Durchwachsener Start: Bawag schwächelt bei Rekord-Börsengang

Nikolas Kessler
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Das erfolgreichste IPO der Welt

Die österreichischen Bawag Group kann bei ihrem Börsengang am heutigen Mittwoch zunächst nicht überzeugen. Die Aktie verliert an ihrem ersten Handelstag in der Spitze über vier Prozent. Für die Sanierer Cerberus und Golden Tree hat sich das IPO trotzdem gelohnt.

Die Aktie der österreichischen Bank ist am Mittwoch zu 47,30 Euro in den Handel gestartet – 70 Cent unter dem Ausgabepreis von 48 Euro. Im Laufe des Tages ist sie dann zwischenzeitlich bis auf 46 Euro zurückgefallen. Der holprige Start hatte sich jedoch bereits angekündigt, denn das Interesse an den Papieren war im Vorfeld eher verhalten. Zwar konnten inklusive Mehrzuteilungsoption alle 40,25 Millionen Aktien platziert werden, der Ausgabepreis lag dabei jedoch bereits am unteren Ende der Preisspanne von 47 bis 52 Euro.

Zwar fiel dadurch auch der IPO-Erlös mit rund 1,93 Milliarden etwas geringer aus als erhofft, trotzdem ist der Bawag-Bösengang der bisher größte in der Geschichte der Wiener Börse. Bereits am Freitag wird Bawag zudem in den österreichischen Leitindex ATX aufgenommen und dort mit einem Börsenwert von rund 4,7 Milliarden Euro und einer Gewichtung von rund vier Prozent aus dem Stand zu den Schwergewichten gehören.

Finanzinvestoren machen Kasse

Für die Finanzinvestoren Cerberus und Golden Tree hat sich der Börsengang von Bawag trotzdem gelohnt, denn die nun platzierten Aktien stammen fast komplett aus ihrem Besitz. Als die Bank für Arbeit und Wirtschaft und Österreichische Postsparkasse AG (Bawag) vor gut zehn Jahren wegen missglückter Spekulationen in Schieflage geraten war, hatte Cerberus einen Großteil der Aktien von der Gewerkschaft ÖGB übernommen. Ein Teil davon wurde später an Golden Tree weitergereicht.

Seitdem haben die beiden Finanzinvestoren die ehemalige Krisenbank durch Personalabbau und Verkäufe saniert. Im ersten Halbjahr 2017 hat das Institut einen Vorsteuergewinn von 251 Millionen Euro gemeldet. Mit einer Kernkapitalquote (CET1) von 16,5 Prozent und einer Cost-Income-Ratio von 41,7 Prozent steht das Institut inzwischen wieder vergleichsweise solide da. Nach langjähriger Fokussierung auf den Heimatmarkt hat Bawag nach der Übernahme der Südwestbank im Juli auch deutsche Firmenkunden im Visier.

Im Zuge des Börsengangs haben sich Cerberus und Golden Tree nun von 38 Prozent ihrer Anteile getrennt und dafür rund 1,9 Milliarden Euro kassiert. Mit aktuell noch 56 Prozent halten sie jedoch auch nach dem IPO noch die Mehrheit der Bawag-Anteile.

An der Seitenlinie

Zwar könnte der baldige Aufstieg in den ATX kurzfristig für Impulse sorgen, weil institutionelle Anleger, die den Leitindex abbilden, die Änderung ebenfalls vornehmen müssen. Nach dem durchwachsenen Start rät DER AKTIONÄR jedoch dazu, zunächst an der Seitenlinie zu bleiben.

Wie die österreichischen Blue-Chips im direkten Vergleich mit ihren Konkurrenten aus dem DAX abschneiden, lesen Sie in der kommenden Ausgabe 44/2017 des AKTIONÄR – ab Mittwochabend 22 Uhr hier als E-Paper und ab Freitag am Kiosk.