Dutzende Shinkansen-Radteile werden aus Furcht vor Rissen ausgetauscht

In Japan sind mehrere dutzend womöglich fehlerhafte Radteile für den Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen ausgeliefert worden, die im schlimmsten Fall zu einem Entgleisen hätten führen können

In Japan sind mehrere dutzend womöglich fehlerhafte Radteile für den Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen ausgeliefert worden, die im schlimmsten Fall zu einem Entgleisen führen könnten. Insgesamt seien 146 Shinkansen-Bauteile eingesetzt worden, bei denen die Dicke von Stahlträgern, die die Räder mit dem Fahrwerk verbinden, unterhalb der Bestimmungen gelegen habe, erklärte die Herstellerfirma Kawasaki Heavy Industries am Mittwoch.

Unternehmenschef Yoshinori Kanehana bat bei einer Pressekonferenz in Tokio um Entschuldigung dafür, "großen Ärger" und Sorgen verursacht zu haben. Kawasaki Heavy Industries hatte eine Untersuchung der Bauteile eingeleitet, nachdem Ende vergangenen Jahres ein Riss an einem Stahlträger eines Shinkansen-Fahrgestells entdeckt worden war. Die betroffenen Teile sollen nun ausgetauscht werden.

Im Dezember hatte die Besatzung eines Shinkansen bei der Ausfahrt aus einem Bahnhof im Süden des Landes einen beißenden Geruch und auffällige Geräusche bemerkt. Der Zug mit rund tausend Menschen an Bord wurde aus Sicherheitsgründen in der zentraljapanischen Stadt Nagoya gestoppt. Kontrolleure entdeckten schließlich den Riss, der bei einer Weiterfahrt den japanischen Behörden zufolge zum Entgleisen des Hochgeschwindigkeitszuges hätte führen können.

Aus den Schienen gesprungen war Japans legendärer Shinkansen, der bei seiner Jungfernfahrt 1964 auch Japans wirtschaftliche Wiedergeburt nach dem Zweiten Weltkrieg symbolisierte, bislang lediglich bei Erdbeben, Menschen kamen dabei nicht zu Schaden.

In Deutschland führte ein gebrochener Radreifen an einem ICE zum schwersten Zugunglück in der Geschichte der Bundesrepublik. 1998 entgleiste der ICE 884 "Wilhelm Conrad Röntgen" und prallte kurz vor dem niedersächsischen Bahnhof Eschede gegen eine Brücke. 101 Menschen starben.