EC-Karte geklaut? Wann ihr für fremde Abbuchungen vom Konto aufkommen müsst

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Wer es schon einmal erlebt hat, weiß, wie unangenehm es ist und welche Mühen es mit sich bringt: Das eigene Portemonnaie geht verloren oder wird geklaut. Neben dem Aufwand, einen neuen Personalausweis und Führerschein zu beantragen, richten sich die Sorgen schnell auf die eigenen Finanzen. Was ist mit meiner EC-Karte, insbesondere wenn sie gemeinsam mit der zugehörigen PIN aufbewahrt wurde? Was passiert, wenn Dritte sie missbrauchen und Geld von meinem Konto abheben oder im Geschäft damit bezahlen?

Diese Sorge kann durchaus begründet sein. Im Grundsatz gilt zwar, dass ein Kontoinhaber einen Anspruch auf Rückerstattung des Geldbetrages gegenüber seiner Bank hat, wenn ein Dritter unberechtigt Geld von seinem Konto abbucht (§ 675u Satz 2 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB)). Im Einzelfall kommt eine Haftung des Karteninhabers für die missbräuchliche Verwendung der EC-Karte – oder auch Kreditkarte – aber durchaus in Betracht. Haftung bedeutet in diesem Zusammenhang, dass der Kontoinhaber den vom Dritten abgebuchten Betrag nicht von seiner Bank zurückverlangen kann.

Der wichtigste Hinweis für euch als Karteninhaberin oder -inhaber ist deshalb zunächst: Der Verlust oder Diebstahl der Karte sollte sofort angezeigt werden. Dies geht bei den Bankinstituten selbst oder über den zentral organisierten Sperrnotruf in Deutschland (+49 116 116). Sobald der Verlust der Karte gemeldet ist, scheidet jede weitere Haftung aus – oft kann hier jede Minute entscheidend sein.

Ungemütlich wird es vor allem dann, wenn eine Abbuchung erfolgt, bevor der Verlust gemeldet wurde. Hätte der Karteninhaber erkennen können, dass ein Dritter Zugriff auf seine Karte hat, muss er grundsätzlich 50 Euro des abgebuchten Betrages selbst tragen (§ 675v Absatz 1 BGB). Merkt ihr also zum Beispiel, dass euer Portemonnaie auch nach langer Suche nicht auffindbar ist, habt ihr im schlimmsten Fall am Ende 50 Euro weniger auf dem Konto als vor dem Verlust der Karte. Als positive Nachricht bleibt aber festzuhalten, dass viele Banken aufgrund des hohen Verwaltungsaufwands oftmals auf ihren Anspruch von „nur“ 50 Euro gegenüber dem Kunden verzichten.

Bewahrt PIN und Karte nie am selben Ort auf

Ein ernstzunehmendes Haftungsrisiko entsteht dann, wenn Kontoinhaber in erheblicher, „grob fahrlässiger“ Weise ihre Pflichten aus dem Vertragsverhältnis mit der Bank verletzen (§ 675v Absatz 3 Nr. 2 BGB). In einer solchen Situation haftet der Kontoinhaber allein. Hebt also jemand 1000 Euro von eurem Konto ab, wird dieser Betrag von der Bank im Ergebnis nicht ersetzt. Dies gilt vor allem, wenn der Verlust erkannt, der Bank aber nicht oder nur verspätet gemeldet wird.

Zudem ist der Umgang mit der eigenen PIN in diesem Zusammenhang von besonderer Bedeutung. Es besteht die Pflicht eines jeden Karteninhabers, sorgsam mit seiner PIN umzugehen und so das eigene Konto vor unbefugtem Zugriff zu schützen. Wann ein Bankkunde diese Pflicht verletzt, ist vom Einzelfall abhängig (Auflistung zahlreicher Einzelfälle: Münchener Kommentar zum BGB, 8. Auflage 2020, § 675v Rn. 46 ff.). Wichtig ist, PIN und Karte nicht an einem gemeinsamen Ort aufzubewahren. Dies gilt beispielsweise für (Jacken-)Taschen, Spinde oder Schubladen. Die Aufbewahrung in unterschiedlichen Räumen der eigenen Wohnung oder in verschiedenen Möbelstücken reicht hingegen aus, um die eigene Haftung auszuschließen (Bundesgerichtshof, Urteil vom 17.10.2000 – XI ZR 42/00).

Auch in einem Notizbuch solltet ihr eure PIN nicht vermerken – zumindest dann nicht, wenn es sich in unmittelbarer Nähe zur Karte befindet. Verschlüsselungen der PIN ändern an der Haftung in solchen Situationen nichts, außer der Code kann auch mit ganz erheblichem Aufwand nicht entschlüsselt werden. Insgesamt urteilen Gerichte in diesem Bereich sehr „bankenfreundlich“. Kommt es zu einer Zahlung oder Abbuchung unter Nutzung von Karte und PIN, ist es am Kontoinhaber, nachzuweisen, dass er den Zugriff darauf nicht „grob fahrlässig“ ermöglicht hat.

Wählt bei Verlust der EC-Karte sofort den Sperrnotruf

Besondere Aktualität bekommt das Thema im Rahmen des NFC-Verfahrens, dem kontaktlosen Zahlen von Kleinbeträgen ohne PIN-Eingabe – zum Beispiel an Supermarktkassen. Die Bank verzichtet beim kontaktlosen Zahlen durch die fehlende PIN-Eingabe auf eine Sicherheitsfunktion. Ob der Kontoinhaber in diesen Fällen trotzdem nach den skizzierten Regeln haftet oder aber eine Haftung generell ausgeschlossen ist, gilt Stand heute als rechtlich nicht abschließend geklärt.

Es bleibt daher jedem zu raten, gut auf das eigene Portemonnaie aufzupassen und vor allem bei Verlust oder Diebstahl der EC- oder Kreditkarte unverzüglich den Sperrnotruf zu wählen. So kann das Haftungsrisiko auf ein Minimum reduziert werden.

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