Easyjet weicht Brexit-Turbulenzen aus

Easyjet trotzt dem Brexit-Chaos: An diesem Morgen hat das erste „österreichische“ Flugzeug der britischen Fluggesellschaft abgehoben. Damit sichert sich die Airline wichtige Flugrechte und blickt optimistisch in die Zukunft.


Es wäre eigentlich ein ganz normaler Vorgang: An diesem Morgen ist eine Easyjet-Maschine vom Londoner Flughafen Luton in Richtung Wien gestartet. Aber doch ist Easyjet-Chefin Caroline McCall auf den Flieger stolz. Denn es ist die erste Maschine, der Fluglinie Easyjet Europe die mit der österreichischen Fluglizenz startet, die Easyjet seit kurzem besitzt.

Wegen des bevorstehenden Brexit bestand die Gefahr, dass Easyjet keine Flüge mehr innerhalb Europas anbieten kann. Deswegen hat sich die Gesellschaft ein zweites Standbein in Österreich aufgebaut. Derzeit dürfen britische Airlines aufgrund von EU-Regeln unbegrenzt zwischen den Mitgliedsländern und auch innerhalb der Staaten fliegen. Mit dem für März 2019 geplanten Ausstieg der Briten aus der Union fallen diese Rechte weg. Easyjet-Chefin McCall hat die Hoffnung aber noch nicht aufgegeben, dass es eine Vereinbarung gibt, die diese Rechte auch nach dem Brexit sichert. Sie werde sich – wie alle anderen europäischen Airlines – weiterhin für ein Flugabkommen zwischen Großbritannien und der EU einsetzen, sagte sie am Donnerstag.

Allerdings wird das wohl eher die Hauptsorge ihres Nachfolgers oder ihrer Nachfolgerin sein: McCall geht 2018 zu dem britischen Fernsehsender ITV. Easyjet sucht derzeit nach einem Nachfolger. Intern und extern, wie es nun hieß.

Die Zeiten für die Fluggesellschaften haben sich nach dem schwierigen Vorjahr, als Terroranschläge und hohe Ölpreise sie belasteten, wieder gebessert. Trotz der Turbulenzen rund um den Brexit rechnet Easyjet mit mehr Gewinn als zuletzt.


Der um Sonderposten bereinigte Vorsteuergewinn werde im laufenden Geschäftsjahr bis Ende September voraussichtlich 380 bis 420 Millionen britische Pfund (429 bis 475 Millionen Euro) erreichen. Noch im Mai hatte das Unternehmen mit knapp 370 Millionen Pfund gerechnet. Zu McCalls optimistischeren Erwartungen für das laufende Geschäftsjahr trugen vor allem kräftig steigende Passagierzahlen und Ticketerlöse bei. Im dritten Geschäftsquartal (Ende Juni) beförderte Easyjet 22,3 Millionen Fluggäste und damit fast elf Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Auch die Flugzeuge waren besser gefüllt. Je Fluggast nahm Easyjet fast fünf Prozent mehr ein als im Vorjahr. Der Umsatz stieg um 16 Prozent auf 1,4 Milliarden Pfund. Allerdings sind dabei auch Wechselkurseffekte enthalten. So hat das britische Pfund nach dem Votum der Briten für den EU-Austritt deutlich an Wert verloren. Währungsschwankungen herausgerechnet, konnte Easyjet die Betriebskosten je Sitz um 5,5 Prozent senken. Ohne den günstigen Treibstoffpreis wären sie um 1,6 Prozent gestiegen.

Nicht nur bei Easyjet läuft es wieder besser. Erst vor wenigen Tagen hatte Lufthansa unerwartet gute Halbjahresergebnisse vorgelegt und die Ziele für diese Jahr erhöht. Es geht aufwärts. Der Konkurrenzkampf zwischen den Gesellschaften ist allerdings keineswegs geringer geworden, im Gegenteil: Das Angebot an günstigen Tickets wird immer größer, zum einen durch mehr Fluggesellschaften im Markt, zum anderen dadurch, dass die Fluggesellschaften ihre Preise senken – allen voran Ryanair. Der irische Billigflieger wird kommenden Montag seine Zahlen für das erste Quartal vorlegen. Auch hier sind Analysten optimistisch. „Nach einer turbulenten Phase im vergangenen Jahr sieht es so aus, als bekomme der Sektor Rückenwind“, schlussfolgert Analyst Neil Wilson von ETX Capital.


mit Material von dpa