Echte Spione entlarven Spionagefilm-Mythen

Manchmal wird Spionage in Filmen realistisch dargestellt, aber oft auch falsch.

Die “Mission: Impossible”-Filmreihe erlebt gerade einen weiteren Höhenflug; ein neuer James-Bond-Film erwartet uns im Jahr 2020 und Spionagefilm-Parodien wie “Johnny English – Man lebt nur dreimal” ziehen immer noch ein großes Publikum in ihren  Bann – es scheint kein Ende der Spionage-Besessenheit der Kinobesucher in Sicht.

In “Bad Spies” (neu auf Blu-ray, 4K und DVD ab dem zweiten Weihnachtstag) spielt Justin Theroux einen CIA-Agenten, der seiner ahnungslosen Freundin Audrey (Mila Kunis) per Textnachricht den Laufpass gibt, nur um wieder aufzutauchen, nachdem seine verdeckte Mission fürchterlich schiefgelaufen ist.

Alle klassischen Charakteristiken eines Spionagefilms sind in dieser Komödie vorhanden und korrekt – nicht alle halten jedoch der Prüfung stand, wenn sie von einem echten Spion analysiert werden.

Die ehemalige CIA-Agentin Emily Brandwin begann für den amerikanischen Geheimdienst zu arbeiten, nachdem ihre Mutter eine Stellenanzeige auf der CIA-Webseite entdeckt hatte. Brandwin, die berufliche Erfahrung mit Improvisationstheater und Comedy hatte, wurde kurz darauf als Spezialistin für Effekte rekrutiert und entwarf Verkleidungen für Außendienstmitarbeiter (à la “Mission: Impossible”), bevor sie selbst Operations Officer wurde (so nennt man einen Spion bei der CIA).

Kickass-Abenteurer…Kate McKinnon (rechts) und Mila Kunis (links) in Bad Spies.

Ein Filmmythos, der im Film erforscht wird, ist, ob und wie viel man dem eigenen Partner von der Tätigkeit als Spion erzählen darf. Theroux hält in seiner Rolle als Geheimagent seine Freundin Audrey völlig im Dunkeln, wie es in Filmen wie diesem häufig der Fall ist. Im realen Leben darf man dem Partner jedoch sagen, dass man ein Spion ist… aber nur, wenn es sich um eine ernsthafte Beziehung handelt.

„Am Anfang [einer Beziehung] können Sie nicht sagen, wo Sie arbeiten“, erklärt Brandwin Yahoo Movies, „weil Sie Ihre Tarnung aufrechterhalten müssen. Wenn es ernst wird und es sich anfühlt, als würde es eine langfristige Beziehung werden, dann können Sie enthüllen, wo Sie arbeiten. Sie haben einen großen Enthüllungsmoment und sie wissen, dass Sie sie angelogen haben.“

Hier erfahren Sie, welche Elemente des Spionagefilms realitätsnah und welche offensichtlich falsch sind.

Spione haben eine „Lizenz zum Töten – Falsch

Daniel Craig als 007 im James-Bond-Film Spectre (Metro-Goldwyn-Mayer Studios / PA)

Der Mythos des Agenten mit der „Lizenz zum Töten“ ist der Fantasie von Ian Fleming entsprungen, der die James Bond-Bücher schrieb. Mal angenommen, dass ein Spion eine offizielle Erlaubnis der Regierungsbehörden hat, tödliche Gewalt einzusetzen, falls es erforderlich ist – bei der CIA ist dies offenbar nicht der Fall.

„Das ist ein großes Nein bei der Agentur“, betont Brandwin, „das tun sie nicht. “

In Großbritannien ist der Mythos jedoch zumindest ein bisschen wahr. 2008 bezeugte Sir Richard Billing Dearlove, ehemaliger Chef des britischen Geheimdienstes MI6, vor Gericht, dass der Außenminister eine „Class-Seven-Autorisierung“ für den Einsatz tödlicher Gewalt während einer Mission erteilen kann. Er fügte jedoch hinzu, dass diese während seiner 38-jährigen Geheimdienst-Karriere nie zum Einsatz kam.

Spione werden mit falschen Pässen versorgt – Richtig

Das passiert in jedem Spionagefilm. Ist einmal die Tarnung des Geheimagenten aufgedeckt, dann sucht er sein sicheres Schließfach auf, und zieht einen Stapel von Pässen heraus, um möglichst schnell die Flucht antreten zu können.

Es scheint weit hergeholt, aber die ehemalige Spionin Brandwin sagt, es sei ziemlich üblich, dass Spione unter einem falschen Namen reisen.

„Sie reisen unter falscher Identität, also müssen Sie [einen falschen Pass] haben“, gibt Brandwin zu. „Sie verfügen über verschiedene Dokumente, die Ihnen dabei helfen – unabhängig davon, um welche Dokumente es sich handelt. Die Vorstellung, dass Sie ein Pseudonym oder eine andere Identität annehmen müssen, entspricht absolut der Realität.“

„Oft müssen Sie Ihre wahre Identität verbergen, weil Sie möglicherweise im Ausland sind und es nicht sinnvoll wäre, als Mitarbeiter der CIA aufzutreten. Ein Teil des Auftritts ist ein Alias. Es ist ein bisschen wie Method-Acting, aber das Risiko ist sehr hoch.“

Ein Spion zu sein, bedeutet viel Action, mit Schießereien und Verfolgungsjagden – Falsch

„Die meisten CIA-Offiziere tragen keine Waffen, es sei denn, sie befinden sich in feindlichem Gebiet“, sagt Brandwin. „In [Bad Spies] sind sie in Paris, einer sehr kosmopolitischen Gegend und sie würden dort niemals eine Waffe tragen. “

„Was in Filmen manchmal geschieht ist, dass sie CIA und FBI zusammenbringen. Das FBI ist eine Strafverfolgungsbehörde, die CIA ist eine Geheimdienstagentur. Das ist ihre Aufgabe, Informationen zu sammeln. Das ist also für den Film ein wenig aufgerüstet worden.“

„Aber wenn Sie ein Operations Officer sind, arbeiten Sie im Feld. Sie machen also den Job. Aber die Explosionen und der Kampf gegen Gymnasten, das ist wahrscheinlich aufregender, als der Job eines CIA-Agenten je ist.“

Spione haben viele verborgene Talente – Richtig

Nach ihrem Beitritt zur CIA trainierte Brandwin in der geheimen Trainingsstätte der CIA in Virginia, die intern als „The Farm“ bekannt ist.

Sie beschreibt die Erfahrung als „Spy College 101“. Wenn Sie also sehen, wie Agenten wie Jason Bourne sich in mehreren Sprachen unterhalten, mehrere Kampfsportdisziplinen kennen und in der Lage sind, eine Bombe aus einer Batterie, einer Glühbirne und etwas Klebeband zusammenzubauen – das ist alles wahr… bis zu einem gewissen Grad.

„Bei der CIA lernt man Fähigkeiten, die man nirgendwo sonst bekommen würde“, sagt sie. „Es gibt keinen anderen Ort, an dem Sie Überwachung lernen oder bestimmte andere Dinge, es sei denn, Sie wurden geschult. In den Filmen werden diese Fähigkeiten verstärkt dargestellt, wie die Kampfkunst oder das Hochklettern an Mauern – das bringen sie einem nicht bei. Aber sie bringen einem verschiedene Spionagetaktiken und -werkzeuge bei, die man für den erfolgreichen Abschluss einer Mission oder einer Operation benötigen – dieses Training bekommt man absolut. “

Streng vertrauliche Informationen werden auf USB-Sticks weitergegeben – Falsch

Der MacGuffin von Bad Spies ist ein verschlüsselter USB-Stick mit den geheimen Aliasnamen aller aktiven CIA-Mitarbeiter. Es ist ein klassisches Element im Spionagefilm, das auch in Skyfall, Mission: Impossible und Johnny English: Man lebt nur dreimal verwendet wurde, aber es ist unwahrscheinlich, dass solche geheimen Informationen in der Realität auf diese Weise gespeichert werden.

„Das wäre verpönt“, lacht Brandwin. „Wir sind ziemlich gut darin, Informationen zu verbergen und sicherzustellen, dass Informationen immer sicher sind. Der Grund dafür ist, dass es um wichtige Quellen geht und um Methoden, diese Quellen sicher zu halten, weil sie diejenigen sind, die Ihnen Informationen geben. “

„Die Informationen würden mit einem höheren Maß an Sicherheit behandelt – anders als im Film. “

Die CIA rekrutiert aus der allgemeinen Bevölkerung – Richtig

In Bad Spies werden Audrey und ihre beste Freundin Morgan (Kate McKinnon) von der CIA aufgefordert, sich ihrer Operation anzuschließen und am Ende aktive Feldagenten zu werden. Laut Brandwin geschieht dies tatsächlich im wirklichen Leben, obwohl man in der Regel noch viel mehr Hürden überwinden muss, bevor man ein Abzeichen erhält.

„Wenn sie sich während einer Operation bewährt haben, könnte die CIA sie für das  ‚Farm-Training‘ rekrutieren, um zu sehen, ob sie das Zeug dazu haben“, erklärt Brandwin. „Die CIA hat jedes Jahr Tausende und Abertausende von Anträgen, daher suchen sie nicht immer auf diese Weise nach Personal.“

„Es ist jedoch absolut glaubwürdig, dass jemand die Aufmerksamkeit der Agentur auf sich zieht und für ein Training angemeldet wird. Normalerweise ist es eine viel traditionellere Vorgehensweise, die Sie dorthin bringt.“

Tom Butler