„Ein echtes tiefgreifendes Interesse“


Hall of Fame“ – „die Ruhmeshalle“ – nämlich die der Familienunternehmen. Sie, sehr geehrte Frau Schörghuber, haben zunächst gezögert und dann diese Ehrung angenommen. Darüber freuen wir uns alle heute Abend! – Sie sagten mir, das sei „Anerkennung von der ,richtigen‘ Seite“! Wieso? – Was ist denn das Besondere an dieser „Hall of Fame“? Was eint alle dort Versammelten?

Eines ist sicher die Tatsache, dass für alle das Unternehmen und seine Ausrichtung der Motor ihres Handelns ist und nicht der Ruhm. Gute fünf Minuten, um Alexandra Schörghuber zu ehren – ich werde also ein „Destillat“ erstellen – ein Destillat anhand von Zitaten. Das erste Zitat, das ich mir in unserem Telefonat zur Vorbereitung dieser Laudatio notiere, ist der Satz: „Weil ich Menschen mag.“ Und wie Sie das sagen, beeindruckt mich! Das nehme ich, das nimmt man Ihnen einfach ab!

„Krise als Chance“, Sie haben es als etwas ganz Selbstverständliches angesehen, direkt nach dem plötzlichen Tod Ihres Mannes die Verantwortung zu übernehmen. Sie haben nicht einmal zwölf Stunden später mit den Mitarbeitern gesprochen. Schon zu Lebzeiten waren Sie mit Ihrem Mann stets über das Unternehmen im Gespräch. Im „Family Office“ waren Sie zuvor schon unternehmerisch tätig. Aktivitäten wie die Lachsfarm lagen da bereits in Ihren Händen…Bei einem anderen Zitat stutze ich: „Ich wurde also nicht ins kalte Wasser geworfen.“ Mir schießt die Frage durch den Kopf… „Was empfindet Frau Schörghuber denn schon als warm? 15 Grad Celsius?“


Wie auch immer – dank Ihrer Ausbildung in der Gastronomie wissen Sie um die Wichtigkeit täglich gelebter Disziplin und Belastbarkeit. Eigenschaften, die Sie wie auch Urteilskraft und Entscheidungsfreude ohnehin besitzen.

Hierher gehören Aussagen von Ihnen wie: „Ich bin – Gott sei Dank – kein ängstlicher Mensch“ oder „Ich traue mich aber auch, wenn ich etwas nicht verstehe, den Männern zu sagen: Erklären Sie mir das einmal“.
Sie erwarten Transparenz und Offenheit, Sie möchten ungefilterte Informationen. Umgekehrt sind Sie auch bereit, Transparenz und Offenheit zu leben. So wurde auf Ihre Initiative hin 2011 erstmalig in der über 60-jährigen Firmengeschichte der Geschäftsbericht publiziert.

Ihr Unternehmen wurde von Ihrem Schwiegervater in so unterschiedlichen Feldern wie Bau, Hotel und Bier aufgebaut. Fest steht, dass Ihr Schwiegervater für jedes seiner Geschäftsfelder ein echtes, tiefgreifendes Interesse hatte – genau wie Sie, sehr geehrte Frau Schörghuber, schon von Beginn an für die Lachse.

Das ist auffallend – Interesse! Das echte Interesse des Eigentümers – welche Rolle spielt es in unseren Vorstellungen von Wirtschaft? Taugt es als Strategiekriterium, oder ist es sogar Vorbedingung? Ihr Unternehmen lässt mich jedenfalls dafür plädieren, dass ein solches, nachhaltiges – durchaus auch breiter gefächertes – Interesse ein Kriterium sein kann und soll.


Kehren wir zurück zu Ihrer Person, zu Ihren individuellen „Erfolgszutaten“. Da ist Ihre Tatkraft, „drei, vier Quertreiber …, die Politik gegen das Unternehmen als Ganzes gemacht haben“, herauszunehmen, und das zügig zu tun – erst dann gelingt der Neustart. Sie wissen: „Wichtig ist – das Umfeld zieht mit!“ Das Umfeld, das sind die Mitarbeiter und natürlich die Familie, „die immer schnell zur Stelle ist“. So auch heute Abend! Wunderbar!

„Das Vermögen dient dazu, meinen Mitarbeitern und mir unternehmerische Spielräume zu eröffnen.“ Diese, Ihre Überzeugung teilt man in der Hall of Fame der Familienunternehmen. Ebenso wie Dankbarkeit über die glückliche Hand und das Erreichte.

Dr. Hubertine Underberg-Ruder ist Präsidentin des Verwaltungsrats der Underberg AG.