Warum Edeka ins Geschäft mit kleinen Märkten einsteigt

Am Montag eröffnet Edeka Südbayern in München seine ersten Filialen mit einem neuen Konzept für besonders kleine Flächen. Damit folgt die Supermarktkette verspätet dem Trend zur kleinen Verkaufsfläche.

München ist um ein neues Supermarktkonzept reicher. Am Montag eröffnet Edeka Südbayern die ersten drei Filialen unter der Marke Edeka Xpress. Das Angebot in der Münchener Innenstadt ist abgestimmt auf die Bedürfnisse des eiligen Städters und Pausenkäufers: Convenience-Produkte von Salaten, über geschnittenes Obst bis zu Smoothies. Zusätzlich gibt es klassische Supermarktware und einen kleinen Gastronomiebereich.

Edeka stößt damit in einen Markt vor, der bisher vom Dauerrivalen Rewe dominiert wird. Der hat sich mit „Rewe to go“ seit 2011 einen Vorsprung bei dem Konzept für kleine Standorte erarbeitet, seit drei Jahren kooperiert Rewe dafür auch mit Aral-Tankstellen. Bei der Edeka gab es entsprechende Initiativen bisher eher nur vereinzelt. Einige Kaufleute betreiben bereits Läden, die ähnlich aufgestellt sind wie die das Rewe-Pendant.

So zum Beispiel im Düsseldorfer Hauptbahnhof, in dem sich Reisende mit den wichtigsten Dingen für die Fahrt aber auch Dingen des täglichen Bedarfs eindecken können. Die Regionalgesellschaft Minden-Hannover betreibt in Hildesheim mit „Edeka Express“ einen Laden, der stark auf frische Backwaren setzt. Mit Spar-Express gibt es auch ein Convenience-Konzept, das sich an Franchisenehmer richtet.

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Mit dem „Edeka Xpress“-Konzept startet die Regionalgesellschaft Südbayern nun jedoch ein größeres Projekt. Bis Ende September sollen 50 ehemalige Filialen von Tengelmann umgebaut und umfirmiert werden. Zudem sollen in den kommenden zwei Jahren zusätzlich fünf weitere Läden neu eröffnet werden, wie die „Lebensmittelzeitung“ berichtet.

Neue Wege für mehr Umsatz?

Jörg Funder, geschäftsführender Direktor des Instituts für Internationales Handels- und Distributionsmanagement (IIHD) an der Hochschule Worms, sieht für diesen Schritt einen einfachen Grund: „Das klassische Supermarktgeschäft ist in Deutschland inzwischen weitgehend erschlossen. Nun suchen die Händler Filialkonzepte, die andere Konsumanlässe befeuern und das klassische Geschäft nicht noch weiter kannibalisieren.“

Nach Meinung von Michael Gerling, Geschäftsführer des EHI Retail Institute, dürften solche Konzepte dank der demographischen Entwicklung auf fruchtbaren Boden stoßen. „Wir haben immer mehr Ein- bis Zwei-Personen-Haushalte und weniger Familien, die ihren Wocheneinkauf erledigen. Gerade viele Singles kochen außerdem nicht so häufig selbst. Die holen sich dann lieber so etwas zu essen auf die Hand.“

Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern sei der Markt in Deutschland noch nicht so weit entwickelt, wofür er auch eine deutsche Besonderheit verantwortlich macht: „Wir haben hier eine sehr hohe Dichte an Bäckereien, die sich in den letzten Jahren auch immer besser auf die Laufkundschaft eingestellt haben und nicht mehr nur belegte Brötchen sondern auch Salate anbieten.“

Convenience-Stores der Sorte „Rewe to go“ oder „Edeka Xpress“ treten damit in Konkurrenz zu diesen Betrieben. Hinzukommen kommen Fast-Food-Läden und andere regionale Anbieter wie die niederländische Supermarktkette Albert Heijn, die versucht, mit ihrem To-go-Konzept im Rheinland Fuß zu fassen.

Auch der Lieferdienst macht Konkurrenz

Edekas größter Gegenspieler im klassischen Supermarktgeschäft, Rewe, betreibt schon deutlich länger die kleinen Läden für den schnellen Einkauf zwischendurch. „Dadurch, dass Rewe deutlich früher da war, konnten sie sich die Kooperation mit Aral sichern. Das war sicherlich ein großer Vorteil für die Expansion“, meint Thomas Roeb, Handelsexperte und Professor für BWL an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. „Aral ist aber natürlich nicht der einzige Tankstellenbetreiber. Ich kann mir gut vorstellen, dass Edeka sich auch eine solche Kooperation sucht.“

Bei einem Convenience-Store ist die Standwortwahl von entscheidender Bedeutung. Die Geschäfte sind durch ihre Produktauswahl stark auf Laufkundschaft und Pendler ausgerichtet. Tankstellen und Innenstädte haben die nötige Kundenfrequenz, die solche Konzepte benötigen.

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Besonders in den Innenstädten kommt hinzu, dass aufgrund der verfügbaren Flächen eine Expansion mit klassischen Supermärkten schwierig ist, da diese zu viel Platz benötigen. Seit der Übernahme von Kaiser’s Tengelmann betreibt Edeka jedoch viele Läden, die das Unternehmen aufgrund der Ministererlaubnis nicht einfach schließen kann – auch wenn sich dort ein Supermarkt kaum wirtschaftlich betreiben lässt.

Während ein Großteil der ehemaligen Tengelmann-Filialen in NRW deshalb zu Märkten des Discounter Netto mit geringerem Platzbedarf umgemodelt wurden, zielen die Convenience-Stores auf ein anderes Modell. Die Margen auf Smoothies oder fertig angerichtete Salaten liegt in der Regel höher als bei Basiszutaten. So lassen sich die hohen Mieten in den Innenstädten eher stemmen.

Fressen oder gefressen werden auf dem Supermarkt-Markt

Mit dem Xpress-Format tritt Edeka jedoch nicht nur in Konkurrenz zu anderen stationären Händlern. „Wir glauben, dass der Bereich Convenience bis zum Jahr 2020 ein Marktpotenzial von sechs Milliarden Euro hat. Der wird aber nicht nur von den stationären Händlern, sondern auch von Lieferdiensten, wie Deliveroo oder Foodora bedient“, erklärt IIHD-Direktor Funder.

Für den Großstadt-Bewohner stellt sich während der Mittagspause oder nach Feierabend also nicht nur die Frage, ob er sich seinen Salat lieber bei Rewe oder Edeka holt, sondern ob er überhaupt einen Fuß vor die Tür setzen soll.

Trotz der guten Chancen für das Convenience-Konzept, ist der Markt nicht groß genug für diese Menge an Anbietern. In den kommenden Jahren wird es deshalb zur Konsolidierung kommen. Da sind sich die Experten einig. Dann zeigt sich, ob die klassischen Supermarktbetreiber oder die Lieferdienste das große Stück vom Sechs-Milliarden-Euro-Kuchen bekommen.

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