, in denen sie ein bisschen Gefahr ausgestrahlt haben. Dann wurde es immer weniger, in der zweiten Hälfte kam gar nichts mehr. Kaum Gegenwehr, keine Zweikämpfe mehr angenommen.

Jetzt kommt die Länderspielpause, da sollte man sich zusammensetzen. Danach kommen mit dem VfL Bochum und der SpVgg Greuther Fürth zwei Gegner, da müssen sie gewinnen. Wenn die Spiele gewonnen werden, sieht die Situation schon wieder ruhiger aus. Dann kann man sich wieder auf die wesentlichen Dinge konzentrieren. Wenn sie die Ruhe hineinbekommen, bin ich mir ziemlich sicher, dass es auch in Richtung Tabellenplatz acht, neun oder zehn gehen kann.

Die Frage bei Neuzugang Kevin-Price Boateng ist allerdings: Wie fit ist er wirklich? Daran zweifeln viele, ich auch. Wenn man als Führungsspieler eingekauft wird, muss man 100 Prozent fit sein. Man muss seine absolute Top-Leistung bringen. Sonst wird man von den anderen auch nicht als Führungsspieler anerkannt. Das ist er nicht. Er ist weit weg von 100 Prozent Fitness, von daher wird es sehr schwer für ihn.

Kann ich den Wechsel nachvollziehen? Auf der einen Seite ja - wenn er bei 100 Prozent ist -, aber ich bezweifle, dass er nochmal an diese 100 Prozent kommt. Mit 34 bin ich nicht mehr an die 100 Prozent gekommen. Die Verpflichtung vom Sami Khedira in der vergangenen Saison habe ich eigentlich positiv gesehen, hintenraus hat das aber auch nicht viel gebracht. Daher bin ich skeptisch.

Bis bald

Euer Stefan Effenberg

Stefan Effenberg hat 2001 mit dem FC Bayern die Champions League gewonnen. Mit den Bayern und Borussia Mönchengladbach wurde er zudem mehrmals Deutscher Meister und Pokalsieger. Seit Sommer 2018 bildet der 52-Jährige mit Marcel Reif und Mario Basler das feste Experten-Team des STAHLWERK Doppelpass.

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