E.ON-Aktie unter 10 Euro: Schnäppchen oder Ramsch?

Thomas Brantl, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Nachdem sich der Aktienkurs von E.ON (WKN:ENAG99) um knapp 70 % von seinem Tief aus dem Jahr 2016 erholt hat, musste er in den letzten Wochen knapp 6 % abgeben und befindet sich nun wieder unter der 10 Euro-Marke (Stand: 23.11.2017).

Die Frage, die sich Anleger nun stellen sollten: Ist die E.ON-Aktie auf dem aktuellen Kursniveau ein Schnäppchen oder doch nur Ramsch? Anhand des Kurs-Gewinn-Verhältnisses, der Zukunftsaussichten und des Kurs-Buchwert-Verhältnisses möchte ich versuchen, dieser Frage auf den Grund zu gehen.

Anhaltspunkt 1: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis

Um zu überprüfen, ob eine Aktie günstig oder teuer ist, schaut man sich meist zuerst das Kurs-Gewinn-Verhältnis, kurz KGV, an. Es stellt das Verhältnis vom Gewinn zum Aktienkurs dar. Je niedriger dieses Verhältnis ist, desto günstiger ist eine Aktie.

Laut Analysenschätzungen dürfte E.ON im Geschäftsjahr 2017 bei einem um Sondereinflüsse bereinigten Gewinn pro Aktie in Höhe von 0,63 Euro landen. Da der Gewinn in den ersten neun Monaten diesen Jahres bei 0,46 Euro lag, halte ich diese Schätzung für nachvollziehbar und realistisch.

Beim aktuellen Kurs (9,73 Euro, Stand: 25.11.2017) ergibt sich daraus ein KGV von 15,4. Aber ist das nun teuer oder günstig? Nun, das hängt ganz davon ab, wie sich der Gewinn in den nächsten Jahren entwickelt. In die Zukunft blicken kann ich natürlich nicht. Aber ein kleiner Ausblick auf die nächsten Jahre könnte dabei helfen, das KGV besser einzuordnen.

Anhaltspunkt 2: Die Aussichten

Meiner Meinung nach sind die Aussichten für E.ON in den nächsten Jahren gar nicht so schlecht. Zum einen wird man 2018 wohl sein Uniper-Aktienpaket veräußern, was zwischen 3,5 und 4,0 Milliarden Euro in die leeren Kassen spülen könnte. Damit kann man dann endlich wieder investieren, beispielsweise in regenerative Energien.

Vielleicht noch wichtiger: Man könnte Schulden tilgen, das würde die Zinsbelastung senken und den Gewinn logischerweise steigen lassen. Das KGV würde in diesem Szenario sinken, was die aktuelle Bewertung meiner Meinung nach attraktiver macht. Aber auch ohne diesen Einmaleffekt sehe ich durchaus Wachstumspotential.

Megatrends wie Elektroautos oder die stromintensive, dezentrale Blockchain-Technologie, die beispielsweise hinter Krypto-Währungen wie dem Bitcoin steckt, könnten der E.ON-Aktie in den nächsten Jahren zusätzlichen Rückenwind verleihen. Außerdem sind Stromanbieter bisher meist in der Lage gewesen, die Strompreise mindestens auf dem Niveau der Inflation zu erhöhen.

In Anbetracht dieser meiner Meinung nach positiven Aussichten halte ich das aktuelle KGV für nicht wirklich teuer. Insbesondere wenn man die generell hohen Börsenstände in diesen Tagen bedenkt.

Anhaltspunkt 3: Das Kurs-Buchwert-Verhältnis

Das Kurs-Buchwert-Verhältnis, kurz KBV, gibt an, in welchem Verhältnis der Marktwert eines Unternehmens zu seinem Buchwert steht. Der Buchwert setzt sich zusammen aus Eigenkapital, Maschinen, Anlagen, Gebäuden oder Wertanlagen minus den Schulden.

Bei E.ON sind das knapp 6,2 Milliarden Euro (Stand: 30.09.2017). Bei einer Marktkapitalisierung von 21,4 Milliarden Euro (Stand: 28.11.2017) ergibt sich hieraus ein KBV von aktuell 3,5. Im Gegensatz zum KGV sieht dieser Wert relativ hoch und damit teuer aus.

Allerdings deutet das hohe KBV bei E.ON eher auf hohe Schulden hin als auf eine teure Bewertung. Denn wie oben erwähnt werden von den Vermögenswerten eben die Schulden abgezogen. Und je höher die sind, desto niedriger ist der Buchwert und desto höher fällt logischerweise das KBV aus.

Im Bezug auf die Bewertung der E.ON-Aktie halte ich das KBV daher nur für bedingt aussagekräftig. Aber es sollte E.ON-Aktionäre daran erinnern, stets die Entwicklung der Schulden im Blick zu behalten.

Mein Fazit zum aktuellen Kursniveau der E.ON-Aktie

Ich finde, dass die E.ON-Aktie aufgrund ihres moderaten KGVs und dem meiner Meinung nach vorhandenen Wachstumspotential aktuell durchaus attraktiv bewertet ist. Auf meiner Watchlist ist sie zurzeit daher weit oben zu finden.

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Thomas Brantl besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Motley Fool Deutschland 2017